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Sommerhitze

Aus diesem Grund kann ein Ventilator Ihr Herz belasten

Wie ein Ventilator Hitze verstärken kann, zeigt eine Studie. Wassermangel macht ihn zum Gesundheitsrisiko.
Wie ein Ventilator Hitze verstärken kann, zeigt eine Studie. Wassermangel macht ihn zum Gesundheitsrisiko. Foto: Getty Images
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15. August 2025, 14:52 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Ventilator kann bei großer Hitze für Abkühlung sorgen – oder genau das Gegenteil bewirken. Ob das Gerät wirklich hilft oder sogar gefährlich werden kann, hängt vor allem davon ab, wie gut der Körper mit Flüssigkeit versorgt ist. Eine neue Studie aus Australien hat jetzt untersucht, wie sich der Einsatz eines Ventilators bei extremer Hitze auf Kreislauf, Körpertemperatur und das persönliche Temperaturempfinden auswirkt – und welche Rolle dabei Wassermangel spielt.

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Was und warum wurde untersucht?

Hitzewellen sind weltweit eine wachsende Gesundheitsgefahr. Im Sommer 2022 starben in Europa über sechzigtausend Menschen an den Folgen extremer Temperaturen.1 Besonders gefährdet sind Menschen ohne Klimaanlage – viele nutzen stattdessen einfache Ventilatoren. Doch dieser scheinbar harmlose Helfer kann unter bestimmten Bedingungen dem Körper sogar schaden.

Frühere Studien zeigten, dass Ventilatoren bis zu einer Umgebungstemperatur von etwa 39 bis 40 Grad Celsius helfen können, die körperliche Belastung zu verringern. Wird es noch heißer, kann sich der Effekt jedoch ins Gegenteil verkehren: Die Luftbewegung kann dann dazu führen, dass der Körper mehr Wärme aufnimmt, als er über die Haut abgeben kann – besonders dann, wenn das Schwitzen gestört ist.

Genau hier setzt die neue Studie an: Ein Forschungsteam der Universität Sydney untersuchte, wie sich der Einsatz eines Ventilators bei hoher Hitze und Luftfeuchtigkeit (knapp 40 Grad Celsius und knapp 50 Prozent Luftfeuchtigkeit) auf den Körper auswirkt – sowohl bei gut mit Flüssigkeit versorgten als auch bei ausgetrockneten Personen. Ziel war es herauszufinden, ob ein Flüssigkeitsmangel die Wirkung des Ventilators auf Kreislauf, Körpertemperatur, Schwitzen und Temperaturempfinden verändert.2

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Probanden verbrachten Stunden in Klimakammer

Die Studie wurde mit 20 gesunden Erwachsenen durchgeführt. Alle nahmen an vier jeweils dreistündigen Hitzebelastungstests in einer Klimakammer teil – jeweils mit und ohne Ventilator, einmal gut hydriert und einmal dehydriert.

Für die gut hydrierten Versuche (Fachbegriff: „euhydriert“, ausgeglichener Wasserhaushalt im Körper) tranken die Teilnehmenden bereits einen Tag vorher ausreichend Wasser und auch während der Belastung warmes Wasser (etwa 37 Grad Celsius). In den Versuchen mit Flüssigkeitsmangel verzichteten sie für 24 Stunden auf wasserreiche Lebensmittel und tranken während der Hitzeeinwirkung nichts.

Während der Tests saßen sie still, trugen Shorts und ein Baumwollunterhemd. Ein Ventilator mit einer Luftgeschwindigkeit von zweieinhalb Metern pro Sekunde war in eineinhalb Metern Entfernung aufgestellt. Gemessen wurden die Körperkerntemperatur (rektal), der Puls, die Schweißmenge (über Gewichtsverlust berechnet) sowie das subjektive Hitzeempfinden, das Unbehagen und das Durstgefühl.

Was kam heraus?

Die Wirkung des Ventilators hing stark davon ab, ob die Testpersonen ausreichend mit Flüssigkeit versorgt waren oder nicht.

Bei gutem Flüssigkeitshaushalt: spürbare Entlastung

Im gut hydrierten Zustand belastete der Ventilator den Kreislauf nicht. Die Herzfrequenz blieb stabil, und das Temperaturempfinden verbesserte sich sogar: Die Hitze wurde als deutlich weniger unangenehm empfunden – auf einer Skala sank der Wert im Durchschnitt um neun Millimeter. Auch das Unbehagen nahm spürbar ab (um siebzehn Millimeter auf der Skala).

Bei Flüssigkeitsmangel: Kreislauf zusätzlich belastet

Anders sah es bei Flüssigkeitsmangel aus. Hier stieg der Puls durch den Ventilator sogar zusätzlich an – im Durchschnitt um fünf Schläge pro Minute im Vergleich zu dehydrierten Personen ohne Ventilator. Dieser Unterschied war statistisch signifikant – das heißt, er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Ventilator zurückzuführen. Eine spürbare Erleichterung bei der Hitzeempfindung oder dem Unwohlsein konnte dagegen nicht festgestellt werden. Die kühlende Wirkung blieb also aus.

Mehr Schweiß – aber nicht immer ein Vorteil

Unabhängig vom Flüssigkeitshaushalt sorgte der Ventilator für eine deutlich höhere Schweißproduktion – bei dehydrierten Personen betrug der Anstieg etwa 125 Gramm pro Stunde. Bei guter Flüssigkeitsversorgung ist das kein Problem – bei Dehydration allerdings verschärft sich dadurch der Wassermangel und damit die Kreislaufbelastung zusätzlich.

Dehydration belastet den Körper massiv

Generell zeigte sich: Flüssigkeitsmangel verschlechtert alle gemessenen Werte erheblich – ganz unabhängig vom Ventilatorgebrauch. Die Körperkerntemperatur stieg im Schnitt um drei Zehntel Grad, die Herzfrequenz nahm um bis zu 17 Schläge pro Minute zu. Auch das subjektive Unbehagen und das Durstgefühl waren deutlich stärker ausgeprägt.

Ein Ventilator ist nicht immer von Vorteil

Die Studie macht deutlich: Ein Ventilator kann bei großer Hitze nur dann sinnvoll zur Kühlung eingesetzt werden, wenn der Körper gut mit Flüssigkeit versorgt ist. Ist das nicht der Fall, kann der Ventilator den Kreislauf zusätzlich belasten – vor allem, weil er das Schwitzen verstärkt, ohne tatsächlich für Abkühlung zu sorgen.

Für den Alltag heißt das: Wer an heißen Tagen einen Ventilator nutzt, sollte unbedingt darauf achten, ausreichend zu trinken. Schon eine leichte Dehydration kann dazu führen, dass der Luftstrom nicht mehr hilft, sondern sogar schadet – insbesondere bei älteren Menschen oder bei Vorerkrankungen, die das Schwitzen einschränken.

Die Ergebnisse zeigen auch: Durst ist ein ernst zu nehmendes Alarmsignal. Selbst bei gleicher Hitze waren Puls und Körpertemperatur bei dehydrierten Personen deutlich höher, das subjektive Unwohlsein stark verstärkt.

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Einordnung und Einschränkungen

Die Studie wurde mit jungen, gesunden Erwachsenen in einer kontrollierten Laborumgebung durchgeführt. Das sorgt für sehr genaue und vergleichbare Daten. Durch das sogenannte Crossover-Design – also dass jede Person jede Testbedingung durchlaufen hat – konnten individuelle Unterschiede gut ausgeglichen werden.

Allerdings ist die Übertragbarkeit auf andere Gruppen eingeschränkt. Ältere Menschen, Kinder oder Personen mit Vorerkrankungen könnten anders auf Hitze oder Ventilatorgebrauch reagieren. Auch Medikamente, die das Schwitzen oder Durstgefühl beeinflussen, wurden nicht berücksichtigt. Zudem wurde nur eine sitzende Situation getestet – wie sich der Körper bei Bewegung oder körperlicher Arbeit verhält, bleibt offen.

Nicht untersucht wurden auch andere Kühlmethoden, etwa das gezielte Übergießen mit Wasser („Self-Dousing“), das in anderen Studien vielversprechend war.

Fazit

Ventilatoren können bei großer Hitze helfen – aber nur, wenn man gut mit Flüssigkeit versorgt ist. Ist das nicht der Fall, kann der Ventilator den Kreislauf zusätzlich belasten. Wer auf den Luftstrom setzt, sollte unbedingt ausreichend trinken. Die neue Studie liefert wichtige Hinweise für den sinnvollen und sicheren Einsatz von Ventilatoren – insbesondere in Zeiten häufiger werdender Hitzewellen.

Quellen

  1. Ballester, J., Quijal-Zamorano, M., Méndez Turrubiates, R.F. et al. (2023). Heat-related mortality in Europe during the summer of 2022. Nature Medicine. ↩︎
  2. Graham, C., Hospers, L., Jay, O. (2025). Electric Fan Use With Dehydration in Extreme Heat and Humidity: A Randomized Crossover Trial. JAMA Netw Open. ↩︎

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