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Ursachen, Vorbeugung, Behandlung

Immer wieder heiser? So bleibt Ihre Stimme gesund und belastbar

Wenn die Stimme heiser wird
Bleibt die Stimme über Wochen heiser, sollte man das ärztlich abklären lassen Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

13. September 2025, 7:55 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ob Sprachnachricht, Telefonat oder Vortrag im Meeting – eine klare Stimme ist im Alltag unerlässlich. Doch was, wenn die Stimme plötzlich versagt? Heiserkeit ist nicht nur lästig, sondern kann auch ernsthafte Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben haben. Warum die Stimme heiser wird, was dann hilft und wann man ärztliche Hilfe suchen sollte – hier erhalten Sie die wichtigsten Antworten.

Warum wird die Stimme heiser?

Damit wir sprechen können, strömt Luft aus der Lunge durch den Kehlkopf, wo sie auf die Stimmlippen trifft. Diese öffnen und schließen sich, um Töne zu erzeugen, die im Rachen, Mund- und Nasenraum weiter geformt werden. Funktioniert dieser Vorgang nicht reibungslos, entsteht Heiserkeit.

„Stimme funktioniert, wenn die Stimmlippen hochelastisch sind und sich komplett schließen und öffnen lassen. Ist das nicht gegeben, wird die Stimme heiser“, zitiert die „dpa“ Prof. Christopher Bohr von der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an der Universität Regensburg.

Zu den häufigsten Ursachen gehören Entzündungen, die die Stimmlippen verhärten. Auch organische Veränderungen wie Knoten, Polypen oder Zysten können die Funktion beeinträchtigen. Laut Bohr gilt: „Alles, was das Öffnen und Schließen der Stimmlippen behindert, kann zu Heiserkeit führen.“

Erkältungen, Kehlkopfentzündungen oder stimmliche Überlastung – etwa durch lautes Sprechen in lauter Umgebung – können ebenfalls zu Problemen führen. Weitere Risikofaktoren sind Reflux (aufsteigende Magensäure), Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum sowie Feinstaubbelastung.

Was hilft bei Heiserkeit?

Feuchtigkeit für die Stimmlippen

Die wichtigste Maßnahme: Die Stimmlippen feucht halten. Hilfreich sind Lutschtabletten mit Hyaluronsäure oder Salz, die den Speichelfluss anregen und die Zellen mit Feuchtigkeit versorgen. Auch Inhalationen mit Kochsalzlösung sind empfehlenswert.

Warme Getränke wie Kamillen- oder Salbeitee haben ebenfalls eine positive Wirkung. Kamille wirkt entzündungshemmend, Salbei befeuchtet die Schleimhäute.

Die Stimme schonen

Am besten ist es, bei Heiserkeit so wenig wie möglich zu sprechen. Ist das nicht machbar, etwa wegen eines beruflichen Termins, kann eine kurze, moderate „Einstimmungsphase“ helfen, die Stimme behutsam auf Belastung vorzubereiten.

Räuspern und Flüstern vermeiden

„Räuspern und Flüstern nützt kein bisschen – im Gegenteil, es belastet die bereits gereizten Stimmlippen noch mehr, denn beim Flüstern muss man viel Druck aufwenden, um die Stimme zu bilden“, warnt Bohr. Wer ein Schleimgefühl verspürt, sollte eher husten als sich räuspern.

Auch Prof. Antoniu-Oreste Gostian, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Klinikum Straubing, betont: „Bei Schleimgefühl auf den Stimmlippen ist Husten statt Räuspern schonender.“

Optimal ist es, in mittlerer Stimmlage und Lautstärke zu sprechen – so wird die Stimme am wenigsten strapaziert.

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Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Hält Heiserkeit länger als drei bis vier Wochen an, sollte man die Ursache ärztlich abklären lassen. Es gilt, ernste Erkrankungen wie Kehlkopfkrebs frühzeitig zu erkennen. Laut Bohr: „Bei früher Erkennung ist Kehlkopfkrebs heute fast 100 Prozent heilbar.“ Ansprechpartner ist in solchen Fällen die HNO-Praxis.

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Wie lässt sich die Stimme trainieren?

Eine gezielte Stimmtherapie kann helfen, die Belastbarkeit der Stimme zu verbessern. „Wenn die Stimme für den beruflichen oder privaten Gebrauch nicht ausreichend belastbar ist, ist eine eingehende Stimmdiagnostik sinnvoll“, sagt Gostian. Fachärztinnen und Fachärzte für Phoniatrie sowie Logopädinnen und Logopäden entwickeln gemeinsam individuelle Therapiepläne.

Auch einfache Übungen können unterstützend wirken. Bohr empfiehlt: „Summen Sie leise eine Melodie oder versuchen Sie sich an der Lax-Vox-Methode. Dabei summen Sie durch einen Strohhalm in ein gefülltes Wasserglas.“ Diese Technik klingt ungewöhnlich, ist aber nachweislich effektiv.

Welche Rolle spielt die Psyche?

Nicht immer sind körperliche Ursachen schuld – auch psychische Belastungen können zur Heiserkeit führen. Ein extremes Beispiel ist die sogenannte psychogene Aphonie, bei der Betroffene durch seelischen Stress teilweise oder vollständig ihre Stimme verlieren – vom heiseren Flüstern bis hin zum völligen Verstummen.

Auch alltägliche Emotionen beeinflussen die Stimme. So erkennen moderne KI-Systeme anhand des Stimmsignals bereits Anspannung oder Erregung. Bei Nervosität steigt die Stimmlage durch erhöhte Spannung im Kehlkopf, während entspannte Stimmen tiefer klingen.

Ein weiterer Grund also, nicht nur auf die Stimme, sondern auch auf das seelische Wohlbefinden zu achten.

Mit Material von dpa

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