9. August 2025, 15:50 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Das West-Nil-Virus ist zurück in Europa und rückt Deutschland bedrohlich nahe. Seit Juli haben die Behörden in Italien wieder zahlreiche Infektionen bestätigt, und immer mehr Menschen sterben. Innerhalb einer Woche kamen über 50 neue Fälle hinzu. Besonders betroffen: ältere Menschen mit Vorerkrankungen. FITBOOK erklärt, warum Experten vor einer möglichen Ausbreitung warnen, obwohl Deutschland bisher keine Infektionen gemeldet hat.
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Der aktuelle Stand am 8. August
Das Virus, das durch infizierte Stechmücken übertragen wird, ist seit Juli wieder in Italien beim Menschen nachgewiesen worden und damit zurück auf der europäischen Landkarte.1 Es rückt somit auch geografisch näher an Deutschland heran. Allein im vergangenen Jahr wurden 36 Todesfälle durch den West-Nil-Virus verzeichnet.2 Auch in diesem Jahr steigt die Infektionszahl rasch an. Die italienische Gesundheitsbehörde ISS berichtete am 30. Juli, dass in nur sieben Tagen 57 neue Fälle bestätigt wurden.3 Damit liegt die Gesamtzahl bestätigter Infektionen der laufenden Saison nun bei 89 – Tendenz steigend. Auch die Zahl der Todesopfer nimmt weiter zu. Bis zum 7. August haben die Behörden bereits mindestens zehn Todesfälle offiziell bestätigt. Die Verstorbenen waren laut Behörden vorwiegend Menschen im Alter über 80 Jahren mit Vorerkrankungen und aus den Regionen Lazio, Piemont, Emilia-Romagna, Venetien und Kampanien.4
In Deutschland
Bereits in den vergangenen Jahren wurde das Virus in mehreren Regionen Ostdeutschlands – darunter Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt – beim Menschen sowie bei Wildvögeln und Pferden nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut und das Friedrich-Loeffler-Institut berichten seit Jahren über eine mögliche dauerhafte Etablierung des Virus in Deutschland. Die klimatischen Voraussetzungen für eine Ausbreitung sind zunehmend auch hierzulande gegeben: Warme Sommer, milde Winter und stehende Gewässer fördern die Vermehrung und Aktivität der Stechmücken, die das Virus übertragen. In einer Untersuchung von 2020 hielten RKI-Experten fest: „Vor allem längere Sommer mit hohen Temperaturen könnten zu einer verlängerten WNV-Saison und einer weiteren räumlichen Ausbreitung beitragen.“
Der aktuelle Stand am 8. August ist, dass keine Infektionszahlen in Deutschland bekannt sind.
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Immer mehr West-Nil-Virus-Fälle in Deutschland
So gefährlich ist das West-Nil-Fieber
2019 erstmals Ansteckung mit West-Nil-Virus in Deutschland
2019 waren erste mutmaßlich von Mücken übertragene Ansteckungen bei Menschen in Deutschland bekannt geworden, die zuvor nicht verreist waren. Dem RKI zufolge wurde 2018 hierzulande erstmals die Übertragung zwischen Stechmücken und Vögeln dokumentiert, vermutlich sei das ursprünglich aus Afrika stammende Virus aber schon wenige Jahre zuvor nach Deutschland gelangt. Angenommen wird, dass der Erreger mittlerweile auch hier in Mücken überwintern kann. Er war in den vergangenen Jahren vor allem in Regionen Ostdeutschlands auch bei Vögeln und Pferden nachgewiesen worden. Pferde gelten, ebenso wie Menschen, als sogenannte Fehlwirte. Zwar können sie sich mit dem Virus infizieren und dabei ernsthafte gesundheitliche Schäden erleiden, doch die Viruskonzentration im Blut bleibt so gering, dass eine Weitergabe – etwa über Stechmücken – nicht möglich ist. Infizierte Menschen sind daher nicht ansteckend.
Wie verläuft das West-Nil-Fieber?
Das West-Nil-Fieber verläuft nach RKI-Angaben meist unauffällig. Etwa jeder fünfte Infizierte entwickle eine grippeähnliche Erkrankung mit Fieber. Etwa einer von 100 Infizierten erkranke schwer. Daher gehen Experten von einer Dunkelziffer nicht erkannter Ansteckungen aus. Als gefährdet für schwerere Verläufe gelten ältere Menschen und/oder Menschen mit Vorerkrankungen. Sie sollten sich insbesondere in der Saison und in betroffenen Gebieten vor Stichen schützen.
*Mit Material von dpa