5. März 2026, 19:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ein entzündeter Zahnnerv kann höllisch wehtun – doch was passiert danach? Viele fragen sich, ob ein wurzelbehandelter, „toter“ Zahn dem Körper langfristig schaden kann. Die kurze Antwort: meist nicht. Entscheidend ist, wie gut behandelt wurde. FITBOOK klärt über Risiken, Mythen und die tatsächliche Studienlage auf.
„Tote Zähne“ könnten meist im Kiefer verbleiben ohne negative Auswirkungen
Mit „toten Zähnen“ sind meist wurzelbehandelte Zähne gemeint – also Zähne, deren entzündetes oder abgestorbenes Zahnmark entfernt wurde. Wenn der Zahnarzt sorgfältig gearbeitet hat und der Zahn dicht verschlossen ist, kann ein wurzelbehandelter Zahn im Kiefer verbleiben – ohne negative Auswirkungen auf den Körper. Problematisch wird es nur, wenn Bakterien im Zahn verbleiben und unbemerkt eine Entzündung weiterbesteht.
Wann gilt ein Zahn als „tot“? Ein Zahn gilt als „tot“, wenn das Zahnmark (Pulpa) im Inneren abgestorben ist. Das kann passieren durch tiefe Karies, eine unbehandelte Entzündung oder ein Trauma. Stirbt das Gewebe ab, wird der Zahn nicht mehr von innen mit Nährstoffen versorgt. Umgangssprachlich spricht man deshalb von einem „toten“ Zahn. Vollständig tot ist er allerdings nicht: Die Zahnwurzel bleibt über das umliegende Gewebe weiterhin mit Blutgefäßen und Nerven verbunden und im Kiefer verankert. Verursacht ein abgestorbener Zahn Beschwerden oder ist er infiziert, wird in der Regel eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Die Wurzelkanalbehandlung ist der Versuch, den Zahn im Kiefer zu erhalten – anstatt ihn zu entfernen. In Deutschland werden jährlich etwa sieben Millionen Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt werden.1
Mythos „Giftdepot“
Immer wieder wird behauptet, wurzelbehandelte Zähne könnten als „stille Entzündungsherde“ wirken und Schadstoffe in den Körper abgeben. Ähnlich wie bei einer Parodontitis könnten die giftigen Ausscheidungen der Bakterien aus dem Zahn in die Blutbahn gelangen und so an anderen Stellen des Körpers für Probleme sorgen. Der „tote Zahn“ quasi als ein mögliches Giftdepot, das am besten entfernt werden sollte.
Ein direkter Zusammenhang zwischen korrekt behandelten, wurzelgefüllten Zähnen und systemischen Erkrankungen konnte bislang nicht belegt werden. Entscheidend ist, ob die Entzündung vollständig beseitigt wurde.
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Wie entsteht die Entzündung überhaupt?
Sollten Zähne nicht gründlich gereinigt werden, können Bakterien den Zahn angreifen. Die Folge: Karies. Bleibt diese Zahnerkrankung unbehandelt, wandern die Bakterien weiter bis zur Zahnwurzel, die im Zahnfleisch sitzt. Dort können die Bakterien bis ins Zahninnere eindringen und eine Entzündung des Zahnnervs (auch Zahnmark oder Pulpa genannt) verursachen. Dieser Prozess ist schleichend und kann sich über Jahre hinweg ziehen.
Woran man eine Entzündung der Zahnwurzel erkennen kann
In den meisten Fällen (nicht immer!) macht sich der von Bakterien befallene Zahn durch Schmerzen bemerkbar. Diese treten insbesondere beim Beißen sowie beim Konsum heißer und kalter Speisen bzw. Getränke auf. Die Schmerzen können sich auch unvermittelt im Ruhezustand bemerkbar machen oder in Form von Kopf- und Kieferschmerzen manifestieren. So ist ein entzündeter Zahn klopfempfindlich und das umgebende Zahnfleisch schwillt an. Auch Mundgeruch oder ein übler Geschmack im Mund sind mögliche Indizien dafür, dass Bakterien am Werk sind.
Zahnwurzelentzündung nicht immer schmerzhaft!
Bei einer Zahnwurzelentzündung treten nicht immer Schmerzen auf, weil es sich um einen schleichenden Prozess handelt. Die Schmerzen können auch kurzfristig auftreten und wieder verschwinden – was nicht bedeutet, dass sich das Problem erledigt hat. Bei Zahnbeschwerden sollte man daher immer einen Zahnarzt aufsuchen. Ein Röntgenbild kann Klarheit über den Zustand einer Zahnwurzelentzündung geben.
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Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung
Im Rahmen einer Wurzelbehandlung erstellt der Zahnarzt zunächst ein Röntgenbild. Nur so kann er feststellen, wie weit die Entzündung in den Zahn vorgedrungen ist. Um an die entzündeten Stellen zu gelangen, bohrt man den Zahn auf und reinigt die Kanäle in der Zahnwurzel mit winzigen Instrumenten und antibakteriellen Stoffen. Bei einer weit fortgeschrittenen Entzündung muss der gesamte Zahnnerv entfernt werden. Damit anschließend keine weiteren Bakterien eindringen können, wird der Zahn im Anschluss an die Wurzelbehandlung dicht verschlossen.
Mögliche Komplikationen nach einer Wurzelkanalbehandlung
Macht sich der Zahn nach einer Wurzelkanalbehandlung durch Schmerzen weiterhin bemerkbar, sollte man den Zahnarzt unbedingt erneut konsultieren. Eventuell braucht es eine Nachbehandlung, die sogenannte Revision. Durch ein Röntgenbild kann der Zahnarzt erneut feststellen, ob und wo eine Entzündung vorhanden ist.
Nach einer Wurzelkanalbehandlung können immer noch Rückstände des entzündeten Gewebes im Zahninneren zurückbleiben. Entweder, weil die Kanäle schwer zugänglich sind – oder weil dem Zahnarzt ein Behandlungsfehler unterlaufen ist. Dann kann sich die Entzündung erneut ausbreiten.
Lebenserwartung „toter Zähne“ gleicht der eines Implantats
Ob ein entzündeter Zahn entfernt werden sollte oder nicht, entscheidet der Zahnarzt. Dabei ist die Wurzelkanalbehandlung die letzte Möglichkeit, den Zahn im Kiefer zu erhalten. Oft ist der Zahn noch in einem guten Zustand, wodurch er nach einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung über viele Jahre voll funktionsfähig bleibt. Laut aktuellen Studien gleicht die Überlebenswahrscheinlichkeit eines „toten Zahns“ der eines Implantates.2 Daher ist es bei einer guten und professionellen Wurzelbehandlung völlig sinnfrei, den Zahn direkt zu ziehen und immer gleich ein Implantat zu setzten, denn: Implantate entzünden sich auch – aus parodontologischer Sicht sogar mit einem viermal höheren Risiko als ein echter Zahn.
Allerdings müssen Patienten mit einem am Wurzelkanal behandelten Zahn im Mund etwas vorsichtiger sein, da er durch den Eingriff anfälliger für Brüche sein kann. Deswegen sollte man an dieser Stelle im Mund extrem harte Lebensmittel wie Bonbons oder Nüsse vermeiden. Wer dies beachtet, der kann noch viele Jahre den behandelten Zahn im Mund behalten und sich einen teuren Zahnersatz sparen.
Wie läuft eine Wurzelbehandlung ab und gibt es Alternativen?
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Kosten für Kassenpatienten
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Standard-Wurzelkanalbehandlung, wenn der Zahn erhaltungswürdig ist. Der Eigenanteil variiert stark nach Position des Zahns (Frontzähne sind meist leichter zu behandeln als Backenzähne), Umfang des Eingriffs (hat sich etwa schon ein Abszess gebildet?), oder ob Zusatzleistungen gewünscht sind. Hochwertige oder moderne Techniken können Hunderte Euro eigenständig kosten.
Fazit – gesunde Zähne brauchen Aufmerksamkeit
Eine Wurzelkanalbehandlung kann man vermeiden, indem man seine Zähne gut pflegt (Lesen Sie dazu: 9 Tipps, um die eigene Mundflora zu verbessern) und jährlich zur professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt vorbeischaut. Hat man Schmerzen im Zahn, sollte man dringend einen Zahnarzt aufsuchen. Kommt man um eine professionelle Wurzelbehandlung nicht herum, muss man den Zahn auf keinen Fall sofort ziehen lassen.
Die Lebenserwartung solcher (fälschlicherweise häufig als „tot“ bezeichneten) Zähne gleicht denen eines Implantats. Mit wurzelbehandelten Zähnen sollte man dennoch nicht unbedingt auf extrem harte Lebensmittel beißen. Macht sich der Zahn nach einer Wurzelkanalbehandlung weiterhin durch Schmerzen bemerkbar, sollte man den Zahnarzt unbedingt erneut konsultieren. Eventuell braucht es eine Nachbehandlung, die sogenannte Revision.1,3