5. August 2025, 14:37 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Heidi Klum möchte innere Schädlinge loswerden und eine mehrmonatige Wurm- und Parasitenkur machen. Damit folgt sie einem Trend: In den sozialen Medien erklären Influencer und Wellness-Gurus, dass wir alle von Parasiten befallen sind und verkaufen entsprechende Kuren. Was soll das Ganze?
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„Alles, was ich im Moment auf Instagram sehe, dreht sich um Würmer und Parasiten“
Heidi Klum (52) spricht öffentlich übers „Entwurmen“, um den Körper von Schadstoffen und unsichtbaren Feinden zu befreien. Die Gesundheitsidee kommt aus Detox-Kreisen und boomt durch Social Media. „Ich werde mich zum ersten Mal entwurmen und Parasiten entfernen“, verkündete das Supermodel in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“.
„Alles, was ich im Moment auf Instagram sehe, dreht sich um Würmer und Parasiten. Deshalb mache ich mit meinem Mann eine Wurmkur und eine Parasitenkur. Ich habe gehört, dass man das einmal im Jahr machen soll, aber ich habe es noch nie gemacht. Ich fühle mich also ziemlich im Rückstand. Ich weiß nicht, was dabei herauskommen wird.“
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Grundgedanke des „Parasite Cleanse“: Wir sind alle von Parasiten befallen
Klum beschreibt keine medizinische Diagnose oder konkrete Beschwerden – sondern folgt einem Trend, der seit 2021 durch Social Media schwirrt: „Parasite Cleanse“, auf Deutsch: Parasitenkur. Sie soll zu mehr Energie, schönerer Haut und besserem Selbst verhelfen. Der Grundgedanke: Jeder Mensch soll angeblich von Parasiten befallen sein und zwar unabhängig von Symptomen oder ärztlichem Befund.1 Heidi Klum scheint jedenfalls überzeugt … „Wenn Sie ab und zu rohe Lebensmittel essen, z. B. Sushi, gibt es Tabletten [um sie loszuwerden, A. d. Red.]“, erklärte sie.
Die von Klum erwähnte Kur, die nach ihrer Angabe „Monate dauern“ werde, enthalte unter anderem Gewürznelken und Papayakerne. Klum: „Darin [in den Tabletten, A. d. Red.] sind viele Kräuter enthalten. Der Parasit hasst Nelken. Er hasst auch die Kerne einer Papaya.“
Lauern in uns allen Parasiten? Wohl kaum
Tatsächlich ist der menschliche Körper – insbesondere der Darm – ein komplexes Ökosystem mit Milliarden Mikroorganismen. Aus medizinischer Sicht entbehrt jedoch die Vorstellung, dass in jedem von uns zwangsläufig krank machende Parasiten oder Würmer lauern, jeder Grundlage. Infektionen mit Darmparasiten sind in Industrienationen selten. Sie kommen in der Regel vor bei Reisen in Länder mit schlechten hygienischen Standards.2 Darmparasiten werden überwiegend über kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen, auch direkte Infektionen sind möglich.
Bandwürmer kann man sich zum Beispiel durch den Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch oder Fisch holen, Madenwürmer bei engem Kontakt mit infizierten Kindern oder Tieren. Diese Infektionen verursachen dann aber auch Symptome – wie Juckreiz, Bauchschmerzen, auffällige Veränderungen im Stuhl – und lassen sich klar diagnostizieren. Und zwar mittels mikroskopischem Direktnachweis von Erregern, Eiern, Zysten und anderen Bestandteilen bzw. Vorstufen der Parasiten. Damit hat Klum sogar Erfahrung.
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Greift Klum deshalb zur Wurm- und Parasitenkur?
Ende 2019 lag das Supermodel mehrere Wochen flach, nachdem sie sich mit Kryprosporidien infiziert hatte. Symptome: Stark wässriger Durchfall und Übelkeit. Vorkommen kann der Parasit in Ländern, in denen Trinkwasser mit Chlor aufbereitet wird – denn die Wasserformen dieses Parasiten sind gegen Chlor relativ resistent.
Womöglich ist es diese Erfahrung, weshalb Heidi Klum heute Parasiten und Würmern lieber freiwillig und vorbeugend entgegenwirken will. Nun also mit Papayakernen und Nelken.
Papaya gegen Parasiten
In der Naturheilkunde gelten beide Pflanzen als natürliche Antiparasitika: Sie sollen Parasiten abtöten. Papayas, reich an Nährstoffen, enthalten im Samen, den Kernen, das Enzym Papain, dem eine verdauungsfördernde und antiparasitäre Wirkung zugeschrieben wird. Die Belege für eine antiparasitäre Wirkung beim Menschen sind sehr begrenzt und basieren größtenteils auf zwei kleinen, regionalen Studien, die sich mit einer speziellen Art von Darmwürmern befassten.3,4 Für relevante Aussagen – auch zur Wirkung auf andere Parasiten, zu denen Würmer zählen, sind größere klinische Studien erforderlich. Bei Nelken geht es um das ätherische Öl Eugenol. Zu Eugenol, also Nelkenöl, gibt es Tierstudien, die eine Wirksamkeit gegen Kryprosporidien gezeigt haben.5 Ausreichende wissenschaftliche Belege für eine gesundheitliche Wirkung beim Menschen sind das nicht.
Klum plant aber nicht nur, mit pflanzlichen Mitteln zu entwurmen, wo es vielleicht nichts zu entwurmen gibt. Sie setzt auch auf die Detox-Kombination mit einer sogenannten Entmetallisierung. Damit sollen Schwermetalle aus dem Körper ausgeleitet werden, die von den Parasiten laut Detox-Idee gespeichert werden. Klum: „Wir haben all dieses Metall in uns, und es ist sehr wichtig, dieses Entmetallisierungsmittel zu verwenden.“
Fazit: Besser auf echte Gesundheitsvorsorge setzen
Abgesehen davon, dass eine Entmetallisierung nur unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden sollte, wenn tatsächlich eine nachgewiesene Schwermetallvergiftung vorliegt (z. B. durch Blei, Quecksilber, Cadmium) – die Vorstellung, sich durch Kapseln, Kräuter und Kuren von parasitären, toxischen oder metallischen Belastungen zu befreien, ist nicht nur wissenschaftlich höchst fragwürdig. Sie verschiebt auch die Verantwortung für Wohlbefinden auf individuelle Rituale statt auf echte Gesundheitsvorsorge. (Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen ab 45 Jahren haben wir hier für Sie zusammengetragen.)
Ja: Parasiteninfektionen (Würmer gehören dazu) gibt es – aber sie sind selten, in der Regel klar symptomatisch und vor allem: medizinisch behandelbar. Die Vorstellung, man müsse sich regelmäßig von innerem Ballast befreien – ob in Form von Würmern, Giften oder Metallen – wirkt wie ein Selbstoptimierungsritual. Für die, die es anbieten, ist es mit Sicherheit ein dickes Geschäft. Wo echte Beschwerden bestehen, braucht es eine ärztliche Diagnose.