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Studie zeigt

Überraschender Faktor, der offenbar die Cholesterinwerte beeinflusst

Cholesterin und Straßenlärm – Studie zeigt Verbindung
Erhöhte Cholesterinwerte gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Foto: RUSLANAS BARANAUSKAS/SCIENCE PHOTO LIBRARY
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

26. Februar 2026, 14:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Eine neue europäische Studie zeigt: Nächtlicher Straßenlärm ist statistisch unabhängig mit ungünstigeren Blutfettwerten verbunden. Ein konkreter Schwellenwert ab 50 Dezibel rückt dabei in den Fokus. Ein Beweis für Ursache und Wirkung ist damit noch nicht erbracht. Mediziner weisen aber darauf hin, dass dauerhafter Lärm das Herz-Kreislauf-System stärker belasten kann, als viele vermuten.

Studienbeschreibung

Ein internationales Forschungsteam im Rahmen des europäischen LongITools-Projekts analysierte Daten von 272.229 Erwachsenen aus Großbritannien, den Niederlanden und Finnland. Die nächtliche Lärmbelastung an den Wohnadressen wurde mithilfe nationaler Lärmkarten geschätzt und in Dezibel eingeteilt. Gleichzeitig untersuchten die Wissenschaftler um Yiyan He von der Research Unit of Population Health an der Universität Oulu (Finnland) 155 verschiedene Stoffwechselmarker im Blut, darunter unterschiedliche LDL- und IDL-Partikel sowie Gesamtcholesterin.1

Zentrale Ergebnisse: Dezibel-Schwellenwert für veränderte Blutfettwerte

Die Forscher stellten fest, dass Menschen, die mehr Lärm ausgesetzt sind, gleichzeitig auch höhere Blutfettwerte haben. Die Forscher beobachteten einen klaren Schwellenwert: Ab etwa 50 Dezibel (dB) nächtlichen Straßenlärms zeigten sich Veränderungen im Cholesterin- und Lipidprofil. Unterhalb dieser Marke – insbesondere im Bereich zwischen 45 und 50 dB – waren die Effekte nahezu nicht vorhanden.

Oberhalb von 50 dB stiegen die gemessenen Stoffwechselmarker mit zunehmendem Lärmpegel stufenweise an. Besonders deutlich waren die Zusammenhänge bei 55 dB und mehr. Konkret hatten Personen in dieser lautesten Kategorie im Vergleich zur leisesten Gruppe mit weniger als 45 dB durchschnittlich etwa 0,41 Milligramm pro Deziliter höhere Gesamtcholesterinwerte.

Laut den Forschern ist dieser Wert zwar geringfügig, könne aber große Bedeutung für die gesamte Bevölkerung haben. „Obwohl die beobachteten Effektschätzungen für die Lipidwerte bescheiden waren, sollte ihr potenzieller Einfluss auf die öffentliche Gesundheit nicht unterschätzt werden, da die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr weitverbreitet ist.“

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Das bedeuten die konkreten Blutfettwerte für die Gesundheit

Die erhöhten Werte betreffen vor allem LDL- und IDL-Partikel. LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) wird oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet, weil es Cholesterin in die Gefäßwände transportieren kann. Dort kann es sich ablagern und zur Bildung von Plaques beitragen – also zu Verengungen der Arterien, die das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. IDL-Partikel (Intermediate Density Lipoprotein) gelten als Vorstufe von LDL und werden ebenfalls mit Arterienverkalkung in Verbindung gebracht.

Wie erwähnt, waren die in der Studie gemessenen Unterschiede pro Person zwar gering – da aber ein riesiger Teil der Bevölkerung in Europa diesem Lärm ausgesetzt ist, kann sich dieser kleine Effekt zu einem insgesamt großen Problem für das gesamte Gesundheitssystem aufsummieren. Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) aus dem Jahr 2020 sind über 15 Prozent der Stadtbewohner in Europa nächtlichen Straßenlärmpegeln von 50 dB oder mehr ausgesetzt.2

Unabhängig von Lebensstil und Gewicht

Die Forscher haben die Daten so berechnet, dass Einflüsse durch den Body-Mass-Index (BMI), das Rauchen und die Luftverschmutzung herausgefiltert wurden. Die Ergebnisse blieben auch nach dieser Bereinigung bestehen. Der Zusammenhang mit den Blutwerten ist also vorhanden, egal wie hoch das Gewicht oder wie der Lebensstil der Personen war.

Die Ergebnisse beziehen sich primär auf weiße Europäer. Ob diese Zusammenhänge auch bei anderen ethnischen Gruppen exakt so bestehen, kann die Studie nicht sagen. Was die Forscher nicht beobachten konnten: wie sich die Blutwerte bei einer Person über einen langen Zeitraum verändern, während sie dem Lärm ausgesetzt ist. Sie haben lediglich eine Momentaufnahme vieler Menschen verglichen.

Die Autoren bezeichnen die Ergebnisse als „robuste Assoziationen“: Das ist eine vorsichtige wissenschaftliche Formulierung, die besagt: Der statistische Zusammenhang ist vorhanden und tritt beständig auf, aber er ist nicht mit einem Laborbeweis für „Ursache und Wirkung“ gleichzusetzen.

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Externe ärztliche Einordnung

In der kardiologischen Praxis wird das Thema noch einschränkend bewertet. Der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis betont auf FITBOOK-Nachfrage, wie schwierig es sei, sämtliche Störfaktoren – etwa Ernährung, Genetik oder Lebensstil – vollständig herauszurechnen. „Lärm stellt sicher eine Belastung dar, die Frage ist nur, ob der Lärm selbst kausal ist, oder eher die dadurch ausgelösten Effekte“, sagt Schneeweis. „Man weiß, dass Bluthochdruck durch Lärmbelastung mitbedingt sein kann.“ Dies führt zu endothelialer Dysfunktion, Stress und vaskulärer Inflammation – also Entzündungsprozessen, die langfristig das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen können. Beispielsweise könne die Insulinsensitivität schlechter werden und dies ungünstig den Fettstoffwechsel beeinflussen. „Die Studie deutet sicher in die Richtung, dass sich chronischer Stress (hier in Form einer Lärmbelastung) ungünstig auf unsere Gesundheit durch die genannten Effekte auswirkt“, so das Fazit des Kardiologen.

„Menschen sind empfindlicher, als wir das wahrhaben wollen“

Dr. Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin, sieht die Ergebnisse im Kontext weiterer Umweltstudien. Ähnliche Zusammenhänge kenne man etwa von Feinstaubbelastungen oder Untersuchungen zur Lebenserwartung in stark versiegelten, wenig begrünten Stadtteilen, so Riedl zu FITBOOK. Einzelne Umweltfaktoren isoliert zu betrachten, sei schwierig – vielmehr wirkten sie häufig zusammen. „Lärm macht Stress, die Stresshormone erhöhen die Fettmobilisierung und die freien Fettsäuren.“ Gleichzeitig würden durch gestörten Nachtschlaf aber auch der Blutdruck und der Blutzucker steigen – letzterer zwar nur leicht, „aber alles in einem sind das die Einzelteile des metabolischen Syndroms, das ganz klar mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterblichkeit einhergeht“, meint Riedl. Menschen seien halt „empfindlicher, als wir das wahrhaben wollen“, schließt der Mediziner.

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Was nachts im Körper passieren könnte

Nicht untersucht wurden in der Studie die biologischen Mechanismen – also den exakten Weg, wie der Schall im Körper zu einer chemischen Veränderung des Fetts führt. Als wahrscheinlichste Erklärung führen die Autoren ein theoretisches Erklärungsmodell namens Babisch-Lärmreaktionsmodell ins Feld. Dieses Modell vermutet zwei Wege, wie Lärm der Gesundheit schadet: einen indirekten Weg über Stress und einen direkten Weg über Schlafstörungen.

Beim indirekten Weg dienen Stresshormone wie Cortisol als biologische Brücke. Der Lärm verursacht Stress, der Stress führt zur Hormonausschüttung, und die Hormone verändern wiederum die Fett- und Zuckerwerte im Blut. Der direkte Weg betont eher die wiederholte nächtliche Aktivierung des Organismus durch Weckreaktionen und fehlende nächtliche Regeneration. In der Realität überschneiden sich beide Wege stark. Schlafstörungen führen ebenfalls zu Stressreaktionen und erhöhter Cortisolausschüttung. Deshalb ist die Abgrenzung theoretisch – biologisch greifen die Mechanismen ineinander.

Gestörter Schlaf, Stresshormone – plausibel, aber nicht bewiesen

Bislang sind die biologischen Mechanismen hinter dem beobachteten Zusammenhang aber nicht geklärt. Zwar ist aus früheren Studien bekannt, dass nächtlicher Verkehrslärm Stressreaktionen und Schlafstörungen auslösen kann – beides gilt als Risikofaktor für Störungen des Stoffwechsels.3,4 Doch genau diese vermittelnden Prozesse hat die vorliegende Untersuchung nicht gemessen. Ob also Stresshormone, gestörter Schlaf oder andere Faktoren die veränderten Cholesterinwerte erklären, bleibt offen und muss in künftigen Studien gezielt untersucht werden.

Quellen

  1. He Y., Ginos B. N. R., Kerckhoffs J. et al. (2026): Metabolic profiles of nighttime road traffic noise exposure: A multi-cohort study in the European LongITools project. Environmental Research. ↩︎
  2. European Environment Agency: Environmental noise in Europe — 2020 (2020, aufgerufen am 26.02.2026) ↩︎
  3. McHill A. W., Wright K. P. (2017): Role of sleep and circadian disruption on energy expenditure and in metabolic predisposition to human obesity and metabolic disease. Obesity Reviews. ↩︎
  4. Beutel M. E., Brähler E., Ernst M. et al. (2020): Noise annoyance predicts symptoms of depression, anxiety and sleep disturbance 5 years later. Findings from the Gutenberg Health Study. European Journal of Public Health. ↩︎

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