12. Oktober 2025, 11:07 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Legal, günstig, vermeintlich ungefährlich – Lachgas gilt als „die Partydroge“ mit vielen Vorzügen. Denn sie ist besonders leicht zu konsumieren. Ein kurzes Inhalieren und die Euphorie setzt in wenigen Sekunden ein, klingt aber bereits nach ein paar Minuten wieder ab. Was viele jedoch nicht wissen: der kurze Rausch bringt lebensgefährliche Folgen mit sich. In den Niederlanden hatte der Konsum der Droge bereits im Jahr 2019 zugenommen. Die Begeisterung ging so weit, dass sogar der erste Lachgas-Laden eröffnet wurde. Auch in Deutschland ist Lachgas für jeden frei zugänglich und legal zu kaufen. Nach dem Betäubungsmittelgesetz ist es offiziell nicht als Droge eingestuft worden.1 Neben den leichten Rauschzuständen kann es zu Taubheit, Schwindelgefühlen, Sauerstoffmangel oder im schlimmsten Fall zu Tod durch Erstickung kommen.
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Was ist Lachgas?
Lachgas, auch bekannt unter seinem chemischen Namen Distickstoffmonoxid, ist eine farblose, süßlich riechende Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. Ursprünglich wurde es in der Zahnmedizin eingesetzt – etwa zur Sedierung unruhiger Patientinnen und Patienten. Heute kommt es weiterhin bei Narkosen zum Einsatz und findet zudem Verwendung in der chemischen Industrie sowie in der Landwirtschaft.
Als Rauschmittel konsumiert wird Lachgas in der Regel aus kleinen Stahlkartuschen, die eigentlich zum Aufschäumen von Schlagsahne gedacht sind. Mithilfe sogenannter „Cracker“ – spezieller Öffnungsgeräte – wird das Gas freigesetzt und in Ballons gefüllt. Daraus inhalieren Konsumierende das Gas. Es gibt auch größere Behälter, die deutlich größere Mengen Lachgas enthalten.2
Der berauschende Effekt tritt bereits unmittelbar nach dem Einatmen ein: Eine warme Körperwahrnehmung, Entspannung und Glücksgefühle sind typische Effekte – nicht selten begleitet von unkontrollierbarem Kichern. Diese Wirkung sowie die einfache Verfügbarkeit machen die Substanz besonders für Jugendliche attraktiv. Was viele jedoch nicht wissen: Lachgas ist keineswegs harmlos – auch wenn der Rausch nur wenige Minuten anhält.
Nach dem Inhalieren gelangt das Gas über die Lunge ins Blut und von dort in Gehirn und Nervensystem. Es wird im Körper nicht verstoffwechselt, sondern vollständig über die Lunge wieder ausgeatmet.3
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Einfach in der Anschaffung
Lachgas verspricht eine leichte Anwendung. So kann man die Droge entweder aus einem Luftballon oder einem Sahnespender inhalieren. Die Droge selbst ist vergleichsweise kostengünstig. Und sie ist legal. Sahnekapseln gibt es online oder im Supermarkt zu kaufen. Diese können sogar Kinder für wenig Geld erwerben. Großverpackungen von 200 Stück gibt es bereits für 50 Euro.
Was sind die Risiken?
Der Effekt äußert sich in der Regel durch starke Euphorie, auch Benommenheit und Halluzinationen. Unmittelbar nach dem Inhalieren setzt der Rausch ein und hält ein paar Sekunden bis zu drei Minuten an, so Andrea Piest vom Notdienst für Suchtmittelgefährdete und Abhängige in Berlin. Doch das frei verkäufliche Gas kann kurz- und mittelfristig gefährlich sein.
Vitamin-B12-Mangel und Nervenschädigungen
Der regelmäßige Gebrauch von Lachgas kann laut Piest zu Vitamin-B12-Mangel und sogar einer Nervenschädigung führen. Setzt man den Ballon während des Konsums nicht zwischendurch ab, um normal Luft zu holen, kann es zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn und in den Organen kommen.
Worauf man beim Konsumieren achten sollte
Wer Lachgas konsumiert, sollte daher laut Piest den Ballon regelmäßig absetzen und möglichst im Liegen oder Sitzen inhalieren. Das schützt vor Verletzungen, wenn es zu Koordinations- oder Kreislaufstörungen kommt.
„Werden ausreichend Pausen eingehalten, verringert sich das Risikopotenzial für den Körper wieder“, so die Expertin. Wenn Taubheitsgefühle in den Extremitäten auftreten, kann das auf eine Nervenschädigung und Unterversorgung hinweisen. In diesem Fall sollte dringend ärztlicher Rat eingeholt werden. Piest rät dazu, dem medizinischen Personal mitzuteilen, dass man Lachgas konsumiert hat, damit man auf die Nebenwirkungen entsprechend reagieren kann.
Zudem sollte man talkumfreie Ballons verwenden, da das in Talkum enthaltene Mineral nicht zum Einatmen gedacht ist. Konsum direkt aus dem Spender oder mithilfe einer Maske sollte man unbedingt vermeiden, so der Rat der Nothilfe. Absolut tabu: Unter Einfluss von Lachgas am Straßenverkehr teilnehmen.
Vorsicht bei Mischkonsum mit anderen Substanzen
Um Risiken zu minimieren, sollte man generell auf Mischkonsum verzichten. Insbesondere sogenannte „Downer-Drogen“ wie GHB (Liquid Ecstasy), Alkohol und Opiate verstärken sich laut Piest gegenseitig. Des Weiteren wird das Risiko erhöht, ohnmächtig zu werden oder zu erbrechen.
Lachgas wird häufig in Kombination mit Cannabis konsumiert. So soll der Lachgasrausch verlängert und der Cannabis-Rausch intensiviert werden. Das kann laut Expertin Piest vor allem bei hohen Dosen gefährlich werden, da beide Substanzen den Blutdruck senken und sich somit das Risiko für eine Bewusstlosigkeit erhöht.
Anfänge des Lachgas-Konsums in den Niederlanden
Die Spuren des drastisch angestiegenen Konsums in den Niederlanden konnte jeder fast täglich mitverfolgen: Auf Parkplätzen, in Grünanlagen oder Straßen lagen Dutzende leere Metallkapseln oder Ballons, obwohl die Experten vor großen Risiken warnten. Die Zahl der Vergiftungen durch Lachgas sei sprunghaft angestiegen, meldete das Nationale Informationszentrum für Vergiftungen in Utrecht. Hatte es 2015 noch insgesamt 13 Fälle gegeben, wurden im ersten Halbjahr 2019 bereits 67 Fälle gemeldet. Es geht um Schwindelanfälle, Übelkeit und Lähmungserscheinungen.
Nach dem niederländischen Sucht-Bericht hat jeder fünfte Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren schon Lachgas inhaliert. Auch in der Gruppe bis zu 35 Jahren wird es zunehmend zu einer beliebten und preiswerten Party-Droge. Das Lachen kann einem aber schnell vergehen. Bei einem „durchschnittlichen Konsum“ von fünf bis zehn Kapseln einmal im Monat ist die Partydroge nach Angaben des Gesundheitsamtes relativ ungefährlich. Der Trend lag aber deutlich über dem Durchschnitt: Immer mehr Niederländer würden bis zu 50 Kartuschen am Tag inhalieren und das über einen längeren Zeitraum, heißt es im jüngsten Bericht zu Vergiftungen.
Im Jahr 2023 folgte dann das Verbot
Ab dem ersten Januar 2023 wurde in den Niederlanden das Verbot für Besitz und Verkauf von Lachgas ausgesprochen. Laut dem Gesundheitsministerium in Den Haag gelten allerdings weiterhin Ausnahmen. Unter anderem für medizinische Anwendungen und den Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff. Weiterhin ist die Verwendung von kleinen, mit Lachgas gefüllten Sahnespender erlaubt.4
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Missbrauchsfälle in Dänemark
Deutschlands westlicher Nachbar ist nicht der einzige Brennpunkt. Auch in Dänemark will eine Mehrheit der Parteien den Verkauf von Lachgaspatronen regulieren. Die Missbrauchsfälle steigen den Behörden zufolge kontinuierlich. 2017 etwa zählte die telefonische Hotline für Vergiftungen 18 Meldungen, 2018 waren es bereits 39.
Lachgas-Konsum bei Jugendlichen nimmt zu – Bundesregierung reagiert mit Gesetzesverschärfung
Obwohl Lachgas im aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung bislang keine Rolle spielt, kommt es in der Partyszene punktuell zum Einsatz – das teilte das Büro der Drogenbeauftragten mit. Verlässliche Zahlen zum Konsum liegen bislang nicht vor. Bereits im Jahr 2018 zeigte jedoch eine Studie von Drogenforschern der Universität Frankfurt, dass sich die Zahl jugendlicher Lachgas-Konsumenten innerhalb von drei Jahren verdoppelt hatte. Der Untersuchung zufolge hatten zwölf Prozent der Jugendlichen angegeben, Lachgas mindestens einmal ausprobiert zu haben.
Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat das Bundeskabinett am Mittwoch, dem 2. Juli 2025, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG) beschlossen. Ziel ist es, den Missbrauch von Lachgas wirksam einzudämmen und insbesondere Kinder und Jugendliche vor den gesundheitlichen Risiken zu schützen. Im Rahmen der Neuregelung soll auch der Missbrauch sogenannter K.O.-Tropfen verhindert werden. Die Substanzen Gamma-Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO), die unter anderem zur Begehung von Vergewaltigungen und Raubdelikten verwendet werden, sollen künftig verboten werden.5
*Mit Material von dpa.