15. Juni 2026, 21:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Blauer Himmel, volle Freibäder und gut besuchte Badeseen: Deutschland erlebte bereits erste frühsommerliche Temperaturen. Doch mit den vielen Sonnenstunden steigt auch das Risiko für Sonnenbrand und langfristige Hautschäden. Entscheidend sind dabei nicht nur der richtige Lichtschutzfaktor, sondern auch die Menge der aufgetragenen Sonnencreme. Experten warnen: Viele Menschen verwenden deutlich zu wenig Sonnenschutz – mit Folgen für die Schutzwirkung.
Warum die meisten zu wenig Sonnencreme auftragen
„Wir brauchen mehr Sonnencreme, als die meisten denken“, sagt die Dermatologin Prof. Michaela Axt-Gadermann. „Viele tragen Sonnenschutz zu dünn auf. Deshalb wird oft nicht der Lichtschutz erreicht, der auf der Packung der Sonnencreme steht.“ Auch Dermatologe Dr. Timm Golüke weist darauf hin, dass viele Menschen die benötigte Menge häufig unterschätzen: „In Studien werden etwa 2 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut gerechnet.“
Teelöffelregel und Zwei-Finger-Regel als Orientierung
Damit Sonnencreme ihren vollen Schutz entfalten kann, empfiehlt Axt-Gadermann die sogenannte Teelöffelregel: „Vorschulkinder benötigen von Kopf bis Fuß 4 Teelöffel (20 ml) Sonnenmilch, Schulkinder 5 (25 ml) und Erwachsene mindestens 6 Teelöffel (30 ml).“
Für einzelne Körperbereiche eignet sich die Zwei-Finger-Regel. Golüke erklärt: „Gesicht und Hals brauchen etwa zwei Fingerlängen Sonnenmilch, ein Arm ebenfalls, ein Bein eher drei bis vier.“ Wer Schwierigkeiten hat, größere Mengen gleichmäßig aufzutragen, kann die Creme zunächst in einer ersten Schicht auftragen, kurz einziehen lassen und anschließend nachcremen.
Nachcremen bleibt unverzichtbar
Vor allem beim Schwimmen oder starkem Schwitzen nimmt die Schutzwirkung mit der Zeit ab. Deshalb sollte man regelmäßig nachcremen. „Wer länger in der Sonne bleibt oder sich nach dem Baden abtrocknet, muss nachcremen, denn wasserfest heißt nicht wischfest“, sagt Axt-Gadermann. Außerdem komme es auf die richtige Anwendung an. „Wichtig ist auch, dass die Sonnencreme nicht einmassiert wird. Wird sie intensiv auf der Haut verrieben, verliert sie einen Großteil ihrer Schutzwirkung. Besser schützt ein gleichmäßiger Film, der nur auf der Haut verteilt, aber nicht eingerieben wird“, erklärt die Medizinerin.
Welcher Lichtschutzfaktor ist der richtige?
Neben der Menge spielt der Lichtschutzfaktor (LSF) eine zentrale Rolle. Axt-Gadermann empfiehlt: „Der LSF sollte mindestens das zwei- bis dreifache des aktuellen UV-Index betragen – und auch ein UVA-Schutz ist wichtig.“ Menschen mit heller Haut sollten je nach UV-Belastung zu Produkten mit LSF 20 bis 50+ greifen. Bei dunkleren Hauttypen kann häufig ein LSF zwischen 15 und 30 ausreichend sein.
Für Kinder gelten strengere Regeln. „Babys sollten gar nicht in die direkte Sonne, und Kinder benötigen einen sehr hohen Lichtschutzfaktor (50+)“, sagt Axt-Gadermann. Auch ältere Menschen sollten ihre Haut besonders schützen, da diese im Alter dünner wird. Empfehlenswert ist hier ein Lichtschutzfaktor zwischen 30 und 50.
Besondere Vorsicht für empfindliche Hautstellen
Bestimmte Körperregionen sind der Sonne besonders stark ausgesetzt. Dazu zählen Nase, Stirn, Ohren, Schultern, Nacken und Dekolleté. Diese sogenannten „Sonnenterrassen“ sollte man besonders sorgfältig eincremen. „Im Alltag ist LSF 30 ein guter Mindestschutz, im Urlaub, in den Bergen oder am Wasser eher LSF 50“, sagt Golüke.
Der richtige Lichtschutzfaktor für Kinder und die besten Sonnencremes
Ist es schädlich für die Gesundheit, abgelaufene Sonnencreme zu verwenden?
Schatten ersetzt keine Sonnencreme
Auch wer sich überwiegend im Schatten aufhält, ist nicht vollständig vor UV-Strahlung geschützt. Nach Angaben der Experten entspricht der Schutz unter einem Baum lediglich einem Lichtschutzfaktor von etwa 5 bis 15. Ein Sonnenschirm erreicht sogar nur einen LSF von 5 bis 10. Wasser, Sand oder helle Hauswände reflektieren UV-Strahlung zusätzlich und können ihre Wirkung verstärken. Daher sollte auch im Schatten an Sonnenschutz gedacht werden.
Augen und Haut auch im Auto schützen
Nicht nur die Haut, sondern auch die Augen können durch UV-Strahlen geschädigt werden. Deshalb empfehlen die Experten eine hochwertige Sonnenbrille mit UV-Filter. Darüber hinaus raten sie dazu, sich auch bei Autofahrten einzucremen und bei Bedarf eine Sonnenbrille zu tragen, um das Risiko für Augenschäden sowie Hautschäden und Hautkrebs zu reduzieren.