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Ist Joghurt wirklich so gesund für die Knochen? Studie gibt Antwort

Joghurt und Knochengesundheit – Studie
Der erhoffte Schutz vor Osteoporose durch Joghurt fällt offenbar deutlich schwächer aus als bisher gedacht Foto: Getty Images, Collage: FITBOOK
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27. Oktober 2025, 13:03 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Steht Joghurt bei Ihnen auch regelmäßig auf dem Speiseplan? Viele greifen gern zu – nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch wegen der gesundheitlichen Vorteile, die dem Milchprodukt zugeschrieben werden. So soll es helfen, die Knochen zu stärken und Osteoporose vorzubeugen. Doch dieser erhoffte Schutz soll deutlich schwächer ausfallen als bisher angenommen – so das Ergebnis einer neuen Studie.

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Erhoffter Schutz vor Osteoporose durch Joghurt laut Studie schwächer als gedacht

Joghurt enthält viele Nährstoffe, die für gesunde Knochen wichtig sind: Kalzium, Phosphor, Eiweiß sowie Vitamine der B- und K-Gruppe. Außerdem stecken darin lebende Milchsäurebakterien, die bei der Fermentation – also der Umwandlung von Milch zu Joghurt – entstehen. Diese Bakterien sollen die Verdauung fördern und möglicherweise auch die Aufnahme von Mineralstoffen verbessern. Weil all diese Stoffe eine Rolle im Knochenstoffwechsel spielen, gilt Joghurt oft als „knochenfreundlich“. Besonders bei älteren Menschen, bei denen die Knochendichte abnimmt und das Risiko für Osteoporose steigt, wird er deshalb gern empfohlen.

Viele frühere Studien untersuchten nur den Effekt von „Milchprodukten insgesamt“.1 Dabei wird oft nicht klar, ob Joghurt, Käse oder andere Produkte für einen beobachteten Effekt verantwortlich waren. Eine neue Auswertung von zwölf Studien zeigt: Der erhoffte Schutz vor Osteoporose durch Joghurt fällt deutlich schwächer aus als gedacht.2

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Forscher führten eine systematische Übersichtsarbeit und zwei Meta-Analysen durch. Das bedeutet:

  • Sie durchsuchten mehrere große Datenbanken nach allen wissenschaftlichen Studien, die sich mit Joghurt und Knochengesundheit befasst haben.
  • Eingeschlossen wurden nur Studien mit Erwachsenen, bei denen Joghurt als einzelner Faktor betrachtet wurde – nicht im Mix mit anderen Lebensmitteln.
  • Insgesamt wurden zwölf Beobachtungsstudien ausgewertet. Das sind Studien, bei denen Menschen über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden, ohne dass sie eine bestimmte Diät oder Behandlung einhalten mussten.

Zwei Meta-Analysen wurden erstellt: Eine zur Knochendichte, also der „Festigkeit“ des Knochens und eine zur Häufigkeit von Hüftbrüchen, einem typischen Problem bei Osteoporose. Die Qualität der Studien wurde mit wissenschaftlich anerkannten Bewertungsverfahren überprüft (z. B. der Newcastle-Ottawa-Skala). So sollte sichergestellt werden, dass die Ergebnisse auf soliden Daten beruhen.

Kernergebnisse: Joghurt hat keinen Einfluss auf Hüftfraktur-Risiko

In der Auswertung zeigte sich kein Unterschied beim Risiko für Hüftbrüche zwischen Menschen, die viel Joghurt aßen, und denen, die wenig oder gar keinen Joghurt konsumierten.
Mit anderen Worten: Joghurt schützt nicht vor Knochenbrüchen – zumindest wurde in den vorhandenen Studien kein solcher Effekt festgestellt.

In der zweiten Auswertung ging es um die Knochendichte. Dieser Wert gibt an, wie „fest“ ein Knochen ist. Er wird meist mit einem speziellen Röntgenverfahren gemessen. Eine höhere Knochendichte bedeutet in der Regel auch stabilere Knochen und ein geringeres Risiko für Brüche.

Die Analyse zeigte: Menschen, die regelmäßig Joghurt essen, hatten im Durchschnitt eine etwas höhere Knochendichte als andere. Allerdings: Der Unterschied war so gering, dass er keine praktische Auswirkung hat. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass er im Alltag einen spürbaren Schutz bietet.

Auch interessant: Die Wirkung von Joghurt auf die Psyche

Biologische Gründe, warum Joghurt dennoch gut für die Knochen sein könnte

Auch wenn die Wirkung in den Zahlen kaum zu sehen ist, fragten sich die Forscher: Gibt es biologische Gründe, warum Joghurt gut für die Knochen sein könnte?

Einige mögliche Erklärungen:

  • Mehr Calzium wird aufgenommen: Durch die Fermentation entsteht Milchsäure, die im Darm das Calzium aus der Nahrung besser verfügbar macht.
  • Vitamin K2 im Joghurt: Dieses Vitamin hilft dem Körper, Calzium gezielt in den Knochen einzulagern – statt in Gefäßen oder Organen.
  • Einfluss auf die Darmflora: Die Milchsäurebakterien im Joghurt könnten das Gleichgewicht der Darmbakterien verbessern. Das kann entzündungshemmend wirken und die Aufnahme von Nährstoffen fördern.
  • Eiweißbausteine mit Wirkung: Bei der Herstellung von Joghurt entstehen kleine Eiweißfragmente (Peptide), denen man hormonähnliche Wirkungen zuschreibt – allerdings sind diese Effekte noch nicht belegt.

All diese Punkte klingen plausibel, aber: Sie wurden in den analysierten Studien nicht direkt untersucht. Es sind Hypothesen, die in Zukunft weiter erforscht werden müssen.

Was genau wurde eigentlich gegessen?

Ein zentrales Problem vieler analysierter Studien war die ungenaue Erfassung des Joghurtkonsums. Die meisten Untersuchungen basierten auf Selbstangaben der Teilnehmer, wie häufig sie Joghurt essen – aber ohne genaue Informationen zur Art des Produkts.

Wichtige Unterschiede blieben unklar:

  • Handelte es sich um Naturjoghurt, Fruchtjoghurt oder probiotische Varianten?
  • Wurden Zucker oder Vitamine zugesetzt?
  • Enthielt der Joghurt lebende Bakterien – oder wurde er nach der Fermentation pasteurisiert?
  • War er aus Vollmilch oder fettarm?

Solche Unterschiede können eine große Rolle für die Wirkung spielen. Denn nicht jeder Joghurt ist gleich – und ohne klare Produktbeschreibung bleibt offen, welcher Joghurt welchen Effekt hatte.

Was frühere Studien nicht abgedeckt haben – und welche Fragen die Forschung jetzt untersucht

Frühere Studien haben oft zu pauschal geurteilt – und Joghurt gemeinsam mit anderen Milchprodukten bewertet. Die neue Analyse hat das bewusst anders gemacht und sich auf Joghurt konzentriert. Sie wurde im Rahmen der PIMENTO-Initiative durchgeführt, die sich mit den gesundheitlichen Wirkungen fermentierter Lebensmittel befasst. Das Forschungsteam wählte diesen Fokus gezielt – zog aber keine Vergleiche zu nicht fermentierten Milchprodukten wie Trinkmilch oder Quark. Das schränkt die Aussagekraft im Vergleich zu anderen Lebensmitteln ein.

Um verlässlichere Aussagen zu ermöglichen, fordern die Autoren:

  • Klar definierte Studien, in denen genau beschrieben wird, welcher Joghurt untersucht wird (z. B. Naturjoghurt, mit/ohne Zucker, probiotisch)
  • Längere Studienlaufzeiten, um Effekte über Monate oder Jahre zu erfassen
  • Zielgruppen mit höherem Risiko, etwa ältere Menschen mit beginnender Osteoporose
  • Detaillierte Produktanalysen – etwa zu Vitamingehalt, Bakterienstämmen oder Herstellungsverfahren
  • Den Einbezug moderner Forschungsansätze:
    1. Ernährungsökonomie: Wie sinnvoll ist Joghurt als Maßnahme zur Vorbeugung im Verhältnis zu den Kosten?
    2. Nutrigenomik: Reagieren Menschen je nach genetischer Veranlagung unterschiedlich auf Joghurt?

Solche Studien könnten helfen zu klären, ob Joghurt tatsächlich eine besondere Wirkung auf die Knochengesundheit hat – oder einfach ein gesundes Lebensmittel unter vielen ist.

Gibt es Nebenwirkungen durch Joghurt?

In den untersuchten Studien zeigte sich: Joghurt ist allgemein gut verträglich. Einige Teilnehmer berichteten über Blähungen oder Unverträglichkeiten, meist bei Laktoseintoleranz. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Auch die enthaltenen Bakterien wurden in keiner Studie als problematisch eingestuft.

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Was sagt die neue Studie im Vergleich zu früheren Untersuchungen?

Frühere Übersichtsarbeiten hatten zum Teil positive Effekte von Milchprodukten auf die Knochengesundheit gezeigt – etwa eine geringere Bruchrate oder bessere Knochendichte.3 Allerdings bezogen sich diese Arbeiten nicht ausschließlich auf Joghurt, sondern meist auf Milch und Käse gemeinsam.

Die neue Analyse hebt sich davon ab, weil sie:

  • nur Joghurt als Einzelfaktor untersucht,
  • eine strenge Methodik anwendet,
  • und sich auf klinisch relevante Endpunkte konzentriert (z. B. Hüftfrakturen).

Ergebnis: Die bisherige Annahme, dass Joghurt allein schützt, hält einer genauen Prüfung nicht stand.

Einschränkungen der Studie

Trotz ihrer systematischen Herangehensweise hat die Studie mehrere Einschränkungen, die bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt werden sollten.

  • Die Analyse umfasst ausschließlich Beobachtungsstudien. Solche Studien können zwar Zusammenhänge aufzeigen, erlauben aber keine Aussagen über Ursache und Wirkung.
  • In den meisten Studien beruhte die Erfassung des Joghurtverzehrs auf Selbstangaben der Teilnehmer – meist über Fragebögen. Es fehlten genaue Informationen zur Art des Joghurts (z. B. Natur, Frucht, probiotisch, fettarm, mit/ohne Zucker).
  • Die Zusammensetzung der verzehrten Produkte variierte stark – teilweise sogar innerhalb einzelner Studien. Angaben zu Herstellungsverfahren, Bakterienstämmen oder Vitamingehalt fehlten fast vollständig.
  • Die Autoren konzentrierten sich gezielt auf Joghurt als fermentiertes Lebensmittel. Ein direkter Vergleich mit anderen Milchprodukten wie Trinkmilch oder Quark wurde nicht vorgenommen – dadurch bleibt offen, ob Joghurt spezifische Vorteile hat oder nicht.
  • Die beiden Meta-Analysen zu Knochendichte und Frakturrisiko basieren jeweils auf nur drei Studien. Das schränkt die Aussagekraft und statistische Belastbarkeit der Ergebnisse ein.
  • Es wurden keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) eingeschlossen, die als Goldstandard der klinischen Forschung gelten.

Fazit

Joghurt ist ein nährstoffreiches Lebensmittel – aber kein bewiesenes Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Osteoporose. Die analysierten Studien zeigen keinen Einfluss auf das Risiko für Hüftfrakturen und nur einen winzigen Effekt auf die Knochendichte, der im Alltag keinen spürbaren Effekt hat.

Wer seine Knochengesundheit stärken möchte, sollte auf bewährte Strategien setzen:

  • Ausreichend Calzium und Vitamin D
  • Bewegung, vor allem Krafttraining
  • Gesunde Ernährung
  • Ärztliche Beratung bei erhöhtem Risiko

Joghurt kann dabei ein sinnvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein – aber er ersetzt keine medizinischen Maßnahmen.

Quellen

  1. Malmir, H., Larijani, B., Esmaillzadeh, A. (2020). Consumption of milk and dairy products and risk of osteoporosis and hip fracture: a systematic review and Meta-analysis. Crit Rev Food Sci Nutr. ↩︎
  2. Mayo, B., Malagón-Rojas, J., Agah,i F. et al. (2025). Impact of yogurt consumption on bone health markers in adults with or without osteoporosis: a systematic review and meta-analysis. Front Nutr. ↩︎
  3. Ong, AM., Kang, K., Weiler, HA. et al. (2020). Fermented Milk Products and Bone Health in Postmenopausal Women: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials, Prospective Cohorts, and Case-Control Studies. Adv Nutr. ↩︎

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