2. September 2025, 15:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Kaugummikauen kann bekanntermaßen die Zahnhygiene unterstützen. Es regt unter anderem den Speichelfluss an, wodurch Speisereste weggespült und Säuren im Mundraum neutralisiert werden. Doch die positiven Effekte gehen noch weiter, wie eine neue Studie zeigt. Im Folgenden geht FITBOOK näher auf die erstaunlichen Auswirkungen des Kaugummikauens auf verschiedene gesundheitliche Bereiche ein.
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Kaugummikauen und seine gesundheitlichen Effekte
Ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Kauen von Kaugummi und der Gesundheit beschäftigt die Wissenschaft bereits seit einiger Zeit. FITBOOK berichtete über eine Studie, die nahelegt, dass Menschen, die regelmäßig zu zuckerfreiem Kaugummi greifen, sich tendenziell gesünder ernähren.1 Unbestritten ist zudem, dass Kaugummikauen positive Effekte auf die Zahnhygiene hat. Doch dabei bleibt es nicht. Forscher haben nun erstmals systematisch zusammengetragen, welche gesundheitlichen Wirkungen das Kaugummikauen jenseits dessen hat.2
Steigert Kaugummikauen die Aufmerksamkeit und Konzentration? Verbessert es das Gedächtnis oder die Reaktionsfähigkeit? Solche und zahlreiche weitere mögliche Effekte standen bereits wissenschaftlich zur Diskussion. Auch etwaige Auswirkungen auf das Hunger- und Sättigungsgefühl, die Verdauung und das Durstempfinden wurden bereits untersucht. Die Forschung hat weiterhin mögliche Anwendungen bei speziellen Patientengruppen betrachtet, beispielsweise die Frage, ob die oftmals empfohlenen Nikotinkaugummis die Rauchentwöhnung tatsächlich unterstützen können. Und wie verhält es sich mit koffeinhaltigen Kaugummis, die eine Leistungssteigerung versprechen – nicht zuletzt beim Sport? Ziel war eine sogenannte „Evidence Gap Map”, schreiben die Autoren. Damit ist eine Übersichtskarte gemeint, die aufzeigt, in welchen Bereichen bereits viel geforscht wurde und wo noch große Lücken bestehen.
Neues Kaugummi soll Infektionen erkennen
Zuckerfreier Kaugummi soll laut Studie erstaunliche Effekte auf die Gesundheit haben
Details zur Untersuchung und Erkenntnisse
Die Forscher griffen auf Daten aus fünf wissenschaftlichen Datenbanken zurück. Mithilfe gezielt verfeinerter Suchstrategien erwies sich von den insgesamt 2.600 Treffern noch rund ein Zehntel als thematisch geeignet für die avisierte Untersuchung. Anschließend ordneten sie die ausgewählten Studien nach Art des Kaugummis (zum Beispiel mit Koffein oder Nikotin, mit einem bestimmten Zuckeraustauschstoff, und so weiter), den untersuchten Wirkungen und dem Studiendesign. Dabei unterschieden sie unter anderem zwischen klinischen Versuchen, einfachen Umfragen und Übersichtsarbeiten.
Die Ergebnisse wiesen auf drei wesentliche Anwendungsbereiche des Kaugummikauens hin, bei denen sich deutliche Effekte zeigten.
1. Schnellere Erholung nach Operationen
Die meisten der berücksichtigten Studien wurden laut den Forschern als unterstützende Maßnahme für die postoperative Erholung des Magen-Darm-Trakts nach chirurgischen Eingriffen durchgeführt. Dabei wurde Kaugummi als Scheinfütterung eingesetzt, um die Tätigkeit von Magen und Darm anzuregen und die Organe dazu zu bringen, ihre Arbeit schneller wieder aufzunehmen. Die Ergebnisse sprachen eine deutliche Sprache. Wie die Autoren zusammenfassen, konnten sich viele der operierten Patienten dank des Kaugummikauens schneller erholen, ihr Darm war zügiger wieder aktiv und Klinikaufenthalte konnten verkürzt werden.
2. Leistungssteigerung beim Sport
Daneben konzentrierten sich sportbezogene Studien am häufigsten auf koffeinhaltiges Kaugummi, was ebenfalls zu anschaulichen Ergebnissen führte. In diesem Fall scheint das Kaugummikauen die Leistungsfähigkeit zu beeinflussen. Durch die Aufnahme von Koffein über die Mundschleimhaut gelangt die Substanz besonders schnell ins Blut. Dadurch wird Müdigkeit reduziert, die Reaktionszeit verkürzt und die Spiel- oder Trainingstauglichkeit erhöht.
3. Kaugummikauen zur Rauchentwöhnung
Die Auswertung zeigte schließlich, dass Nikotinkaugummi ein wirksames Mittel zur Unterstützung der Rauchentwöhnung ist – insbesondere, wenn es darum geht, die Anwendung von Ersatzstrategien über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechtzuerhalten. Dies ist ein wichtiger Faktor für den langfristigen Erfolg. Interessanterweise hat sich Nikotinkaugummi auch als eigenständiges Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung etabliert. In einigen Studien wurde zudem die Kombination mit anderen Nikotinabgabesystemen wie Pflastern oder E-Zigaretten untersucht, um mögliche Synergieeffekte zu prüfen.
Bedeutung der Studie und Einschränkungen
Die Forscher räumen direkt ein, dass weiterführende Forschungsarbeit nötig ist, um die Anwendungsmöglichkeiten von Kaugummikauen zur Verbesserung der Gesundheit zu ermitteln. Ihre Studie liefert vor allem eine Orientierung – einen strukturierten Überblick über ein sehr heterogenes Forschungsfeld. Sie zeigt, in welchen Bereichen bereits geforscht wurde, erbringt jedoch keinen direkten Wirksamkeitsnachweis. Für die Praxis liefert sie allenfalls Hinweise darauf, dass mithilfe von Kaugummi, einem einfach und kostengünstig erhältlichen Produkt, wertvolle Effekte erzielt werden können.
Man sollte erwähnen, dass in die Analyse ausschließlich englischsprachige Studien der letzten zehn Jahre einbezogen wurden. In einigen Fällen konnten die Forscher nicht mit Sicherheit ermitteln, welche Inhaltsstoffe die Kaugummis enthielten. Das erschwert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Hinzu kommt, dass die untersuchten Studien sehr unterschiedlich aufgebaut waren, was sich in unterschiedlichen Methoden, Kaugummisorten und Dosierungen niederschlägt. Besonders deutlich wird, dass bei Kindern, älteren Menschen und bei breiteren Anwendungen im Bereich Wohlbefinden noch große Forschungslücken bestehen.
Kaugummikauen kann weitere Effekte haben, die individuell unterschiedlich wahrgenommen werden. So hilft es manchen Menschen, sich bei Stress durch das Kauen abzulenken. Andere wiederum können damit ein akutes Hungergefühl kurzfristig überdecken. Man sollte es jedenfalls nicht übertreiben. Zu viel Kaugummikauen kann unter anderem Durchfall begünstigen. Auch kann es zu einer Überlastung der Kiefergelenke und -muskeln führen, was wiederum Verspannungen zur Folge haben kann.

