7. November 2025, 17:34 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Skifahren, Fußballspielen oder schweres Heben aus der Hocke – viele Alltags- und Sportbewegungen haben eine bittere Gemeinsamkeit: Sie zählen zu den häufigsten Auslösern für einen Meniskusriss. FITBOOK zeigt mit fachlicher Unterstützung von Orthopädin und Unfallchirurgin Caroline Skuhr, welche Risikofaktoren besonders ins Gewicht fallen und wie man Knieverletzungen vorbeugen kann.
Übersicht
Warum der Meniskus so wichtig ist
Streng genommen gibt es nicht den Meniskus, sondern gleich zwei: den Innen- und den Außenmeniskus. Beide befinden sich an der Außenseite des Knies und übernehmen gemeinsam eine zentrale Aufgabe: Sie wirken als Stoßdämpfer zwischen Schienbeinkopf und Oberschenkelrolle. Ohne diesen Puffer wäre das Kniegelenk bei Belastung bis zu sechsmal so stark beansprucht.1 Die besondere Zusammensetzung aus einem Drittel Kollagen und zwei Drittel Wasser verleiht den Menisken ihre Elastizität und ermöglicht ihre Funktion als natürliche Stoßdämpfer. Gerade beim Laufen und Springen, wenn enorme Kräfte auf das Knie einwirken, zeigt sich, wie unverzichtbar die Menisken sind.
Der Meniskusriss
Welche Unterscheidungen gibt es beim Meniskusriss?
- Längsriss: Verläuft entlang der Länge des Meniskus. Je nach Ausmaß kann die Stoßdämpferfunktion deutlich eingeschränkt werden.
- Horizontalriss: Teilt den Meniskus in eine obere und eine untere Hälfte. Diese Verletzung schwächt den Halt und die Belastbarkeit des Gelenks erheblich.
- Radiärriss: Verläuft von innen nach außen und unterbricht die gesamte Struktur. Besonders folgenreich, da er die Stabilität des Meniskus massiv beeinträchtigt.
- Korbhenkelriss: Ein längs verlaufender Riss, bei dem sich ein Stück des Meniskus in das Gelenk verschiebt. Häufig führt das zu einer schmerzhaften Blockade.
- Lappen- und Papageienschnabelrisse: Sonderformen, die ebenfalls akute Schmerzen verursachen können und oft durch eine Kombination aus Verschleiß und Verletzung entstehen.
Ursachen
Statistisch gesehen tritt ein Meniskusriss bei Männern etwas häufiger auf als bei Frauen. Bezogen auf eine größere Gruppe bedeutet das: Während bei 100.000 Männern etwa 100 Fälle zu erwarten sind, liegt die Zahl bei Frauen bei rund 40.2
Pro Jahr zieht sich jede tausendste Person eine Meniskusverletzung zu. Die Ursache liegt darin, dass ein Meniskusriss im Grunde überall passieren kann. Akute Start-Stopp-Bewegungen und heftige Drehbewegungen sind der Auslöser für den Riss. Gewisse Aktivitäten oder körperliche Voraussetzungen können das Herbeiführen des Risses weiter begünstigen, dazu zählen:
Sport
Viele Meniskusrisse entstehen beim Sport: abrupte Drehbewegungen und harte Belastungen wirken direkt aufs Knie. Besonders riskant seien sogenannte High-Impact-Sportarten wie Tennis, Squash oder Joggen, sagt Orthopädin Caroline Skuhr. Ob es tatsächlich zu Schäden kommt, hänge jedoch stark von Faktoren wie Beinachse, Fitness und Trainingsvorbereitung ab.
Arbeit
Auch der Arbeitsalltag kann die Menisken stark belasten. Vor allem Tätigkeiten, die langes Knien oder Hocken erfordern, üben enormen Druck auf das Gelenk aus. Ergänzt mit dem Heben schwerer Lasten, kann dies das Risiko eines Meniskusrisses erhöhen. Bei Berufen wie Pflegern oder Fliesenlegern kommt ein Meniskusriss häufiger vor.
Übergewicht
Übergewicht gehört mit zu den wichtigsten Risikofaktoren. Skuhr erklärt: „Dabei wirken nicht nur rein mechanische Belastungen: Übergewicht fördert auch entzündliche Stoffwechselprozesse, die den Meniskus zusätzlich schwächen können“.
Orthopädische Risikofaktoren
Neben äußeren Einwirkungen spielen individuelle Voraussetzungen ebenfalls eine Rolle. Übergewicht zählt zu den Hauptrisikofaktoren, da es die Knie dauerhaft überlastet. Fehlstellungen wie X- oder O-Beine verändern die Kraftwirkung im Gelenk und begünstigen den Verschleiß. Und auch bereits erlittene Verletzungen wie ein Kreuzbandriss erhöhen die Gefahr eines Meniskusrisses.
Ältere Patienten
Mit zunehmendem Alter verliert das Meniskusgewebe an Elastizität und wird anfälliger für Risse. Ein degenerativer Meniskusriss entsteht daher häufiger schon bei vergleichsweise harmlosen Bewegungen. Ein kleines Stolpern oder abruptes Drehen können da schon bedingend sein.
Körperliche Einschränkungen
Knapp 18 Prozent aller deutschen Erwachsenen leiden oder litten bereits an Arthrose. Die Erkrankung führt zu einer Schwächung der Knorpelstrukturen und erhöht damit auch das Risiko für Meniskusschäden.3 Etwa 60 Prozent der Menschen mit Kniearthrose erleiden Meniskusschäden oder -risse – häufig, ohne dass ein akutes Unfallereignis vorausging.4 Weitere muskuläre Schwächen, eingeschränkte Beweglichkeit oder bestehende Gelenkerkrankungen mindern die Belastbarkeit der Menisken zusätzlich.
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Symptome
- Knack- oder Schnappgeräusch im Knie
- Schwellung
- Schmerzen im Knie
- eingeschränkte Beweglichkeit
- Gefühl einer Blockade
- Instabilität
Bei einem akuten Riss macht sich der Schmerz unmittelbar bei Dreh- oder Beugebewegungen bemerkbar, häufig begleitet von einer Schwellung oder Blockade. Kleine Risse tragen Betroffene lange mit sich herum, bis sie überhaupt feststellen, dass sie einen Meniskusriss haben. Von Stunden, über Tage bis hin zu Wochen nach dem Zuziehen der Verletzung kann sich die Zeitspanne bis zum Bemerken ziehen. Vor allem Menschen, die 40 Jahre und älter sind, verspüren häufig gar keine Schmerzen mehr. Bei Ihnen wird ein Meniskusriss erst bei Untersuchung festgestellt.
Diagnose
Die Diagnose eines Meniskusrisses beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Entscheidend sind dabei typische Beschwerden wie Schmerzen bei Drehbewegungen, Bewegungseinschränkungen oder ein Blockadegefühl im Knie. Der Arzt prüft gezielt die Beweglichkeit, tastet den Gelenkspalt ab und achtet auf Schwellungen, Instabilität oder ein verändertes Gangbild.
Zur weiteren Abklärung kann eine Röntgenaufnahme sinnvoll sein – weniger zur Darstellung des Meniskus selbst, sondern zum Ausschließen knöcherner Verletzungen oder fortgeschrittener Arthrose. Eine Ultraschalluntersuchung liefert nur begrenzt aussagekräftige Ergebnisse, da tieferliegende Meniskusanteile damit kaum erfasst werden. Für eine präzise Beurteilung ist in vielen Fällen ein MRT das Mittel der Wahl.
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Behandlung
Nach einem Meniskusriss steht zunächst die Akutversorgung im Vordergrund: Ruhigstellung, Kühlung, Schmerzmedikation. Entscheidend ist jedoch die Wahl der weiteren Therapie, ob konservativ oder operativ.
Physiotherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie kann je nach Lage und Schwere des Risses nicht nur Operationen hinauszögern, sondern auch ersetzen – etwa bei degenerativen Schäden oder kleineren, stabilen Rissen. Ziel ist es, das Gelenk zu entlasten, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Wird das Knie blockiert oder bleiben die Schmerzen dauerhaft bestehen, ist vornehmlich eine arthroskopische Operation notwendig.
Die Gefahr, wenn der Riss lange unentdeckt bleibt
Bei keiner oder unzureichender Behandlung des Meniskusrisses kann die Kniegesundheit langfristig beeinträchtigt werden. Ein kleiner, „stiller“ Meniskusriss sei zunächst weniger dramatisch als ein akuter, großer Riss und verursache oft keine oder nur geringe Beschwerden, so Skuhr. Dennoch können langfristig chronische Schmerzen, ein steigendes Risiko für Kniearthosen und sinkende Bewegungsfähigkeit folgen.
Vorbeugung
Ganz vermeiden lassen sich Meniskusrisse nicht – aber das Risiko lässt sich spürbar senken. Entscheidend ist vor allem die Belastungskontrolle: Wer häufig kniende Tätigkeiten ausführt oder intensiv Sport treibt, sollte gezielt auf muskuläre Stabilität achten. Gut trainierte Oberschenkelmuskeln entlasten das Kniegelenk und schützen die Menisken bei abrupten Bewegungen oder starker Krafteinwirkung. Auch Gleichgewichts- und Koordinationstraining, etwa auf instabilem Untergrund, kann helfen, die feinen Ausgleichsbewegungen zu verbessern, die das Knie stabil halten.
Die Orthopädin macht deutlich, dass ein gut trainiertes Knie auch bei Meniskusproblemen belastbar bleiben kann. Mit stabilisierender Muskulatur, passendem Schuhwerk und gezielter Vorbereitung sei sogar ein Marathon möglich.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Korrektur individueller Risikofaktoren: Übergewicht reduziert man am besten konsequent, Fehlstellungen wie X- oder O-Beine sollten orthopädisch betreut werden. Denn je besser die Statik des Beins ist, desto geringer ist die mechanische Dauerbelastung auf den Meniskus und desto länger bleibt das Knie belastbar.