31. März 2026, 16:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In Europa ist erstmals ein Mensch mit dem Vogelgrippe-Subtyp H9N2 infiziert worden – der Fall aus Italien gilt derzeit jedoch als mild und wenig besorgniserregend. Grundsätzlich gehören H9N2-Viren zur Influenza-A-Gruppe und zirkulieren vor allem bei Vögeln, können aber selten auch auf Menschen überspringen. Erfahren Sie hier mehr über typische Symptome der Vogelgrippe und wie sie behandelt wird.
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H9N2 weltweit selten, meist milde Verläufe
H9N2 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, zu der auch bekannte saisonale Grippeviren wie H1N1 und H3N2 zählen. Es handelt sich um ein sogenanntes niedrig-pathogenes Vogelgrippevirus, das bei Geflügel weitverbreitet ist, beim Menschen jedoch meist nur milde Symptome verursacht. Infektionen entstehen in der Regel durch engen Kontakt mit infizierten Tieren. Weltweit wurden bereits mehrere Hundert Fälle dokumentiert, vorrangig in Asien und vereinzelt in Afrika.1
Was wissen wir über den aktuellen Fall?
Der erste in Europa gemeldete H9N2-Fall betrifft einen Jungen mit Vorerkrankungen, der sich offenbar außerhalb Europas infiziert hatte und nach einer Reise aus Afrika in Norditalien diagnostiziert wurde. Wie das italienische Gesundheitsministerium berichtet, verläuft die Infektion bislang mild. Dennoch wurde der Patient vorsorglich in einem Krankenhaus in Monza isoliert. Der Nachweis erfolgte über Labortests, die das Erbgut des Virus identifizieren.2 Weltweit wurden bereits mehrere Hundert H9N2-Infektionen registriert – vor allem in China, aber auch in anderen Ländern Asiens und Afrikas.
H5N1-Stamm weltweit ausgebreitet
Der deutlich bekanntere und gefährlichere Vogelgrippe-Subtyp ist H5N1, auch als „Geflügelpest“ bekannt. Dieser Stamm hat sich in den vergangenen Jahren weltweit ausgebreitet, auch in Deutschland ist H5N1 häufig bei Tieren. Die Infektion tötete zunächst hauptsächlich Wildvögel und Geflügel. Später traten vermehrt Infektionen bei Säugetieren auf, die bislang bei rund 30 Arten nachgewiesen wurden.
Das erhöhte Risiko für den Menschen liegt darin, dass das Virus grundsätzlich in der Lage ist, Artenschranken zu überwinden (FITBOOK berichtete). Eine Übertragung von Tieren auf Menschen ist bislang jedoch selten.
Die Fälle in den USA, die durch Milchkühe übertragen wurden, verliefen laut WHO überraschend mild. Häufig trat lediglich eine Bindehautentzündung auf.3 Anfang 2025 starb ein 65-Jähriger aus Louisiana (USA) nach einer Infektion mit dem Virus.4 Anfang April 2025 erlag ein dreijähriges Mädchen in Mexiko der Krankheit.5,6
Die meisten bekannten Infektionen beim Menschen traten bislang bei Personen mit engem Tierkontakt auf, etwa in Geflügel- oder Milchviehbetrieben. Für Deutschland und Europa gilt weiterhin: Keine bestätigten H5N1-Infektionen beim Menschen trotz zahlreicher Ausbrüche bei Tieren. Trotzdem fragt man sich: Wie lässt sich eine Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus beim Menschen möglichst schnell erkennen?
Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus erkennen: Inkubationszeit und erste Symptome
Im Folgenden erfahren Sie, wie sich eine durch zoonotische Influenzaviren wie die Vogelgrippe verursachte Erkrankung sonst noch äußern kann. Die Inkubationszeit beträgt ein bis fünf Tage, in Einzelfällen länger (bis etwa eine Woche).
Folgende Symptome treten als erstes auf:
Auch typische Grippe-Symptome wie
- Halsschmerzen,
- Kopfschmerzen sowie
- Glieder- und Muskelschmerzen können vorkommen, sind aber nicht immer gleich stark ausgeprägt.
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Krankheitsverlauf und Risiko für die Bevölkerung
Zwar infizieren sich Menschen nur selten mit aviären Influenzaviren, doch wenn eine Infektion (insbesondere bei H5N1) auftritt, kann die Erkrankung schwer verlaufen und tödlich enden. Viren können direkt eine Lungenentzündung verursachen, die in Einzelfällen zu Lungenversagen und Tod führen kann. Das gilt auch für aviäre Influenza.
Trotz der Todesfälle früher im Jahr 2025 schätzt die Centers for Disease Control and Prevention, eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als gering ein. So auch das RKI für die Bevölkerung in Deutschland. Gefährdet sind Personen, die Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel haben.8
Wie unterscheidet sich die Vogelgrippe von einer normalen Grippe?
Auch wenn sich die Vogelgrippe und die echte Grippe einige Symptome teilen, gibt es Unterschiede: nicht nur in der Art der Krankheitserreger und der Übertragung. So dauert es bei der Vogelgrippe meistens länger, bis nach der Ansteckung erste Symptome auftreten: bis etwa eine Woche. Bei der Grippe treten die ersten Beschwerden häufig schon nach drei Tagen auf.9
Während Fieber, Husten, Hals-, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowohl bei der Grippe als auch bei der Vogelgrippe auftreten können, ist Durchfall bei normaler Grippe eher seltener. Auch beschränkt sich Durchfall mehr auf die Kinder unter den Patienten. Atemnot ist ebenfalls nicht typisch für eine normale Grippe. Gleichwohl aber Schnupfen, wie man ihn auch von einer Erkältung her kennt.10 Der größte Unterschied besteht darin, dass die Vogelgrippe die Atemwege und die Lungen angreifen kann.
Wie gefährlich ist die Vogelgrippe bei Kindern?
Ob die Vogelgrippe für Kinder gefährlicher als für erwachsene Menschen ist, ist bislang noch unbekannt. Allerdings sollte es sich ähnlich wie bei einer normalen Grippe verhalten. Bedeutet: Da Kinder noch kein vollständig ausgereiftes Immunsystem haben, können sie öfter bzw. schneller daran erkranken. Jedoch ist die Grippe für Kinder nicht gefährlich und nimmt meist einen harmlosen Verlauf an.11
Wie wird die Vogelgrippe behandelt?
Zur Behandlung der Vogelgrippe stehen antivirale Medikamente wie Neuraminidasehemmer zur Verfügung, die auch bei der saisonalen Grippe eingesetzt werden. Wie bei der saisonalen Grippe sollte die Behandlung der Vogelgrippe so früh wie möglich beginnen, idealerweise innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome. Bei Kontakt mit Tieren sind grundsätzlich strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten. Eine Impfung speziell gegen die Vogelgrippe gibt es bisher nicht.
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So wird H5N1 auf den Menschen übertragen
Hochpathogene aviäre Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7 gelten als besonders krankheitserregend, heißt es seitens des österreichischen Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.12 Das derzeit grassierende Influenzavirus A(H5N1) gehört zu diesen problematischen Erregern. Sie sind auf den Menschen übertragbar und können eine schwere Erkrankung auslösen. Die Ansteckung erfolgt bei sehr engem Kontakt mit infizierten Tieren. Dies geschieht entweder durch Einatmen von Viruspartikeln, die sich im Staub befinden, oder durch Schmierinfektion, wenn die Hände nach dem Kontakt mit erkrankten Tieren, Kadavern oder kontaminierten Tierprodukten sowie Ausscheidungen nicht gründlich gewaschen werden.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Aufgrund der bekannten Wandlungsfähigkeit des Virus ist dies jedoch für die Zukunft denkbar.
Kann eine Grippeimpfung vor der Vogelgrippe schützen?
Die ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfiehlt Personen mit häufigem, direktem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln eine Impfung gegen saisonale Influenza. Auch Menschen mit regelmäßigem Kontakt zu Geflügel, Wildvögeln oder anderen potenziell infizierten Tieren sollen jährlich geimpft werden.13
Die Grippeimpfung kann zwar nicht vor einer Ansteckung schützen, aber eine Doppelinfektion von Vogelgrippe und anderen grassierenden Influenzaviren verhindern. Das ist deshalb wichtig, weil Viren auf diese Weise Gensegmente austauschen, sich weiterentwickeln und potenziell für Menschen und Tiere noch gefährlicher werden können.