9. Juni 2025, 17:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Hoher Lichtschutzfaktor auf der Packung – aber viel weniger Schutz auf der Haut? Eine neue Untersuchung offenbart gravierende Mängel bei Sonnencremes. Einige Produkte schützen kaum, andere enthalten sogar problematische Stoffe.
„Öko-Test“ hat 26 Sonnencremes mit LSF 50 oder 50+ untersucht – erstmals auch mit eigener Schutzfaktor-Messung. Das Ergebnis: Elf Produkte enttäuschen, manche wegen mangelndem UV-Schutz, andere wegen kritischer Inhaltsstoffe.
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Übersicht
Viele Sonnencremes halten den versprochenen Schutz nicht ein
Wer sich effektiv vor Sonnenbrand und langfristigen Hautschäden schützen möchte, setzt häufig auf Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF). Doch wie eine aktuelle Analyse der Zeitschrift „Öko-Test“ (Ausgabe 6/2025) zeigt, bietet längst nicht jede Sonnencreme den Schutz, den sie verspricht.
Erstmals wurde im Rahmen des Tests der Lichtschutzfaktor durch die Redaktion selbst bestimmt – ermöglicht durch eine neue Prüfnorm, die auf tierfreie und hautunabhängige Messverfahren setzt. Zuvor war eine exakte Bestimmung des LSF ausschließlich auf menschlicher Haut möglich. „Wir wollten niemanden wegen unserer Tests einem Risiko für Hautschäden aussetzen“, erklären die Testerinnen und Tester.
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Lichtschutzfaktor schützt nur vor UV-B
Wie die Verbraucherzentrale in Erinnerung ruft, schützt der LSF ausschließlich vor UV-B-Strahlung – also vor der kurzwelligen Strahlung, die für Sonnenbrand verantwortlich ist. Die langwelligere UV-A-Strahlung hingegen dringt tiefer in die Haut ein, fördert die Hautalterung, kann Altersflecken verursachen und an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt sein.
Die EU-Kommission empfiehlt daher, dass mindestens ein Drittel des UV-Schutzes eines Produkts auch gegen UV-A-Strahlung wirken sollte. Das entsprechende UVA-Siegel (ein „UVA“ in einem Kreis) auf der Verpackung zeigt an, dass dieser Schutzstandard eingehalten wird – ein separater UV-A-Wert muss jedoch nicht angegeben werden.
Jedes zweite Produkt überzeugt nicht im Test
Im Test wurden 26 Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor 50 oder 50+ geprüft. Leichte Abweichungen zwischen ausgelobtem und tatsächlichem LSF wurden toleriert. Bei 15 Produkten war der gemessene Schutz angemessen, eines übertraf sogar die Herstellerangabe. Doch elf Cremes schnitten deutlich schlechter ab: Zehn davon boten weniger als drei Viertel der angegebenen Schutzwirkung, eine fiel besonders negativ auf – mit einem gemessenen Schutzfaktor von unter 20, was zur Bewertung „mangelhaft“ führte.
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DHHB und andere kritische Inhaltsstoffe: Gesundheitliche Bedenken bei einigen Produkten
Neben dem Schutzfaktor interessierte „Öko-Test“ auch die chemische Zusammensetzung der Produkte. Besonders im Fokus: der UV-Filter DHHB (Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoat), bei dem es bei der Herstellung zur Verunreinigung mit dem Weichmacher DnHexP kommen kann. Dieser steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen.
Die Tester fanden in fünf Produkten Rückstände von DnHexP. In vier Fällen waren diese so gering, dass es zu keiner Abwertung kam. In einer Sonnencreme jedoch war die Belastung so hoch, dass auch sie die Note „mangelhaft“ erhielt. Immerhin, so „Öko-Test“: Von keiner der nachgewiesenen Mengen gehe eine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus.
Kritische UV-Filter: Warnung vor Octocrylen und Benzophenon
Unabhängig vom Test warnt die Verbraucherzentrale auch vor anderen potenziell problematischen UV-Filtern wie Octocrylen. Dieser kann sich mit der Zeit in Benzophenon umwandeln – eine Substanz, die als möglicherweise krebserzeugend gilt, über die Haut aufgenommen werden kann und allergische Reaktionen auslösen könnte.
Hormonwirksame Substanzen: Weitere Filter unter Beobachtung
Ebenso kritisch werden weitere UV-Filter wie 4-Methylbenzylidene Camphor, Benzophenone-1, Benzophenone-2, Benzophenone-3, Ethylhexyl Methoxycinnamate oder Homosalate gesehen. Studien deuten darauf hin, dass diese Stoffe das Hormonsystem beeinflussen könnten.
Vorsicht bei Nano-Partikeln
Allerdings kommen dabei oft Nano-Partikel zum Einsatz. Diese dringen laut Verbraucherzentrale nicht durch gesunde Haut, könnten aber über geschädigte Haut aufgenommen oder beim Einatmen problematisch werden – etwa in Sprays. Wer Nano-Partikel vermeiden will, sollte die Inhaltsstoffliste prüfen. Hinweise wie „Titanium Dioxide (nano)“ deuten auf solche Zusätze hin. Ein weiteres Risiko stellen Produkte dar, die Nano-Partikel in fein versprühbarer Form enthalten – hier besteht die Gefahr, dass die Teilchen eingeatmet werden.1
Testsieger bieten Schutz und Preisvorteil
Trotz der Mängel schneiden zwölf Produkte im Test mit der Note „gut“ ab. Zwei Sonnencremes erhielten sogar das Urteil „sehr gut“ – und gehören gleichzeitig zu den günstigsten im Vergleich:
– „Sun D’Or Sonnenmilch, 50“ von Budni bzw. Edeka (3,57 Euro für 200 Milliliter)
– „Sundance Sonnenmilch, 50“ von Dm (3,18 Euro für 200 Milliliter)
Sie zeigen: Guter Sonnenschutz ist möglich – auch zu einem fairen Preis. Wer zusätzlich auf Inhaltsstoffe achtet, schützt nicht nur seine Haut, sondern auch seine Gesundheit.
*Mit Material von dpa

