30. Oktober 2026, 17:56 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ein Glas Wein zum Abendessen, ein Bier nach Feierabend oder lieber gar kein Alkohol? Gesundheitlich müsste die Antwort eigentlich klar sein: Je weniger Alkohol, desto besser. Doch eine neue große Studie liefert ein überraschendes Ergebnis.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern der Central South University im chinesischen Changsha wertete die Daten von rund 341.000 Teilnehmern der UK Biobank aus. Im Durchschnitt wurden sie 13,4 Jahre lang beobachtet, mehr als 22.000 Menschen starben in dieser Zeit. Dabei zeigte sich: Nicht nur die Menge des Alkohols spielte eine Rolle, sondern offenbar auch, was getrunken wurde.1
Bei Wein zeigte sich ein überraschender Unterschied
Besonders auffällig war Wein. Menschen, die wenig bis moderat Wein tranken, hatten in der Untersuchung ein geringeres Sterberisiko als die Vergleichsgruppe, die fast keinen Alkohol konsumierte. Vor allem beim Rotwein zeigte sich bei kleinen bis mittleren Mengen eine niedrigere Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Bei Bier und Spirituosen sah das Bild dagegen ungünstiger aus.
Was heißt „moderat“? Die Forscher teilten den Konsum nach reinem Alkohol ein. Niedrig waren 20,1 bis 60 Gramm pro Woche, moderat 60,1 bis 120 Gramm. Bei einem Wein mit 12,5 Prozent Alkohol entspricht das zusammen grob einem Viertel bis gut eineinhalb Flaschen Wein pro Woche. Die Vergleichsgruppe nahm höchstens 20 Gramm Alkohol wöchentlich zu sich.
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Moderater Alkoholkonsum kann bei Menschen mit Herzleiden positiv wirken
Warum die Zahlen täuschen können
So einfach ist es nicht. Die Untersuchung kann lediglich Zusammenhänge zeigen. Sie beweist nicht, dass der Wein die Ursache dafür ist, dass diese Menschen seltener starben.
Ein bekanntes Problem vieler Alkoholstudien: Menschen verzichten manchmal gerade deshalb auf Alkohol, weil sie gesundheitlich angeschlagen sind. Dadurch können Menschen, die Alkohol trinken, im Vergleich gesünder erscheinen, als sie es tatsächlich sind. Diesen sogenannten „Sick-Quitter-Effekt“ versuchten die Forscher allerdings zu begrenzen. Ehemalige Trinker sowie Teilnehmer mit bereits vorhandenen Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden ausgeschlossen. Außerdem berücksichtigten die Berechnungen unter anderem Rauchen, Bewegung, BMI, Ernährung, Bildung und soziale Faktoren.
Dennoch können Unterschiede zwischen den Gruppen übrig bleiben. Moderate Weintrinker könnten beispielsweise insgesamt einen anderen Lebensstil pflegen. Deshalb lässt sich aus den Daten nicht schließen, dass das tägliche Glas Rotwein das Leben verlängert.
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Wo der vermeintliche Vorteil endet
Und bei größeren Mengen verschwindet der vermeintliche Vorteil ohnehin: Hoher Rotweinkonsum war mit einer erhöhten Gesamt- und Krebssterblichkeit verbunden. Betrachteten die Forscher Alkohol insgesamt, war bereits moderater Konsum mit einer elf Prozent höheren Krebssterblichkeit verbunden. Das bedeutet, dass das relative Risiko, an Krebs zu sterben, in dieser Gruppe um elf Prozent höher lag als in der Vergleichsgruppe.
Kurz gesagt: Beim Wein zeigt die Studie eine sogenannte J‑Kurve. Das bedeutet: Bei geringen Mengen lag das Sterberisiko niedriger als bei nahezu keinem Konsum, bei größeren Mengen stieg es wieder an.