24. November 2025, 13:15 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von krankhaftem Übergewicht betroffen – und die Zahl steigt weiter. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an natürlichen Stoffen, die den Fettstoffwechsel beeinflussen könnten – etwa Schwarzkümmelsamen, deren cholesterinsenkende Wirkung schon lange bekannt ist. Aber warum ist das so? Eine neue Studie mit 42 übergewichtigen Erwachsenen bringt nun neue Erklärungen dafür, wie das Gewürz die Fettzellbildung hemmen könnte.
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Was wurde untersucht – und warum?
Schwarzkümmel (Nigella sativa) wird seit Jahrhunderten in traditionellen Medizinsystemen wie Ayurveda oder Unani verwendet. Ihm werden entzündungshemmende, antioxidative und stoffwechselregulierende Eigenschaften zugeschrieben. Vor allem durch den Inhaltsstoff Thymochinon.
Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Schwarzkümmel den Cholesterinspiegel senken kann – unter anderem in kontrollierten Studien am Menschen.1 Die nun veröffentlichte Studie bestätigt diese Effekte und liefert darüber hinaus neue Hinweise darauf, wie Schwarzkümmel auf zellulärer Ebene wirkt. Zum ersten Mal wurde dabei die Wirkung sowohl im Labor als auch in einer klinischen Anwendung gemeinsam untersucht – ohne begleitende Diät oder Medikamente.
Die Studie war zweigeteilt: Im ersten Teil wurde im Labor untersucht, ob ein Extrakt aus Schwarzkümmelsamen die Entstehung von Fettzellen hemmen kann. Im zweiten Teil wurde in einer klinischen Studie geprüft, ob die tägliche Einnahme von Schwarzkümmelsamenpulver bei übergewichtigen Erwachsenen mit erhöhten Cholesterinwerten die Blutfettwerte beeinflusst.2
Schwarzkümmelsamenextrakt hemmt Entstehung von Fettzellen in Zellversuch
Im Laborteil wurden sogenannte 3T3-L1-Zellen eingesetzt – eine Zelllinie, die sich im Labor zu Fettzellen weiterentwickeln kann. Die Zellen wurden mit einem Extrakt aus Schwarzkümmelsamen in zwei verschiedenen Konzentrationen behandelt.
Bei der höheren Konzentration (120 Mikrogramm pro Milliliter) war die Fetteinlagerung in den Zellen um rund 40 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Bei der niedrigeren Konzentration (80 µg/mL) lag die Reduktion bei etwa elf Prozent – allerdings ohne statistische Relevanz.
Zudem zeigte sich: Auch die Aktivität mehrerer Gene, die bei der Umwandlung von Vorläuferzellen in Fettzellen eine Rolle spielen, war nach der Behandlung verringert. Die Zellen selbst blieben intakt und zeigten keine Hinweise auf Schädigung.
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Wirkung von 5 Gramm Schwarzkümmelsamenpulver täglich auf Blutfettwerte von Erwachsenen
Am zweiten Studienteil nahmen 42 übergewichtige Erwachsene mit erhöhten Blutfettwerten teil. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt über acht Wochen täglich fünf Gramm Schwarzkümmelsamenpulver. Die andere Gruppe erhielt keine Ergänzung. Ernährung und Bewegung wurden nicht verändert.
Vor und nach der Einnahme wurden verschiedene Werte gemessen: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin (das „schlechte“ Cholesterin), HDL-Cholesterin (das „gute“ Cholesterin), Triglyzeride und Appetit (mittels validiertem Fragebogen).
Gesamtcholesterin und LDL gingen deutlich zurück – HDL verbesserte sich
Nach acht Wochen täglicher Einnahme von Schwarzkümmelsamen zeigten sich bei den Teilnehmenden der Behandlungsgruppe Veränderungen bei mehreren Blutfettwerten. Der Gesamtcholesterinwert sank im Durchschnitt von 218 auf 202 Milligramm pro Deziliter. Auch das LDL-Cholesterin ging zurück – von 149 auf 135 Milligramm. Die Triglyzeride, also eine bestimmte Form von Blutfetten, sanken ebenfalls: von 176 auf 159 Milligramm.
Gleichzeitig stieg das sogenannte HDL-Cholesterin – also das „gute“ Cholesterin – leicht an, von 33 auf 35 Milligramm pro Deziliter. Diese Veränderungen waren statistisch bedeutsam, das heißt: Sie sind sehr wahrscheinlich nicht zufällig entstanden. In der Kontrollgruppe, die keinen Schwarzkümmel bekam, blieben die Werte nahezu gleich. Auch der Appetit veränderte sich durch die Einnahme des Pulvers nicht nachteilig.
Wie sind die Ergebnisse einzuordnen und was bleibt offen?
Die gemessenen Blutfettwerte sind aus medizinischer Sicht relevant. Vor allem ein zu hoher LDL-Wert oder erhöhte Triglyzeride gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein leichter Anstieg des HDL-Werts gilt hingegen als positiv. Dass diese Veränderungen ohne Diät oder Medikamente zustande kamen, spricht für eine Wirkung des Schwarzkümmels auf den Fettstoffwechsel.
Die Studiendauer betrug acht Wochen – ein relativ kurzer Zeitraum, in dem dennoch messbare Veränderungen auftraten. Ob sich die Effekte bei längerer Einnahme verstärken oder dauerhaft anhalten, wurde nicht untersucht.
Weder im Labor noch in der klinischen Studie wurden unerwünschte Wirkungen beobachtet. Die Zellen blieben gesund, und es kam zu keinen Studienabbrüchen. Auch der Appetit wurde nicht negativ beeinflusst. Das spricht für eine gute Verträglichkeit: ein wichtiger Aspekt bei einer möglichen längerfristigen Anwendung.
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Einschränkungen der Studie
Wie bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung gibt es auch hier Aspekte, die die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzen. Die Teilnehmerzahl war mit 42 Personen vergleichsweise klein, und die Studiendauer von acht Wochen lässt keine Rückschlüsse auf mögliche Langzeiteffekte zu. Ob die beobachteten Veränderungen dauerhaft bestehen bleiben oder sich mit der Zeit verstärken oder abschwächen, bleibt offen.
Hinzu kommt: Die Kontrollgruppe erhielt kein Placebo. Das bedeutet, dass bestimmte Effekte (etwa im Bereich des Appetits) auch durch Erwartungen oder andere psychologische Faktoren beeinflusst worden sein könnten. Zwar wurde der Appetit mit einem validierten Fragebogen erfasst, dennoch lässt sich ein sogenannter Placeboeffekt nicht ausschließen.
Ein wichtiger Punkt betrifft die Messgrößen: Es wurde nicht erfasst, ob die Teilnehmenden während der Studie Gewicht verloren haben. Angaben zu Körpergewicht, Körperfett oder Taillenumfang fehlen. Aussagen darüber, ob Schwarzkümmel beim Abnehmen hilft, sind daher auf Grundlage dieser Studie nicht möglich – auch wenn im Zellversuch Hinweise auf eine geringere Fetteinlagerung beobachtet worden sind.
Außerdem wurden bestimmte Wirkmechanismen wie z. B. die Hemmung von Genaktivität und Enzymfunktionen, ausschließlich im Labor untersucht. Ob sich diese Effekte in gleicher Weise auch im menschlichen Körper zeigen, lässt sich daraus nicht direkt ableiten.
Fazit: Wirkung von Schwarzkümmelsamen auf Blutfette beobachtet – viele Fragen bleiben offen
Die Ergebnisse der Studie zeigen erste Hinweise darauf, dass Schwarzkümmelsamen den Fettstoffwechsel beeinflussen können. In der klinischen Anwendung besserten sich mehrere Blutfettwerte innerhalb von acht Wochen, ohne dass Diät oder Bewegung verändert wurden. Auch die Verträglichkeit war gut, und der Appetit blieb stabil.
Ob Schwarzkümmel auch Einfluss auf das Körpergewicht nimmt, wurde in dieser Studie nicht untersucht. Aussagen dazu lassen sich nicht treffen. Ebenso wenig ist bekannt, wie sich eine längere Einnahme auswirkt oder ob sich die Effekte über die Zeit verstärken oder abschwächen.
Weitere Studien mit mehr Teilnehmenden, längerer Laufzeit und zusätzlichen Messwerten – wie Gewicht, Fettverteilung oder anderen Stoffwechselmarkern – wären notwendig, um die bisherigen Beobachtungen weiter einzuordnen. Die aktuelle Untersuchung liefert erste Anhaltspunkte. Wie sich diese Ergebnisse in der Praxis einordnen lassen, bleibt offen.