5. August 2026, 17:46 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
In Deutschland leiden mehrere Millionen Männer an erektiler Dysfunktion. Dagegen können Medikamente wie Viagra helfen. Nun hat eine groß angelegte taiwanesische Studie gezeigt, dass ein weitverbreiteter Potenzmittel-Wirkstoff womöglich das Risiko für eine gefährliche Augenkrankheit erhöht.
Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund drei bis fünf Millionen Männer von erektiler Dysfunktion betroffen.1 Umgangssprachlich spricht man in diesem Fall von Impotenz oder einer Erektionsstörung. Neben zahlreichen zweifelhaften Methoden gibt es seit Jahren wirksame Medikamente wie Viagra mit dem Wirkstoff Sildenafil und Cialis mit dem Wirkstoff Tadalafil.
Eine aktuelle Studie mit fast 74.000 Probanden hat nun einen Zusammenhang zwischen der langjährigen Einnahme von Cialis mit dem Wirkstoff Tadalafil und einem erhöhten Risiko für die Augenkrankheit Grüner Star (Glaukom) gezeigt.2 Das ist bedenklich, da diese ernsthafte Augenerkrankung den Sehnerv zerstört und somit zum Erblinden führen kann.
Wie wirken Sildenafil und Tadalafil?
Die sogenannten Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmer (kurz PDE‑5‑Hemmer) wie Sildenafil und Tadalafil sind als Mittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zugelassen und weit verbreitet. Sie werden unter Markennamen wie Viagra und Cialis vertrieben. Ihre Wirkung ist ähnlich: Sie führen zur Entspannung der Gefäßmuskulatur, wodurch die Gefäße erweitert werden. Das wiederum fördert die Durchblutung im Penis. So können Männer leichter eine Erektion aufbauen und diese länger halten. Die Wirkung von Sildenafil tritt zwar schneller ein, hält aber nur vier bis fünf Stunden an. Bei Tadalafil wird die maximale Wirkung etwas später erreicht, sie hält dafür aber bis zu 36 Stunden an. Tadalafil wird in kleinen regelmäßigen Dosen auch älteren Männern ab 40 Jahren bei Blasenbeschwerden und Harnwegsproblemen verschrieben.
Was hat die aktuelle Studie zu Potenzmitteln untersucht?
Das Ziel der Studie war es, einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Tadalafil und dem Risiko für die Augenkrankheit Grüner Star (Glaukom) zu untersuchen.
Hierfür hat man Daten der TriNetX-Datenbank genutzt. Dabei handelt es sich um einen internationalen Datenpool zu Forschungszwecken. Aus diesem Pool wurden Männer im Alter von über 40 Jahren ausgewählt, die zwischen 2012 und 2022 unter Blasenbeschwerden und Harnwegsproblemen litten. Dazu zählten etwa plötzlicher Harndrang, verzögertes Einsetzen der Blasenentleerung oder ein schwacher Harnstrahl.3
Besonders im Fokus standen dabei Männer, die Tadalafil täglich gegen diese Harnwegsbeschwerden einnehmen, statt nur bei Bedarf bei Erektionsstörungen. Personen mit einer Glaukom-Vorgeschichte wurden ausgeschlossen. Die Teilnehmer wurden anschließend in eine Tadalafil-Gruppe und eine Nicht-PDE-5-Hemmer-Gruppe eingeteilt. Von den 73.854 Teilnehmern nahmen somit 36.927 Probanden Tadalafil ein, während die Kontrollgruppe aus weiteren 36.927 Probanden bestand, die keine PDE-5-Hemmer zur Behandlung einnahmen. Die Kontrollgruppe wurde hinsichtlich Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion und Begleitmedikation an die Tadalafil-Gruppe angepasst.
Wie Tadalafil das Risiko für die Augenkrankheit Grüner Star erhöht
Die Auswertung der Daten ergab, dass Männer, die Tadalafil zur Behandlung von Blasenbeschwerden und Harnwegsproblemen einnahmen, ein um 22 Prozent höheres Risiko hatten, ein Glaukom zu entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit, anokulärer Hypertonie (also einem erhöhten Augeninnendruck) zu leiden, war um 32 Prozent höher. Auch das Risiko, dass eine Glaukom-Behandlung eingeleitet werden musste, war um 33 Prozent höher. Allerdings betreffen die hier genannten erhöhten Risiken Männer über 50, die bis zu fünf Jahre lang regelmäßig Tadalafil eingenommen haben.
„Die Einnahme von Tadalafil bei Symptomen des unteren Harntrakts war in einer großen, multinationalen Realwelt-Kohorte mit einem signifikanten Anstieg des Risikos für Glaukom, okuläre Hypertonie, primäres Offenwinkelglaukom und die Einleitung einer Glaukom-Behandlung verbunden“, konstatieren die taiwanesischen Forscher in ihrer Studie.
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Was bedeuten die Ergebnisse für Männer, die Potenzmittel regelmäßig einnehmen?
Es ist nicht die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen PDE5-Hemmern wie Tadalafil und Sidenafil mit Augenkrankheiten in Verbindung bringt. Bereits eine Studienauswertung aus dem Jahr 2021 hat gezeigt, dass Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmer Nebenwirkungen an den Augen verursachen können.4 Dazu zählen folgende:
- Veränderungen der Augenoberfläche
- erhöhten Augeninnendruck
- Glaukom
- Uveitis
- nicht-arteritische ischämische Neuropathie
- Chorioretinopathie
- Netzhautverschluss
- Veränderungen des Sichtfeldes
Die taiwanesischen Forscher warnen daher, dass eine langjährige Behandlung mit PDE5-Hemmern die Augenphysiologie beeinflussen könnte. Sie empfehlen Patienten, die langfristig Tadalafil einnehmen, eine verstärkte augenärztliche Kontrolle, insbesondere wenn Risikofaktoren für ein Glaukom vorliegen.
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Einschränkungen der Studie
Zu beachten ist, dass diese Studie eine Reihe von Einschränkungen aufwies. So waren die meisten Teilnehmer beispielsweise weiß, weshalb die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Männer anderer ethnischer Herkunft übertragbar sind. Zum anderen wurden Veränderungen bei der Medikamenteneinnahme oder das Auftreten anderer Grunderkrankungen, die das Risiko für ein Glaukom erhöhen könnten, nicht berücksichtigt.
Schließlich handelte es sich grundsätzlich um nicht gesunde Teilnehmer. Etwa 40 Prozent von ihnen litten unter Bluthochdruck und weitere 40 Prozent unter einem hohen Cholesterinspiegel. Daher könnten auch die zusätzlichen chronischen Erkrankungen einen Einfluss auf das erhöhte Glaukom-Risiko haben.
Wichtig ist dabei: Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang auf, liefert aber noch keinen endgültigen Beweis dafür, dass Tadalafil die alleinige Ursache für die Augenschäden ist.