11. August 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Sonnenlicht hinterlässt nicht nur Spuren auf der Haut, sondern auch am Auge. Eine aktuelle Studie aus Australien legt nahe, dass eine bestimmte, leicht erkennbare Veränderung im Auge womöglich mit einem erhöhten Risiko für hellen Hautkrebs zusammenhängt. Überraschend ist dabei, dass andere als Marker für Sonnenexposition geltende Augenmerkmale keinen solchen Zusammenhang zeigten. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Menschen mit erhöhtem Hautkrebsrisiko früher zu identifizieren und gezielter auf Vorsorge aufmerksam zu machen.
Warum Veränderungen im Auge im Zusammenhang mit Hautkrebs interessant sind
Ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der Sonne gilt als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor für Hautkrebs. Gleichzeitig kann langfristige UV-Belastung auch sichtbare Veränderungen am Auge verursachen. Dazu zählen insbesondere das Pterygium, die sogenannte konjunktivale UV-Autofluoreszenz (CUVAF), die als mögliche objektive Marker vergangener Sonnenexposition diskutiert werden.
Ein Pterygium, auch „Flügelfell“ genannt, ist eine gutartige, keilförmige Gewebewucherung der Bindehaut, die auf die Hornhaut wachsen kann. CUVAF beschreibt UV-bedingte Veränderungen der Bindehaut, die man mit spezieller Fotografie sichtbar machen kann. Auch Myopie (Kurzsichtigkeit) spielt eine Rolle, wenn es um in der Sonne verbrachte Zeit geht. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Menschen mit mehr Zeit im Freien häufig größere CUVAF-Areale aufweisen und seltener kurzsichtig sind.1
Die Forscher wollten deshalb wissen, ob diese Augenmerkmale mit einer früheren Diagnose von Hautkrebs zusammenhängen. Untersucht wurden sowohl Keratinozytenkarzinome – also die häufigsten Formen des weißen Hautkrebses wie Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom – als auch das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs), die gefährlichste Form des Hautkrebses. Ziel war es, zu prüfen, ob Augenbefunde als Hinweis auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko dienen könnten.
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Ablauf der Studie
Die Untersuchung war eine Querschnittsstudie. Das heißt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt erhobene Daten ausgewertet wurden. Es handelt sich also um eine Momentaufnahme. Die Basis waren Daten der „Busselton Healthy Ageing Study“, einer großen Gesundheitsstudie zum Thema gesundes Altern, in Westaustralien. Analysiert wurden Teilnehmer, die zwischen 2016 und 2022 teilgenommen hatten. Insgesamt lagen für 3829 Personen verwertbare Daten zur Hautkrebsvorgeschichte vor. Das Durchschnittsalter betrug 64,2 Jahre.2
Die Forscher untersuchten drei Augenmarker für frühere UV-Belastung:
- Pterygium anhand standardisierter Augenfotografien
- CUVAF mittels spezieller UV-Fotografie
- Myopie anhand objektiver Refraktionsmessungen der Augen
Hautkrebsdiagnosen wurden nicht ausschließlich über Selbstauskünfte erfasst. Stattdessen kombinierten die Wissenschaftler Angaben der Teilnehmer mit Daten aus Krebsregistern, Krankenhausaufenthalten und Sterberegistern. Dadurch sollte die Erfassung möglichst vollständig werden.
Für die statistische Auswertung wurden logistische Regressionsmodelle verwendet. Mit diesem statistischen Verfahren berechnen Forscher, ob zwischen zwei Dingen ein Zusammenhang besteht und wie stark dieser Zusammenhang ist. Dabei berücksichtigten sie in dieser Studie potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Augenfarbe (stellvertretender Hinweis für den Hauttyp), Rauchverhalten, familiäre Hautkrebsbelastung und Geburtsland.
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Zusammenhang zwischen „Flügelfell“ und Hautkrebsrisiko
Von den knapp 3900 untersuchten Personen hatte etwa jeder Fünfte bereits eine Form von hellem Hautkrebs entwickelt. Deutlich seltener war schwarzer Hautkrebs (Melanom).
Besonders auffällig war ein Befund am Auge: Menschen mit einem Pterygium („Flügelfell“) hatten häufiger bereits die Diagnose eines hellen Hautkrebses erhalten als Menschen ohne diese Augenveränderung. Personen mit einem akuten Flügelfell hatten ein um etwa ein Drittel erhöhtes Risiko; bei wem die Wucherung früher bereits operativ entfernt werden musste, war das Risiko für hellen Hautkrebs sogar fast doppelt so hoch. Könnte das Auftreten von Pterygium also ein Warnzeichen für ein erhöhtes Hautkrebsrisiko sein?
Für schwarzen Hautkrebs fanden die Forscher dagegen keinen klaren Zusammenhang. Auch andere untersuchte Veränderungen am Auge, die als Hinweise auf eine hohe UV-Belastung gelten, standen nicht mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko in Verbindung.
Die Ergebnisse blieben auch bei zusätzlichen statistischen Überprüfungen bestehen. Das spricht dafür, dass der beobachtete Zusammenhang zwischen Pterygium und hellem Hautkrebs robust ist.
Bedeutung und Einordnung der Studie
Da Pterygium und Hautkrebs häufiger gemeinsam vertreten waren, liegt die Vermutung nahe, dass beide Erkrankungen gemeinsame Risikofaktoren teilen, insbesondere eine langfristige UV-Belastung. Ein Erklärungsansatz der Forscher betrifft die körpereigene DNA-Reparatur: Möglicherweise sind manche Menschen von Natur aus – also genetisch bedingt – empfindlicher gegenüber Sonnenstrahlen. Ihr Körper ist dann etwas schlechter darin, kleine Schäden in den Zellen zu reparieren, die durch UV-Licht entstehen. Da diese „Reparatur-Werkstatt“ im gesamten Körper arbeitet, betrifft eine solche Schwäche sowohl die Augen als auch die Haut. Ein Pterygium im Auge könnte somit ein sichtbares Indiz für eine allgemeine UV-Empfindlichkeit sein, die gleichzeitig das Risiko für hellen Hautkrebs erhöht.
Ein Pterygium verursacht jedoch keinen Hautkrebs und bedeutet nicht automatisch, dass Betroffene erkranken. Da die spezifische Augenveränderung aber statistisch häufiger gemeinsam mit Hautkrebs vorgefunden wurde, könnte es klug sein, im Fall von Pterygium auch verstärkt auf Hautveränderungen zu achten und diese ärztlich abklären zu lassen.
Zu den Stärken der Studie zählen die große Teilnehmerzahl, objektive Augenuntersuchungen und die Verknüpfung mit offiziellen Gesundheitsdaten. Einschränkend ist jedoch, dass es sich um eine Querschnittsstudie handelt, die keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen kann. Zudem war die Zahl der Melanomfälle gering, einige Angaben beruhten auf Selbstauskünften, und untersucht wurden ausschließlich Personen europäischer Abstammung. Insgesamt zeigt die Studie einen plausiblen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass Pterygien Hautkrebs verursachen.