8. September 2025, 16:24 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Kollagenpräparate gelten als beliebtes Mittel gegen Falten, trockene Haut und nachlassende Spannkraft – doch wie wirksam sind sie wirklich? Eine neue Meta-Analyse nimmt erstmals auch die Qualität der Studien und mögliche Interessenkonflikte genauer unter die Lupe. Die Ergebnisse werfen Fragen auf.
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Das Strukturprotein Kollagen wird vom Körper selbst gebildet und ist das am häufigsten vorkommende Eiweiß im menschlichen Organismus. Es spielt eine zentrale Rolle im gesamten Bindegewebe – also in Strukturen, die den Körper stützen, verbinden und stabilisieren. Kollagen sorgt für die Festigkeit von Knochen, Knorpeln, Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern, Faszien und sogar dem Zahnbein. Besonders bekannt ist es dafür, der Haut Elastizität, Spannkraft und Feuchtigkeit zu verleihen.
Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Kollagenproduktion jedoch ab – etwa ein bis 1,5 Prozent pro Jahr. Die Folge: Das Bindegewebe verliert seine Stabilität, die Haut trocknet aus und verliert an Elastizität, und Falten bilden sich.1
Worum ging es in der Studie?
Kollagenpräparate sollen genau diesen Prozess verlangsamen oder sogar umkehren – so zumindest das Versprechen der Schönheitsindustrie. Frühere Studien und zwei Meta-Analysen (systematische Auswertungen mehrerer Studien) schienen diese Wirkung zu bestätigen. Doch bislang wurde nicht untersucht, ob die Ergebnisse durch finanzielle Interessen oder eine geringe Studienqualität beeinflusst wurden.
Die aktuelle Analyse wollte genau das ändern: Wie wirksam sind Kollagenpräparate wirklich – insbesondere unter Berücksichtigung von Interessenkonflikten und methodischer Qualität?2
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Wie wurde vorgegangen?
Das Forscherteam durchsuchte die medizinischen Datenbanken PubMed, Embase und die Cochrane Library nach relevanten klinischen Studien. Insgesamt wurden 23 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit 1474 Teilnehmenden ausgewählt. RCTs gelten als besonders aussagekräftig, weil sie gezielt eine Behandlungsgruppe (z. B. mit Kollagen) mit einer Kontrollgruppe (z. B. mit Placebo) vergleichen.
Untersucht wurden drei Merkmale der Hautalterung:
- Feuchtigkeitsgehalt
- Elastizität
- Faltenbildung
Besonders wichtig: Die Studien wurden zusätzlich danach bewertet, ob sie von Pharmaunternehmen finanziert wurden und wie hoch ihre methodische Qualität war. So konnte analysiert werden, ob finanzielle Interessen oder eine schwache Studienmethodik die Ergebnisse verzerrt hatten. Außerdem führten die Forscher eine Sensitivitätsanalyse durch, um besonders starke Ausreißer herauszurechnen und die Belastbarkeit der Resultate zu prüfen.
Wie wirken Kollagenpräparate auf die Haut?
In der Gesamtbetrachtung aller 23 Studien sah es zunächst so aus, als würden Kollagenpräparate helfen: Verbesserungen bei Feuchtigkeit, Elastizität und Falten wurden beobachtet.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigte sich ein deutlich differenzierteres Bild:
- In unabhängigen Studien, also ohne Finanzierung durch Pharmafirmen, gab es keine nachweisbare Wirkung – weder auf Feuchtigkeit noch auf Elastizität oder Falten.
- In durch die Industrie geförderten Studien hingegen wurden signifikante Verbesserungen berichtet.
Auch die Bewertung der Studienqualität brachte klare Unterschiede:
- Hochwertige Studien fanden keine positiven Effekte.
- Studien mit niedriger Qualität berichteten lediglich eine Verbesserung der Hautelastizität.
Die Sensitivitätsanalyse zeigte zudem:
- Wenn einzelne Studien mit besonders starken (und möglicherweise übertriebenen) Effekten ausgeschlossen wurden, verschwanden die positiven Resultate weitgehend – insbesondere im Hinblick auf Falten.
Fazit
Nur industrienahe oder qualitativ schwache Studien berichten von einem Nutzen.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Diese Ergebnisse sind besonders relevant für Menschen, die auf Kollagenpräparate als Anti-Aging-Mittel setzen.
Die Analyse zeigt deutlich:
Aktuell gibt es keine zuverlässige wissenschaftliche Grundlage dafür, dass Kollagenpräparate Hautalterung tatsächlich wirksam verhindern oder verbessern können.
Zwar wächst der Markt weiter – vor allem in Nordamerika, wo ein jährliches Wachstum von über 6,5 Prozent bis 2032 prognostiziert wird. Doch viele positive Aussagen in Werbung und Marketing basieren offenbar auf Studien, die entweder von der Industrie bezahlt wurden oder wissenschaftlich nicht belastbar sind.
Positive Effekte ließen sich in der Analyse nur bei Studien mit finanzieller Unterstützung durch die Industrie oder bei Studien mit schwacher Qualität feststellen. Die Empfehlung der Forscher ist klar: Es braucht mehr unabhängige und qualitativ hochwertige Langzeitstudien, bevor man seriöse Aussagen zur Wirkung von Kollagenpräparaten treffen kann. Bis dahin gilt: Skepsis ist angebracht, besonders bei vollmundigen Werbeversprechen.
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Wie ist die Studie mit den Kollagenpräparaten einzuordnen?
Diese Untersuchung ist die erste systematische Meta-Analyse, die nicht nur die Wirksamkeit von Kollagenpräparaten analysiert, sondern auch die Finanzierungsquelle und die Qualität der zugrundeliegenden Studien berücksichtigt.
Die Methodik war wissenschaftlich fundiert:
- Es wurden ausschließlich RCTs, also Studien mit hoher Aussagekraft, einbezogen.
- Die Auswahl der Studien folgte einem klar definierten Schema (dem sogenannten PICO-Framework).
- Forscher bewerteten die Studienqualität systematisch.
Natürlich gibt es auch Einschränkungen:
- Forscher berücksichtigten einige potenziell relevante Studien nicht, weil sie nicht auf Englisch verfasst oder nicht öffentlich zugänglich waren.
- Die Analyse schloss nur Daten bis Juni 2024 ein, sodass neuere Studien fehlen könnten.
- Die Einordnung der Studienqualität erfolgte zwar nach objektiven Kriterien, beinhaltet aber immer auch eine gewisse Subjektivität.
Trotzdem gilt: Die Analyse ist methodisch überzeugend und liefert neue, wichtige Hinweise auf mögliche Verzerrungen in der bisherigen Forschung zu Kollagenpräparaten.
Fazit
Obwohl frühere Studien und Meta-Analysen positive Effekte von Kollagenpräparaten nahelegten, zeigt diese neue Untersuchung klar:
Positive Effekte zeigten sich ausschließlich in Studien mit Industrieunterstützung oder geringer wissenschaftlicher Qualität. Hochwertige, unabhängige Studien finden dagegen keinen Nutzen. Verbraucher sollten sich deshalb nicht von überzogenen Werbeversprechen täuschen lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine fundierte wissenschaftliche Empfehlung, Kollagenpräparate zur Vorbeugung oder Behandlung von Hautalterung einzusetzen.