13. April 2026, 17:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ab März ist in Deutschland Pollensaison, besonders für Frühblüher wie Hasel und Erle. Allergiker bemerken das häufig in Form typischer Heuschnupfen-Symptome: juckende Augen, Niesen und eine laufende Nase. Den Pollenflug können wir kaum beeinflussen, doch es gibt Mittel, die spürbare Linderung verschaffen. FITBOOK hat einen Dermatologen nach Wirkstoffen gefragt, die Betroffene rezeptfrei erhalten können und die zuverlässig helfen.
Typische Symptome und mehr einer Pollenallergie
Eine Pollenallergie, auch allergische Rhinitis genannt, ist eine durch Allergene verursachte Entzündung der Nasenschleimhaut. Umgangssprachlich wird sie auch Heuschnupfen genannt. Dabei reagieren Betroffene vor allem auf Pollen von Bäumen und Gräsern, manchmal auf mehrere Arten gleichzeitig. Gelangen die Pollen in die Schleimhäute, schüttet der Körper den Botenstoff Histamin aus. Dieser begünstigt die typischen Entzündungsreaktionen. Die Stärke der Beschwerden kann von Person zu Person variieren. Symptome sind unter anderem häufiges Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase sowie gerötete und tränende Augen. Zusätzlich können Juckreiz im Mund- und Rachenraum, an den Lippen oder sogar in den Ohren auftreten.
Es gibt nicht wenige Menschen, bei denen Pollenallergie die Lebensqualität über Wochen hinweg massiv einschränkt. Neben den beschriebenen typischen Beschwerden leiden zahlreiche Betroffene während der Pollensaison unter Schlafproblemen, Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit. In manchen Fällen kann sich die Allergie nach Jahren verschlimmern: Dann sind nicht mehr nur die oberen Atemwege betroffen, sondern auch die Bronchien – im schlimmsten Fall kann sich daraus Asthma entwickeln.1 Bei sehr starken Pollenallergiebeschwerden kann eine Immuntherapie in Betracht gezogen werden. Darüber sollte man sich mit dem Arzt beraten.
Medikamente können spürbare Linderung verschaffen
Gegen die Beschwerden lässt sich zumindest mittelfristig etwas unternehmen. So gibt es wirksame, rezeptfrei erhältliche Medikamente, die bei einer Pollenallergie spürbare Linderung verschaffen. Wer jedoch schon einmal Allergietabletten eingenommen hat, kennt womöglich ihre Kehrseite: Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählt Müdigkeit. FITBOOK hat daher den Dermatologen Dr. med. Timm Golüke gefragt, welche Wirkstoffe er empfiehlt, die zuverlässig helfen, ohne dabei im Übermaß müde zu machen.
Dermatologe empfiehlt Antihistaminika der zweiten Generation
Dr. Golüke empfiehlt sogenannte Antihistaminika der zweiten Generation. Diese modernen, meist rezeptfreien Antiallergika lindern Allergiesymptome über einen Zeitraum von etwa 24 Stunden, ohne die starke Müdigkeit auszulösen, wie sie bei Mitteln der ersten Generation auftreten kann. Ein leichter, müdemachender Effekt ist jedoch nicht völlig ausgeschlossen.
Die Erklärung: Antihistaminika blockieren die H1-Histaminrezeptoren, also die Bindungsstellen für den Botenstoff Histamin. Histamin erfüllt im Gehirn aber auch eine „Wachmacher“-Funktion, es unterstützt Aufmerksamkeit und Konzentration. Die modernen Wirkstoffe der zweiten Generation dringen deutlich weniger ins Gehirn ein, teilweise passieren sie die Blut-Hirn-Schranke dennoch. Zudem reagieren manche Menschen empfindlicher auf diese Effekte als andere. „Ich empfehle meinen Patienten daher den Wirkstoff, bei dem die wenigsten Anwender über Müdigkeit klagen“, so Dr. Golüke.
Oft die beste Wahl: Loratadin und Desloratadin
Loratadin verursacht laut Dr. Golüke die wenigsten Nebenwirkungen. Patienten begegnen dem Wirkstoff häufig auch im Produktnamen – viele Präparate sind nach ihm benannt (z. B. Loratadin-1A Pharma). Das Mittel wird morgens eingenommen und entfaltet seine Wirkung über den Tag.2 Der Wirkstoff Desloratadin ist der aktive Metabolit von Loratadin. Er wird oft aufgrund seiner höheren Bioverfügbarkeit empfohlen und wirkt gemeinhin etwas stärker und stabiler über den gesamten Tag (z. B. in Präparaten wie Lorano Pro).
Cetirizin und Levocetirizin
Cetirizin ist ebenfalls rezeptfrei erhältlich und gut wirksam gegen typische Beschwerden wie Niesen, laufende Nase und Juckreiz. Es kann jedoch eher müde machen, daher wird oft eine abendliche Einnahme empfohlen.3 Levocetirizin, das reine Wirkstoff-Enantiomer von Cetirizin, wirkt ähnlich zuverlässig, ist aber etwas weniger sedierend und daher besser verträglich.
Fexofenadin
Der Wirkstoff Fexofenadin ist weniger bekannt, wirkt aber bei den meisten Anwendern kaum sedierend und ist daher gut für die Anwendung am Tag geeignet.
Wichtig: Dr. Golüke verschreibt in seiner Praxis zwar häufig Loratadin, betont jedoch, dass die „beste Wahl“ individuell unterschiedlich ist. Manche Allergiker reagieren auf ein Antihistaminikum besser als auf ein anderes.
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Pflanzliche Unterstützer gegen Pollenallergie
Auf FITBOOK-Nachfrage bestätigte Dr. Golüke, dass auch verschiedene pflanzliche Mittel unterstützend wirken können. So zeigen bestimmte Pflanzenextrakte wie Pastwurz (Butterbur) in Studien eine leichte Reduktion der Histaminausschüttung. Brennnessel wird traditionell ebenfalls antiallergisch genutzt. Tees aus Kamille oder anderen entzündungshemmenden Pflanzen können die Schleimhäute beruhigen. Die Wirksamkeit pflanzlicher Wirkstoffe ist allerdings nicht so gut belegt wie bei klassischen Medikamenten. Sie können allenfalls ergänzend eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die bewährte medikamentöse Therapie mit Antihistaminika.
Was Sie sonst noch gegen Heuschnupfen unternehmen können
Betroffene können ihre Beschwerden über die Einnahme von Antihistaminika hinaus bereits mit kleinen Alltagsmaßnahmen reduzieren. Tägliches Haarewaschen sowie das Tragen von Tüchern oder Kappen verhindern, dass Pollen in den Haaren haften bleiben. Kleidung sollte möglichst nicht im Schlafzimmer ausgezogen und Wäsche nicht draußen getrocknet werden, da sich Pollen im Stoff festsetzen können. Pollenschutzgitter an Fenstern reduzieren zusätzlich das Eindringen von Blütenstaub in die Wohnung. Auch die Orientierung am Pollenflug kann helfen: Bei starkem Flug ist es sinnvoll, Orte zu meiden, an denen die auslösenden Pollen besonders stark auftreten.