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So halten Sie Ihre Prostata gesund! 8 Tipps, die wirken

Man kann einiges tun, um seine Prostata gesund zu halten
Kümmern Sie sich nicht erst um Ihre Prostata, wenn sie bereits erkrankt ist Foto: Getty Images
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13. April 2026, 18:47 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Die Prostata gehört zu den Organen, über die viele Männer erst dann nachdenken, wenn sie Probleme macht. Dabei spielt sie eine zentrale Rolle für Gesundheit, Wohlbefinden und Sexualität. Erfahren Sie von unserem Experten, Dr. Christoph Pies, Facharzt für Urologie, was Sie tun können, um Ihre Prostata langfristig gesund zu erhalten.

Dr. Christoph Pies
Mit fachlicher Beratung von Facharzt für Urologie

Die Prostata ist eine etwa kastaniengroße Drüse, die sich direkt unterhalb der Harnblase des Mannes befindet und die Harnröhre umschließt. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, ein Sekret zu produzieren, das Bestandteil der Samenflüssigkeit ist und die Beweglichkeit der Spermien unterstützt.

Ist die Prostata der „G-Punkt“ des Mannes?

„Immer wieder wird die Prostata als ‚männlicher G-Punkt‘ bezeichnet, denn eine Stimulation über den Enddarm kann bei manchen Männern tatsächlich intensive Empfindungen auslösen. Medizinisch betrachtet ist das jedoch eher ein Nebenaspekt. Entscheidend ist vor allem ihre Funktion im Fortpflanzungssystem sowie die Tatsache, dass Veränderungen dieses kleinen Organs spürbare Auswirkungen auf den Alltag haben können“, so Dr. Christoph Pies.

Typische Prostata-Erkrankungen und worauf Sie achten sollten

Benigne Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Vergrößerung)

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Prostata, was grundsätzlich normal ist. Problematisch wird es dann, wenn daraus Beschwerden entstehen. Besonders häufig ist die benigne Prostatahyperplasie, bei der das Gewebe wächst und auf die Harnröhre drückt. Sie ist auch als „gutartige Prostatavergrößerung“ bekannt und macht sich oft schleichend bemerkbar, indem der Harndrang zunimmt, vor allem nachts, und der Harnstrahl schwächer wird.

Prostatitis (Prostata-Entzündung)

Die sogenannte Prostatitis ist für Betroffene meist deutlich spürbar, etwa durch Schmerzen im Beckenbereich oder ein Brennen beim Wasserlassen.

Prostatakrebs

„Besonders ernst ist der Prostatakrebs, eine der häufigsten Krebsarten bei Männern und besonders tückisch. In frühen Stadien verursacht er oft keine Beschwerden, sodass er häufig erst entdeckt wird, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Erste Symptome können ein häufiger Harndrang, ein schwächer werdender Harnstrahl oder Probleme beim Wasserlassen sein. In manchen Fällen treten auch Blut im Urin oder Sperma sowie Schmerzen im unteren Rücken, Becken oder in den Knochen auf“, erklärt Dr. Pies. „Wird er in einem frühen Stadium diagnostiziert, sind die Heilungsaussichten in der Regel sehr gut, da der Tumor oft noch auf die Prostata begrenzt ist. Wird der Krebs hingegen erst spät entdeckt, kann er sich bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet haben. Dann wird die Behandlung komplexer und zielt häufig darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.“

Warum Vorsorge so entscheidend ist

Viele Männer neigen dazu, erste Veränderungen zu ignorieren oder als altersbedingt abzutun. Doch gerade bei der Prostata kann frühes Handeln entscheidend sein für den Behandlungserfolg. Deshalb ist die beste Vorsorge vor allem eines: Früherkennung, bevor überhaupt Beschwerden auftreten. Empfohlen wird, ab etwa 45 Jahren regelmäßig zur Prostata-Vorsorge zu gehen. Bei familiärer Vorbelastung kann bereits ein früherer Start, etwa ab 40, sinnvoll sein. Entscheidend ist dabei die Regelmäßigkeit, denn sie schafft die besten Voraussetzungen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Ergänzend kann im Rahmen der Vorsorge auch der sogenannte PSA-Wert im Blut bestimmt werden. Dabei handelt es sich um einen Tumormarker, der Hinweise auf Veränderungen der Prostata geben kann. Allerdings ist dieser Test nicht unumstritten und sollte daher immer individuell und nach ärztlicher Beratung entschieden werden.

8 Tipps, wie Sie Ihre Prostata im Alltag schützen können

1. Der wichtigste Schutzfaktor: regelmäßige Bewegung

„Wenn Sie sich regelmäßig aktiv bewegen, fördern Sie die Durchblutung im gesamten Körper und damit auch im Beckenbereich“, rät Herr Dr. Pies. „Genau dort sitzt die Prostata, die auf eine gute Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen ist. Schon schnelleres Gehen, Radfahren oder moderates Krafttraining können einen spürbaren Unterschied machen, sofern sie regelmäßig erfolgen und fest in Ihren Alltag integriert sind.“

2. Gesundes Körpergewicht halten

Übergewicht steht nachweislich mit einem erhöhten Risiko für ungünstige Krankheitsverläufe in Zusammenhang, da es hormonelle Prozesse und Entzündungsreaktionen im Körper beeinflusst. Ein stabiler BMI im Normalbereich wirkt sich daher nicht nur positiv auf Ihre allgemeine Fitness aus, sondern unterstützt auch die Prostatagesundheit.

3. Entzündungshemmend essen

Ihre Ernährung hat direkten Einfluss auf die Zellgesundheit und Entzündungsprozesse im Körper. Eine möglichst natürliche, ausgewogene Nahrung mit viel Gemüse, gesunden Fetten und antioxidativen Inhaltsstoffen kann den Zellschutz aktiv unterstützen. Besonders gesund sind in diesem Zusammenhang Tomaten mit ihrem Lycopin-Gehalt, Kurkuma, Omega-3-Fettsäuren etwa aus Lachs und Eiern oder auch zinkreiche Lebensmittel wie Nüsse und Samen. Ein eindeutig gesicherter präventiver Effekt auf die Prostata ist jedoch nicht belegt.

4. Rauchen und Alkohol reduzieren

Nikotin verschlechtert die Durchblutung, während Alkohol den Stoffwechsel und hormonelle Abläufe beeinflussen kann. Beides kann entzündliche Prozesse im Körper begünstigen, die  langfristig auch die Prostata belasten.

5. Der „30-Sekunden-Prostata-Trick“

Durch gezieltes Training des Beckenbodens lassen sich die Muskulatur stärken und die Durchblutung im Becken verbessern. Der sogenannte „30-Sekunden-Prostata-Trick“ ist dabei eine einfache Methode: Sie spannen den Beckenboden kurz und kräftig an, lösen die Spannung wieder und machen etwa 30 Sekunden Pause, bevor Sie die nächste Wiederholung starten.

6. Ausreichend trinken

Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Harnwege dabei, Bakterien auszuspülen und die Blasenfunktion stabil zu halten. Das wirkt sich indirekt auch positiv auf die Prostata aus. Wasser und ungesüßte Tees sind dabei die beste Wahl.

7. Sitzzeiten reduzieren

Langes Sitzen, wie etwa im Büroalltag, kann die Durchblutung im Beckenbereich beeinträchtigen. Wenn Sie regelmäßig aufstehen, sich bewegen und kleine Aktivpausen einbauen, entlasten Sie nicht nur Ihren Rücken, sondern auch Ihre Prostata.

8. Stress gezielt ausgleichen

Chronische Belastung kann entzündliche Prozesse im Körper verstärken und sich damit negativ auf verschiedene Organe auswirken, einschließlich der Prostata. Entspannung, ausreichend Schlaf und bewusste Auszeiten sind daher ein wichtiger Bestandteil der Prävention.

Nahrungsergänzungsmittel: sinnvoll oder nicht?

„Immer wieder werden bestimmte Mikronährstoffe im Zusammenhang mit der Prostatagesundheit genannt, darunter vor allem Zink, Selen und Vitamin D. Diese Stoffe spielen tatsächlich eine Rolle für Zellschutz, Immunfunktion und hormonelle Prozesse, die auch die Prostata betreffen. Dennoch ist die Studienlage gemischt und es fehlt bislang ein klarer, allgemeingültiger Beweis dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel Prostata-Erkrankungen zuverlässig vorbeugen können. Entscheidend ist außerdem immer die Dosierung, denn zu hohe Mengen bestimmter Mikronährstoffe können sich sogar nachteilig auf Ihre Gesundheit auswirken. Besonders bei Selen und Zink ist Vorsicht geboten, da eine Überversorgung unerwünschte Effekte wie Durchfall, Kopfschmerzen und Erbrechen haben kann“, klärt Herr Dr. Pies auf. „Unterm Strich gilt daher: Nahrungsergänzungsmittel können im Einzelfall sinnvoll sein, etwa bei nachgewiesenem Mangel oder bestimmten Beschwerden. Sie ersetzen jedoch keine ausgewogene Ernährung und keinen gesunden Lebensstil. Wenn Sie Präparate einnehmen möchten, empfiehlt sich eine individuelle Abstimmung, idealerweise in Rücksprache mit einem Arzt.“

Pflanzliche Alternativen, die die Prostata unterstützen

„Im Bereich der sogenannten Phytotherapie kommen dabei vor allem Präparate mit Sägepalmenextrakt, Brennnesselwurzel oder Kürbissamen zum Einsatz. Sie werden insbesondere bei leichten Beschwerden im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung genutzt, etwa bei häufigem Harndrang oder einem abgeschwächten Harnstrahl“, so Herr Dr. Pies. „Einige dieser Pflanzenstoffe können entzündungshemmende Eigenschaften haben oder sich positiv auf den Harnfluss auswirken. Wichtig ist jedoch eine realistische Einordnung: Pflanzliche Präparate können bei milden Beschwerden unterstützend wirken, ersetzen aber keine ärztliche Abklärung oder eine evidenzbasierte Therapie. Wer Veränderungen bemerkt, sollte diese daher immer medizinisch abklären lassen und pflanzliche Mittel eher als Ergänzung verstehen, nicht als alleinige Lösung.“

Schützt regelmäßige Ejakulation vor Prostatakrebs?

„Die Studienlage ist nicht eindeutig, aber einige Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen häufiger Ejakulation und einem geringfügig niedrigeren Risiko für Prostatakrebs. Der oft genannte Richtwert von etwa 20 Ejakulationen pro Monat stammt aus einer großen US-Kohortenstudie, ist aber kein medizinischer Richtwert oder eine offizielle Empfehlung“, so Herr Dr. Pies. „Es handelt sich um statistische Zusammenhänge, nicht um einen nachgewiesenen direkten Schutzmechanismus. Die Erklärung, dass durch Ejakulation möglicherweise ‚schädliche Substanzen ausgespült‘ werden, ist eher eine Hypothese und wissenschaftlich nicht gesichert. Ebenso plausibel ist die sogenannte Drittvariablen-Erklärung, also dass Männer mit häufiger Ejakulation im Schnitt gesundheitsbewusster leben oder andere günstige Faktoren aufweisen. Insgesamt lässt sich sagen, dass regelmäßige Ejakulation möglicherweise mit einem niedrigeren Risiko assoziiert ist, der genaue biologische Mechanismus aber noch nicht eindeutig geklärt ist.“

Schadet UV-Strahlung der Prostata?

Auch intensive UV-Strahlung kann sich indirekt auf die Prostatagesundheit auswirken, denn sie erhöht den oxidativen Stress im Körper, was wiederum Zellschäden und entzündliche Prozesse fördern kann. Ein direkter Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Prostatagesundheit ist aber wissenschaftlich nicht belegt.

Mehr zum Thema

Können Sie Ihre Prostata selbst abtasten?

Die Prostata liegt so, dass sie grundsätzlich über den Enddarm ertastet werden kann. In der Praxis ist das für Laien jedoch schwierig und wenig zuverlässig und ersetzt keinesfalls eine regelmäßige, fachärztliche Untersuchung.

Selbstcheck: Wie gesund ist Ihre Prostata?

Manchmal reicht ein kurzer, ehrlicher Blick auf den eigenen Alltag, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie gut Sie bereits auf Ihre Gesundheit achten. Nutzen Sie diese Checkliste als Orientierung, aber keinesfalls als Bewertung.

Was trifft zu?

  • Ich bewege mich regelmäßig und komme auf mindestens 150 Minuten Aktivität pro Woche.
  • Mein Körpergewicht liegt im gesunden Bereich oder ich arbeite aktiv daran.
  • Ich ernähre mich überwiegend ausgewogen und setze auf frische, unverarbeitete Lebensmittel.
  • Rauchen spielt in meinem Alltag keine Rolle und Alkohol konsumiere ich nur gelegentlich.
  • Ich achte bewusst auf Sonnenschutz und vermeide übermäßige UV-Belastung.
  • Ich integriere Bewegungspausen in meinen Alltag und vermeide langes Sitzen.
  • Ich achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Stress ist für mich kein Dauerzustand und ich finde regelmäßig Ausgleich.
  • Ich nehme Veränderungen beim Wasserlassen oder im Körper ernst.
  • Ich gehe regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung.

Je mehr Punkte Sie für sich abhaken können, desto besser sind Ihre Voraussetzungen für eine gesunde Prostata.

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