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Ist Sprudelwasser schlecht für die Zähne?

Wie wirkt sich Kohlensäure auf den Zahnschmelz aus? Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.
Wie wirkt sich Kohlensäure auf den Zahnschmelz aus? Foto: Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

28. Juli 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Als überzeugte Sprudeltrinkerin hat mich diese Nachricht zunächst überrascht: Eine neue Untersuchung geht nämlich der Frage nach, ob Kohlensäure den Zahnschmelz angreifen kann. Doch ist an diesem hartnäckigen Mythos wirklich etwas dran? Wir werfen einen Blick darauf, was die aktuelle Studie zeigt, was frühere Untersuchungen bereits herausgefunden haben und was das für unsere Zähne bedeutet.

Neue Studie untersucht den Einfluss auf den Mundraum

Die Frage, ob Sprudelwasser den Zahnschmelz tatsächlich angreifen kann, beschäftigt Forscher schon seit vielen Jahren. Erst kürzlich kamen neue Daten hinzu: Auf der Jahrestagung „Nutrition 2026“ der „American Society for Nutrition“ wurden die Ergebnisse einer kleinen Untersuchung mit 20 Erwachsenen vorgestellt.1

Die Teilnehmer tranken nacheinander vier verschiedene Getränke: zuckerhaltige Limonade, normales Sprudelwasser, calciumangereichertes Sprudelwasser und stilles Wasser.

Anschließend wurde mehrfach gemessen, wie sich der pH-Wert des Speichels veränderte. Dadurch wollten die Forscher möglichst realistisch erfassen, wie der Mund unmittelbar auf die verschiedenen Getränke reagiert. Warum dieser pH-Wert überhaupt wichtig ist, schauen wir uns später noch genauer an.

Die Ergebnisse klingen zunächst beruhigend

Wenig überraschend sorgte die zuckerhaltige Limonade für den stärksten Rückgang des pH-Werts. Ungesüßtes Sprudelwasser ließ den Wert zwar ebenfalls kurzfristig sinken, allerdings deutlich weniger stark. Nach etwa 20 Minuten hatte sich der pH-Wert bei beiden untersuchten Sprudelwassern bereits wieder weitgehend normalisiert.

Während der gesamten Messung blieb der pH-Wert oberhalb des Bereichs, in dem Zahnschmelz typischerweise angegriffen wird. Nach Einschätzung der Forscher könnte ungesüßtes Sprudelwasser deshalb eine zahnschonendere Alternative zu zuckerhaltigen Softdrinks sein – vorausgesetzt, es wird in Maßen konsumiert und auf eine gute Mundhygiene geachtet.

Ergebnisse sind mit Vorsicht zu betrachten

Bevor jetzt alle den Wassersprudler zum neuen Helden der Küche erklären, lohnt sich ein genauer Blick. Denn die aktuell vorgestellten Ergebnisse stammen nicht aus einer veröffentlichten und wissenschaftlich begutachteten Studie. Bislang wurden die Daten lediglich auf einem Fachkongress präsentiert.

Hinzu kommt, dass nur 20 Erwachsene an der Untersuchung teilnahmen und ausschließlich kurzfristige Veränderungen des Speichel-pH-Werts gemessen wurden. Ob regelmäßiger Sprudelkonsum über Monate oder Jahre Auswirkungen auf den Zahnschmelz hat, lässt sich daraus nicht ableiten. Kurz gesagt: Die Untersuchung liefert interessante Hinweise – endgültige Antworten gibt sie aber noch nicht.

Was genau ist Kohlensäure?

Nun ein kurzer Exkurs, worum es sich bei Kohlensäure handelt, bevor wir auf frühere Studien zu diesem Thema einen Blick werfen. Das typische Prickeln bei Sprudelwasser stammt streng genommen nicht von der Kohlensäure, sondern vor allem von gelöstem Kohlendioxid (CO₂). Öffnet man die Flasche, entweicht das Gas, die Bläschen steigen auf – und es sprudelt.

Manche Mineralwässer enthalten Kohlendioxid von Natur aus, etwa in vulkanisch geprägten Regionen. Meist wird es jedoch erst bei der Abfüllung zugesetzt.

Übrigens: Bezeichnungen wie „Medium“, „Classic“ oder „Spritzig“ sind gesetzlich nicht genau definiert. Spritziges Mineralwasser enthält meist fünf bis sieben Gramm Kohlendioxid pro Liter, Medium etwa zwei bis vier Gramm.2

Das haben frühere Studien bereits gezeigt

Bereits 2001 verglichen Forscher verschiedene Mineralwässer mit Softdrinks hinsichtlich ihres Potenzials, den Zahnschmelz anzugreifen. Das Ergebnis fiel deutlich zugunsten des Mineralwassers aus. Kohlensäurehaltiges Mineralwasser führte zwar zu einem etwas höheren Mineralverlust als stilles Wasser, der Unterschied war jedoch vergleichsweise gering. Im Vergleich zu Softdrinks schnitt Mineralwasser deutlich besser ab.3

Hinzu kommt, dass viele Mineralwässer Calcium, Magnesium oder Hydrogencarbonat enthalten. Vor allem Calcium kann dazu beitragen, den Verlust von Mineralien aus dem Zahnschmelz zu begrenzen.

Wer nun denkt, Zitronen- oder Beeren-Sprudel seien genauso unproblematisch, sollte noch einmal genauer hinschauen. Eine bereits 2007 veröffentlichte Studie zeigte, dass aromatisierte Mineralwässer ein deutlich höheres Potenzial für Zahnerosionen besitzen können als reines Mineralwasser mit Kohlensäure.4

Der Grund liegt vor allem in den zusätzlich enthaltenen Säuren wie Zitronensäure. Deshalb gilt: Zuckerfrei bedeutet nicht automatisch zahnschonend. Auch ohne Zucker können zugesetzte Säuren den Zahnschmelz belasten. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich daher durchaus.

Warum der pH-Wert plötzlich spannend wird

Unser Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Trotzdem ist selbst er nicht unverwundbar. Vor allem Säuren können ihm zusetzen. Zahnärzte nennen häufig einen pH-Wert von etwa 5,5 als kritische Grenze. Sinkt der Wert im Mund darunter, können sich nach und nach Mineralien aus dem Zahnschmelz lösen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Schluck eines leicht sauren Getränks sofort Schäden verursacht.

Zum Vergleich: Stilles Wasser besitzt meist einen nahezu neutralen pH-Wert von sieben. Reines Mineralwasser mit Kohlensäure liegt häufig zwischen fünf und sechs. Cola oder viele Limonaden erreichen dagegen Werte zwischen zwei und drei – und spielen damit aus Sicht der Zähne in einer ganz anderen Liga.

Hinzu kommt, dass Softdrinks oft zusätzlich Zucker sowie Säuren wie Zitronensäure oder Phosphorsäure enthalten. Genau diese Kombination macht sie deutlich problematischer als reines Sprudelwasser.

Der Mund hat einen natürlichen Schutzmechanismus

Die gute Nachricht: Der Körper hilft sich an dieser Stelle ein Stück weit selbst. Speichel übernimmt im Mund gleich mehrere wichtige Aufgaben. Er verdünnt Säuren, trägt zu ihrer Neutralisation bei und liefert Mineralien wie Calcium und Phosphat, die für die Remineralisation des Zahnschmelzes benötigt werden.

Deshalb stellt ein einzelnes Glas Sprudelwasser in der Regel kein relevantes Risiko für die Zahnhartsubstanz dar. Der Speichel kann den kurzfristig abgesenkten pH-Wert meist innerhalb kurzer Zeit wieder in den neutralen Bereich zurückführen.

Besonders relevant ist das für Menschen mit vermindertem Speichelfluss, etwa infolge bestimmter Medikamente oder Erkrankungen. Bei ihnen können Säuren länger auf die Zahnoberfläche einwirken.

Auch interessant: 9 Lebensmittel, die gut für die Zähne sind

Nicht nur das Getränk zählt, sondern auch die Trinkgewohnheiten

Überraschend ist vor allem eines: Für die Zähne ist nicht nur entscheidend, was getrunken wird, sondern auch, wie.

Lieber ein Glas als ständiges Nippen

Wer über Stunden hinweg immer wieder kleine Schlucke nimmt, verlängert den Säurekontakt mit den Zähnen deutlich. Zahnschonender ist es deshalb, Sprudelwasser zu einer Mahlzeit oder innerhalb eines kürzeren Zeitraums zu trinken. Ein paar Schlucke stilles Wasser im Anschluss können zusätzlich helfen, Säurereste im Mund zu verdünnen.

Nach dem Trinken besser etwas warten

Nach dem Genuss säurehaltiger Getränke ist etwas Geduld gefragt. Säuren können den Zahnschmelz vorübergehend anrauen. Wird unmittelbar danach geputzt, kann die Zahnoberfläche zusätzlich belastet werden.

Es wird empfohlen, mit dem Zähneputzen etwa 30 Minuten zu warten. In dieser Zeit kann der Speichel den pH-Wert im Mund wieder anheben und den Zahnschmelz bei der natürlichen Remineralisation unterstützen. Anschließend können die Zähne wie gewohnt mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Fluorid trägt dazu bei, den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen zu machen.

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Wer sollte etwas vorsichtiger sein?

Für die meisten Menschen spricht nach heutigem Wissensstand wenig gegen ein Glas Sprudelwasser. Etwas vorsichtiger sollten allerdings Menschen mit bereits geschädigtem Zahnschmelz, freiliegenden Zahnhälsen oder dauerhaft vermindertem Speichelfluss sein. Auch bei einer festen Zahnspange können Säuren länger an schwer zugänglichen Stellen haften bleiben.5

Für diese Personengruppen kann stilles Wasser die bessere Wahl sein. Bei Unsicherheiten oder bereits empfindlichen Zähnen empfiehlt sich eine Rücksprache mit der behandelnden Zahnärztin oder dem behandelnden Zahnarzt.

Fazit: Kein Grund, auf Sprudel zu verzichten

Wer nach der Überschrift bereits befürchtet hat, künftig auf Sprudel verzichten zu müssen, kann vermutlich aufatmen.

Nach dem derzeitigen Wissensstand spricht wenig dafür, dass reines Mineralwasser mit Kohlensäure den Zähnen in üblichen Mengen ernsthaft schadet. Deutlich problematischer sind Getränke mit viel Zucker oder zusätzlichen Säuren – und die Angewohnheit, den ganzen Tag daran zu nippen.

Quellen

  1. Medical News. Unsweetened sparkling water may be safer for teeth than soda. (aufgerufen am 27.07.2026) ↩︎
  2. AOK. Kohlensäure in Getränken? Keineswegs ungesund! (aufgerufen am 27.07.2026) ↩︎
  3. Parry, J., Shaw, L., Arnaud, MJ. et al. (2001). Investigation of mineral waters and soft drinks in relation to dental erosion. J Oral Rehabil.  ↩︎
  4. Brown, CJ., Smith, G., Shaw, L. et al. (2007). The erosive potential of flavoured sparkling water drinks. Int J Paediatr Dent. ↩︎
  5. Foodwatch. Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure – was ist besser? (aufgerufen am 27.07.2026) ↩︎

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