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Myokardinfarkt

Die unterschiedlichen Anzeichen eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern

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Anna Echtermeyer
Redakteurin

18. November 2025, 11:07 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Es ist Heiligabend, 22 Uhr – während viele Geschenke auspacken, kämpft jemand plötzlich mit stechenden Schmerzen in der Brust: Was bei Männern meist sofort als Herzinfarkt erkannt wird, bleibt bei Frauen häufig länger unbemerkt – denn sie zeigen häufig ganz andere Symptome. Darunter Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder unspezifische Anzeichen wie Müdigkeit.

Dr. Christopher Schneeweis, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, prüft Texte von FITBOOK auf inhaltliche Richtigkeit
Auf fachliche Richtigkeit geprüft von Dr. Christopher Schneeweis, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und machen etwa ein Drittel aller Todesfälle aus.1 Der akute Herzinfarkt ist eine der häufigsten spezifischen Ursachen innerhalb dieser Gruppe. Schwedische Forscher fanden vor einigen Jahren heraus: An keinem Tag im Jahr erleiden so viele Menschen einen Herzinfarkt wie an Heiligabend, besonders gefährdet sind die späten Abendstunden rund um 22 Uhr – wenn starke Emotionen, Stress und Aufregung das Herz zusätzlich belasten.2 Was das Erkennen des Herzinfarkts schwer macht: Die Symptome bei Frauen und Männern können sehr unterschiedlich sein. So können – anders als bei Männern – Schmerzen in Kiefer, Rücken, Halswirbel oder Müdigkeit bei Frauen typische Anzeichen eines Herzinfarkts sein.

Das passiert bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) im Körper

Dem Herzinfarkt liegt – anders als beim Herzstillstand – ein akuter Verschluss eines Herzkranzgefäßes zugrunde. Die Herzkranzgefäße, auch Koronararterien genannt, versorgen den Herzmuskel kontinuierlich mit Blut, das Sauerstoff und lebenswichtige Nährstoffe enthält. Es gibt drei Hauptkoronararterien: die rechte, die linke und die Seitenwandarterie (üblicherweise entspringen die linke und die Seitenwandarterie zusammen aus dem Hauptstamm).

Die Arterien verzweigen sich weiter, um verschiedene Bereiche des Herzmuskels zu erreichen. Verstopft ein durch eine plötzlich aktivierte Gerinnung entstandener Blutpfropf – meist ist eine Ablagerung in der Gefäßwand, genannt Plaque, instabil geworden – eine solche Arterie, hat das zur Folge, dass das Herz nur noch eingeschränkt oder nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Ein solcher Gefäßverschluss ist dann ein akuter Herzinfarkt.

Herzinfarkte werden unterschiedlich eingeteilt – STEMI und NSTEMI

Herzinfarkte werden traditionell noch nach EKG-Veränderung eingeteilt,alsowie sich die Herzerregung ausbreitet und zurückbildet.

  • Beim STEMI (ST-Hebungsinfarkt) ist im 12-Kanal-EKG eine typische ST-Streckenhebung zu sehen, die auf schwere Gewebeschäden hindeutet. Die Strecken zwischen den Wellen und Zacken im EKG sind verändert: Statt sich als Grundlinie abzubilden, ist die Strecke angehoben (sogenannte ST-Hebung). Bei einem STEMI können abgestorbene Herzmuskelzellen nicht wie gewohnt die elektrischen Impulse weiterleiten.
  • Beim NSTEMI (Nicht-ST-Hebungsinfarkt) bleibt diese Hebung aus. Klinisch wird eine Erhöhung des Troponin-T-Gehalts im Blut diagnostiziert. Die Schädigung ist meist geringer als beim STEMI, aber ebenfalls gefährlich. Zudem können beim STEMI auch EKG-Veränderungen auftreten, die aber nicht denen eines STEMI entsprechen.

Laut Leitlinie zur Therapie des akuten Herzinfarkts der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der European Society of Cardiology ist die relative Häufigkeit von STEMI abnehmend und bei NSTEMI zunehmend. Demnach gibt es ein festes Muster für STEMI: Er sei relativ häufig bei jüngeren als bei älteren Menschen und trete öfter bei Männern als bei Frauen auf.3

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Wovon hängt es ab, wie schwer ein Herzinfarkt ausfällt?

Wie schwer ein Herzinfarkt ausfällt, hängt vom betroffenen Gefäß und der Lokalisation ab. Je größer das betroffene Gefäß, desto schwerer die Schädigung des Herzmuskels.

Auch interessant: Wie man einem (zweiten) Herzinfarkt vorbeugen kann

Was sind mögliche Folgen eines Herzinfarkts?

Eine solche Durchblutungsstörung kann zu Herzrhythmusstörungen, im schlimmsten Fall zu Kammerflimmern und dem plötzlichen Herztod führen. Leider kann der plötzliche Herztod durch einen Infarkt das erste Symptom einer koronaren Herzerkrankung (Gefäßverkalkung) sein.

Risikofaktoren – wer ist betroffen?

Rauchen, Übergewicht sowie ein erhöhter Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus und Bluthochdruck verstärken das Risiko für einen Herzinfarkt. Außerdem sollte auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung geachtet werden. Zu viel Stress kann ebenfalls ein potenzieller Auslöser sein.

Zudem sind Alter und Geschlecht wichtige Faktoren: Im höheren Alter ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt größer. Männer sind häufiger und bereits in jüngerem Alter betroffen als Frauen. Frauen sind zwar weniger oft betroffen, sterben jedoch häufiger an einem Herzinfarkt als Männer. Ein Grund könnte sein, dass man beim Herzinfarkt vor allem die für Männer typischen Symptome kennt, diese bei Frauen aber deutlich anders ausfallen können und daher eher unerkannt bleiben – sowohl von den Betroffenen als auch den Behandelnden.4,5

Wichtig ist, zu verstehen, dass die koronare Herzerkrankung keine Erkrankung des Alters ist, sondern sich auch bereits früher manifestieren kann. So haben betroffene Männer in 50 Prozent der Fälle das Ereignis vor ihrem 60. Lebensjahr.

Die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt im Überblick:

  • hohe Blutfette
  • Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes)
  • Rauchen
  • Bluthochdruck

Auch interessant: Wie viele Liegestütze man schafft, sagt etwas über das Infarkt-Risiko aus

Welche Anzeichen für einen Herzinfarkt gibt es?

Ein starker vernichtender Schmerz in der Brust: Das ist ein typisches Anzeichen für einen Herzinfarkt. Doch er kann sich auch subtiler äußern. Etwa durch Luftnot, kalten Schweiß und Übelkeit. Unklare Beschwerden in der Brust sollte man immer ernst nehmen. Da sich ein Myokardinfarkt bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern kann und bei Frauen eher mit unspezifischen Symptomen einhergeht, bleibt er bei ihnen häufiger und länger unerkannt.

Typische Anzeichen eines Herzinfarkts beim Mann

  • Atemnot
  • Schmerzen in Rücken, Schultern und Unterkiefer
  • Schwindel und Bewusstlosigkeit
  • Schmerzen strahlen in den linken Arm aus
  • Übelkeit und Erbrechen
  • blasse Haut
  • Schmerzen im Oberbauch
  • stechende Schmerzen im linken Brustbereich und hinterem Brustbein
  • kalter Schweiß
  • Beklemmungs- und Angstgefühl

Typische Anzeichen eines Herzinfarkts bei der Frau

  • Schmerzen in Kiefer, Rücken, Halswirbel
  • Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Müdigkeit und Benommenheit
  • Atemnot bei geringer Belastung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • blasse Haut
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Schmerzen in Brust und Arm
  • kalter Schweiß
  • Beklemmungs- und Angstgefühl

Brustschmerzen sind besonders ausgeprägt bei Patienten mit akutem STEMI.

Bei sehr glimpflichen Verläufen können mitunter auch Tage und Wochen vergehen, bis Betroffene zum Arzt gehen und plötzlich von der Diagnose Herzinfarkt erfahren. Solche Fälle sind selten, und man kann von Glück sprechen, wenn sie rechtzeitig erkannt werden, bevor Schlimmeres passiert.

Auch interessant: Kann viel Muskelmasse einem Herzinfarkt vorbeugen?

Was tun im Ernstfall?

Im Falle von Beschwerden und Anzeichen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten, muss der Notruf 112 verständigt werden. Im Krankenhaus kann man in fast allen Fällen die betroffene Arterie im Herzen wieder öffnen, sodass das Blut wieder fließen kann. Dabei zählt aber jede Minute, auch um Schäden am Herzmuskelgewebe zu minimieren und damit das Risiko von Langzeitfolgen wie einer Herzschwäche gering zu halten.

Während man auf den Rettungswagen wartet, macht man in der Regel nichts falsch, wenn man 100 Milligramm Acetylsalicylsäure – die etwa in einer Tablette Aspirin stecken – zu sich nimmt. Weil das positiv auf die Blutplättchen wirkt.

Sonst gilt: Ruhe bewahren und nach Möglichkeit jemanden verständigen, um nicht alleine zu sein. Denn die größte unmittelbare Gefahr eines Herzinfarkts ist das Auftreten bösartiger Herzrhythmusstörungen, die innerhalb von Minuten zum Herzstillstand führen können. Dann ist es wichtig, dass jemand da ist, der sofort eine Herzdruckmassage durchführen und den Einsatzkräften die Türöffnen kann.

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Wie sind die Aussichten bei rechtzeitiger Behandlung?

Bei rechtzeitiger Behandlung stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung gut und je nach Stärke des Herzinfarkts erholt sich der Patient möglicherweise ohne schwere Folgeschäden. Jedoch: Herzinfarkt-Patienten müssen ein Leben lang überwacht und behandelt werden. Je früher der Infarkt erkannt und therapiert wird, desto besser die Prognose.6,7,8

Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?

Nicht rauchen – und zwar gar nicht. Studien zeigen: Wer mit dem Rauchen aufgehört hat, nachdem er auf 20 Jahre gerechnet täglich ein Päckchen geraucht hat oder zehn Jahre lang jeweils zwei Päckchen am Tag, hat fünf Jahre später ein um 40 Prozent geringeres Herzinfarkt-Risiko (auch das Schlaganfall-Risiko sinkt um diesen Prozentwert). Für Alkohol gibt es nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen keine sichere Dosis.

Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Olivenöl, Nüssen und Fisch senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich. Reduzieren Sie (nicht nur für Ihre Herzgesundheit) rotes Fleisch, stark verarbeitete Produkte, Zucker sowie Transfette. Schließlich die Bewegung: Für Menschen mit gesundem Herzen gelten pro Woche mindestens 150 Minuten Ausdauer plus zweimal Kräftigung als ideal.

Außerdem ist es sinnvoll, dass jeder frühzeitig einmal seine Risikokonstellation bestimmen lässt, um zu erkennen: Habe ich vielleicht eine Prädisposition für hohe Cholesterinwerte? Ist mein Lipoprotein(a)-Wert erhöht? Habe ich Herzinfarkt-Ereignisse in der Familie, die frühzeitig eingetreten sind? Habe ich einen erhöhten Langzeitbultzucker (HbA1c) als Hinweis für einen Diabtes mellitus? Zudem sollte der Blutdruck gelegentlich gemessen werden, um den Risikofaktor Bluthochdruck möglichst frühzeitig zu erkennen.

Mit solch frühem Eingreifen lassen sich Herzinfarkte und andere Ereignisse möglicherweise verhindern. Mehr zur perfekten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Vorsorge erfahren Sie hier.

Quellen

  1. Statista: Häufigste Todesursachen in Deutschland 2022 (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  2. Mohammad M. A., Karlsson S., Haddad J. et al. (2018): Christmas, national holidays, sport events, and time factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART observational study 1998-2013. British Medical Journal. ↩︎
  3. DKG: Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit ST-Streckenhenung (STEMI). (2017, aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  4. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Herzkrankheiten: Männer erkranken häufiger, Frauen sterben öfter daran. (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  5. Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. Frauen sterben im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt deutlich häufiger als Männer. (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  6. Deutsches Herzzentrum der Charité: Herzinfarkt (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  7. EKG & Echo Training: Koronare Herzkrankheiten (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎
  8. Deutsches Rotes Kreuz: Herzinfarkt (aufgerufen am 18.11.2025) ↩︎

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