24. April 2026, 10:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Dass Zigarettenrauchen schlecht für unsere Gesundheit ist, dürfte den meisten Menschen bekannt sein. Allerdings sind die negativen Auswirkungen deutlich umfangreicher als viele annehmen. Forscher und Mediziner warnen, dass Rauchen die Augen tiefgreifend schädigen kann.
Logischerweise denkt man bei den Folgen des Rauchens zunächst an Erkrankungen der Lunge. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn beim Rauchen nimmt der Körper Tausende gesundheitsschädliche Substanzen auf, die nahezu jedes Organ schädigen und teilweise krebserzeugend sind.1 Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass das Rauchen auch die Augen tiefgreifend schädigen kann. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) warnt sogar, dass Tabakrauch die Strukturen unserer Augen angreift, sowohl die Netzhaut als auch den Sehnerv schädigt und Entzündungen sowie Durchblutungsstörungen fördert.2 Dies belegen auch zahlreiche Studien.
Rauchen als vermeidbares Risiko für Augenerkrankungen
Deutsche Forscher haben sich die Studienlage zum Einfluss des Rauchens angeschaut und ihre Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Beitrag in der Fachpublikation „Die Ophthalmologie“ veröffentlicht.3 Die Ergebnisse sind erschreckend: Laut den Forschern sind bis zu 20 Prozent aller neuen Erblindungen ab dem 50. Lebensjahr auf das Rauchen zurückzuführen. Außerdem hat die Auswertung von Studien gezeigt, dass Rauchen das Risiko für schwere Augenerkrankungen wie altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Grünen Star und Gefäßverschlüsse teilweise um das Zwei- bis Vierfache erhöht.
Doch der negative Einfluss des Rauchens auf die Augen beginnt oft viel früher. Denn auch Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, entwickeln häufiger Augenfehlbildungen und Sehstörungen, so die Forscher. Das Tückische dabei: „Während aber die Risiken für Herz und Lunge bekannt sind, wird der Einfluss des Rauchens auf das Sehvermögen in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätzt“, sagt Professorin Dr. med. Teresa Barth von der Universitäts-Augenklinik Regensburg in einer Pressemitteilung der DOG.
So wirkt sich das Rauchen auf die Augen im Detail aus
In ihrer Studienanalyse betonen die Forscher, dass Tabakgifte insbesondere die Makula angreifen. Die Makula ist das Zentrum der Netzhaut im Auge und verantwortlich für das scharfe, detaillierte Sehen sowie das Farbsehen. Mit zunehmendem Alter kann es zur sogenannten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) kommen. Studien haben jedoch gezeigt, dass Rauchen das AMD-Erkrankungsrisiko verdoppelt oder sogar verdreifacht.4 Zudem treten die ersten Krankheitsanzeichen bis zu zehn Jahre früher auf. Das Risiko, an einer besonders aggressiven Form, der neovaskulären AMD, zu erkranken, ist sogar viermal höher.
Raucher haben darüber hinaus ein doppelt so hohes Risiko, an einem Grünen Star zu erkranken.5 Wie die Forscher erklären, hat Tabakrauch direkt schädlichen Einfluss auf den Sehnerv und jene Strukturen, die den Augendruck regulieren. Wer kontinuierlich raucht, beschleunigt zusätzlich den Verlust von Nervenfasern und damit das Fortschreiten des Grünen Stars. Immerhin liefern die Studien auch positive Zahlen zu ehemaligen Rauchern. Denn wer aufhört zu rauchen, hat nur noch ein um etwa 25 Prozent erhöhtes Risiko für diese Erkrankung im Vergleich zu Nichtrauchern.
Das Rauchen steigert zudem um ein Vielfaches das Risiko für eine endokrine Orbitopathie. Dabei handelt es sich um stark hervortretende Augäpfel bei der Erkrankung Morbus Basedow. Die Forscher betonen, dass Rauchen nachweislich den Verlauf der Autoimmunerkrankung beschleunigt und die Medikamentenwirksamkeit verschlechtert. Nicht zuletzt begünstigt Tabakrauch das weitverbreitete Sicca-Syndrom, also trockene Augen. „Rauch reizt die Augenoberfläche und fördert Entzündungsprozesse“, erklärt Dr. med. Teresa Barth.
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Schädigung der Augen von Ungeborenen
Wie wichtig ein gesunder Lebensstil der Mutter für das Ungeborene ist, dürfte allseits bekannt sein. Und natürlich auch die Tatsache, dass Schwangere auf keinen Fall rauchen sollten, da es direkt negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Ungeborenen hat. Das gilt auch für die Entwicklung der Augen und damit des Sehvermögens, wie Studien zeigen.6 „Raucht die werdende Mutter, sind beim Ungeborenen die Risiken für spätere Fehlbildungen des Auges und für Sehfehler wie Kurzsichtigkeit oder Schielen erhöht“, warnt Prof. Dr. Barth.
Eine große Studie aus dem Jahr 2021 mit über 240.000 Neugeborenen, die über 18 Jahre begleitet wurden, unterstreicht diesen Faktor.7 Die Datenauswertung hat ergeben, dass Kinder rauchender Mütter häufiger wegen Augenproblemen ins Krankenhaus kommen. So folgern die Wissenschaftler, dass das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft ein eigenständiger Risikofaktor für langfristige Augenerkrankungen des Kindes ist.
Ein Rauchstopp reduziert das Risiko sofort und nachhaltig
Die Experten der DOG haben jedoch auch eine gute Nachricht. Studien zeigen nämlich, dass ein Rauchstopp das Risiko für Augenschädigungen sofort und nachhaltig senkt. Und das in jedem Alter. „Ein Rauchstopp bringt sofort positive Effekte“, betont Prof. Dr. Barth. So sei das Rauchen neben der Ernährung einer der wenigen Faktoren, die man bei der altersabhängigen Makuladegeneration beeinflussen könne. „Abstinenz verzögert nachweislich das Fortschreiten der Erkrankung und die Entwicklung in höhergradige Stadien“, erklärt die Expertin.
Auch beim Grauen Star habe man bis auf die Anwendung von Tropfen relativ wenig selbst in der Hand. Doch ein Rauchstopp bringt unmittelbar positive Effekte und senkt das Risiko, daran überhaupt zu erkranken. Wer einen Kinderwunsch hat, sollte am besten auch auf Tabak- und Nikotinprodukte verzichten, um das Risiko für Sehprobleme der späteren Kinder zu reduzieren.
Wie man am besten mit dem Rauchen aufhört, hat FITBOOK in diesem Beitrag zusammengefasst: 11 effektive Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören.