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Wie sich der Konsum von Joghurt auf das Risiko für Darmkrebs auswirken kann

Joghurt könnte vor Darmkrebs schützen
Jogurt liefert neben unter anderem hochwertigen Protein und Kalzium oft auch wertvolle Milchsäurebakterien – und könnte so zum Schutz vor Darmkrebs beitragen Foto: Getty Images
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16. Juli 2026, 15:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Darmkrebs zählt weltweit und auch in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Heute ist bekannt, dass neben erblichen Faktoren auch der Lebensstil und die Ernährung eine wichtige Rolle bei seiner Entstehung spielen. In den vergangenen Jahren hat zudem das Darmmikrobiom – also die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen – zunehmend an Bedeutung gewonnen. Es beeinflusst zahlreiche Stoffwechsel- und Immunprozesse und könnte auch an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sein. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt sowie Probiotika und Präbiotika können das Gleichgewicht der Darmmikrobiota beeinflussen. Ob dies tatsächlich mit einem geringeren Auftreten von Darmkrebs zusammenhängt, untersuchte nun eine neue Studie.

Probiotika sind lebende Mikroorganismen (beispielsweise Milchsäurebakterien), die in bestimmten Lebensmitteln vorkommen. Werden sie in ausreichender Menge aufgenommen, können sie gesundheitliche Vorteile haben. Präbiotika hingegen sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, etwa resistente Stärke, die als Nahrung für nützliche Darmbakterien dienen und deren Wachstum fördern können. Joghurt ist in diesem Zusammenhang von Interesse, da er – je nach Herstellungsverfahren – lebende Milchsäurebakterien enthält und zu den fermentierten Lebensmitteln zählt.

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten deuten darauf hin, dass eine gesunde Darmflora Entzündungsprozesse beeinflussen und sich möglicherweise auch auf den Alterungsprozess auswirken kann.1 Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Veränderungen der Darmmikrobiota mit dem Risiko für Darmkrebs zusammenhängen könnten. Vor diesem Hintergrund untersuchte die vorliegende Studie, ob der Konsum von Probiotika, Präbiotika und Joghurt mit der Häufigkeit von Darmkrebs verbunden ist.2

Details zur Untersuchung

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES). Dabei handelt es sich um eine repräsentative Gesundheitsstudie in den USA, die regelmäßig Informationen zur Ernährung, zum Lebensstil und zum Gesundheitszustand der Bevölkerung sammelt. Die Forscher werteten Daten aus den Jahren 2001 bis 2020 aus. Dabei berücksichtigten sie 9405 Erwachsene im Alter von mindestens 50 Jahren. Diese Teilnehmergruppe entspricht hochgerechnet rund 37 Millionen Menschen in den USA.

Die Ernährungsgewohnheiten der Probanden wurden mithilfe von Fragebögen erfasst. Sie machten darin Angaben zu ihrem Lebensmittelverzehr der vergangenen 30 Tage, ebenso wie zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch ob eine Darmkrebsdiagnose vorlag, erfragten die Forscher bei den Probanden.

Um den möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung – speziell dem Konsum von Joghurt, Präbiotika und Probiotika – und Darmkrebs möglichst genau zu untersuchen, berücksichtigten die Forscher in ihren statistischen Analysen zahlreiche weitere Einflussfaktoren. Zusätzlich bezogen sie bestehende Vorerkrankungen, unter anderem des Herz-Kreislauf-Systems oder chronische Nierenleiden, sowie bestimmte Laborwerte, darunter Nüchternblutzucker, in die Analyse ein.

Ergebnis: Konsum von Joghurt senkt Darmkrebsrisiko

Die Auswertung ergab, dass der Konsum von Joghurt sowie von Präbiotika und Probiotika mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden war, an Darmkrebs zu erkranken. Konkret waren die Ernährungsbestandteile mit einer rund 50 Prozent niedrigeren Wahrscheinlichkeit für die Diagnose verbunden.

Laut den Autoren könnte dieser Zusammenhang dadurch erklärt werden, dass diese Lebensmittel bzw. Nahrungsergänzungen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv beeinflussen. Dadurch könnten Prozesse verändert werden, die an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sind. Allerdings konnte die Studie selbst nicht untersuchen, über welche biologischen Mechanismen dieser Zusammenhang zustande kommt.

Studie stützt Erkenntnisse früherer Arbeiten

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung ergänzen eine wachsende Zahl an Forschungsergebnissen zur Rolle der Ernährung und des Darmmikrobioms bei Darmkrebs.

Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang eine Studie aus dem Jahr 2025 von Forschern der Harvard Medical School.3 Sie ging der Frage nach, ob langfristiger Joghurtkonsum mit einem geringeren Risiko für bestimmte Formen von Darmkrebs verbunden ist und welche biologischen Mechanismen dahinterstehen könnten.

Die Wissenschaftler legten dabei einen besonderen Fokus auf die Darmbarriere. Diese natürliche Schutzschicht der Darmschleimhaut verhindert normalerweise, dass schädliche Substanzen aus dem Darm in den Körper gelangen und Entzündungsprozesse fördern. Die Forscher untersuchten, ob der Zustand dieser Barriere beeinflusst, wie stark Joghurt mit dem Darmkrebsrisiko zusammenhängt.

Grundlage der Analyse waren Daten von 132.056 Teilnehmern aus zwei großen Langzeit-Kohortenstudien. Im Verlauf der Beobachtung dokumentierte das Team 3079 neu aufgetretene Darmkrebsfälle. Dabei zeigte sich, dass Personen, die mindestens zwei Portionen Joghurt pro Woche konsumierten und gleichzeitig Hinweise auf eine stabilere Darmbarriere aufwiesen, ein etwa 20 Prozent geringeres Risiko für bestimmte Darmkrebsformen hatten. Bei Teilnehmern mit einer geschwächten Darmbarriere ließ sich dieser Zusammenhang hingegen nicht beobachten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die mögliche Wirkung von Joghurt nicht allein durch den Verzehr selbst erklärt werden kann. Sie hängt vermutlich mit Veränderungen des Darmmilieus und der Darmmikrobiota zusammen. Da die Untersuchung allerdings auf Beobachtungsdaten basiert, kann sie keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen.

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Mögliche Bedeutung der Studie

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer insgesamt gesundheitsfördernden Ernährung. Das Darmmikrobiom gilt zunehmend als wichtiger Faktor für die Darmgesundheit – daher könnten künftig womöglich Ernährungsstrategien, die ihre Zusammensetzung positiv beeinflussen, in der Darmkrebsprävention eine größere Rolle spielen.

Doch um konkrete Empfehlungen abzuleiten, wäre es noch zu früh. Die Beobachtungen lassen sich definitiv nicht so deuten, dass der Konsum von Joghurt oder Probiotika Darmkrebs zuverlässig verhindern kann.

Einschränkungen

Es handelt sich um eine Querschnittsstudie, bei der sowohl die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer als auch mögliche Darmkrebsdiagnosen zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasst wurden. Dadurch lässt sich nicht feststellen, ob der Konsum von Joghurt, Probiotika oder Präbiotika tatsächlich vor einer Darmkrebserkrankung schützt – möglich wäre schließlich auch, dass Teilnehmer ihre Ernährung nach einer Darmkrebsdiagnose verändert haben. Zudem beruhten beide Angaben auf Selbstauskünften. Somit sind Erinnerungsfehler nicht auszuschließen.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Autoren Probiotika, Präbiotika und Joghurt gemeinsam betrachteten. Daher lässt sich nicht eindeutig bestimmen, welcher dieser Faktoren den beobachteten Zusammenhang möglicherweise hauptsächlich beeinflusst.

Die Autoren betonen zusammenfassend, dass weitere langfristige Beobachtungsstudien notwendig sind, um die ermittelten Zusammenhänge zu untermauern und mit Sicherheit zu klären, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen beispielsweise dem Konsum von Joghurt und einem geringeren Darmkrebsrisiko besteht.

Quellen

  1. Tseng CH, Wu CY. From dysbiosis to longevity: a narrative review into the gut microbiome's impact on aging. J Biomed Sci. 2025 Oct 11;32(1):93. doi: 10.1186/s12929-025-01179-x. PMID: 41076537; PMCID: PMC12515389.  ↩︎
  2. Tu, C., Wang, H. (2026). Association between probiotic, prebiotic, and yogurt consumption and colorectal cancer: real-world evidence from the US NHANES. Nutrition & Diabetes. ↩︎
  3. Ogino, S., Ugai, S., Liu, L. et al. (2025). Long-term yogurt intake and colorectal cancer incidence subclassified by Bifidobacterium abundance in tumor. Gut microbes. ↩︎

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