4. Mai 2026, 20:01 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Hantaviren sind weltweit verbreitet und können unterschiedlich schwere Krankheitsformen verursachen. In der Regel werden die Erreger durch Nagetiere wie Mäuse oder Ratten oder deren Ausscheidungen auf den Menschen übertragen. Das Tückische daran: Die Krankheit beginnt oft mit grippeähnlichen Symptomen und kann auch die Niere schädigen. Schwere Verläufe sind selten, aber möglich. Doch wie macht sich eine Infektion überhaupt bemerkbar?
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Mögliche Symptome einer Hantavirus-Infektion
Der Verlauf der Infektion ist abhängig vom Hantavirusstamm, mit dem man sich angesteckt hat. Hierzulande verläuft eine Infektion oft ohne Symptome. Infizierte können aber mitunter über grippeähnliche Beschwerden klagen. Die ersten Anzeichen treten nach zwei bis vier Wochen auf und sind zunächst unspezifisch. Mit der Zeit kann es jedoch zu Organversagen kommen. Typisch ist der Befall der Nieren.
Mögliche Symptome im Überblick:
- Fieber
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis zu akutem Nierenversagen
In anderen Regionen vorkommende Typen des Virus können schwerwiegendere Erkrankungen auslösen. Wie sich die Erkrankung im weiteren Verlauf entwickelt, kann dabei stark variieren.1
Krankheitsverlauf
Wie bereits erwähnt, verläuft die Mehrheit der Hantavirus-Infektionen unbemerkt. Zudem variiert die Inkubationszeit und befindet sich für gewöhnlich zwischen einer und fünf Wochen. Sollte es dazu kommen, dass Symptome auftreten, können sie je nach Virustyp unterschiedlich stark ausgeprägt sein – von milden Beschwerden bis zu schweren fieberhaften Erkrankungen mit ausgeprägter Blutungsneigung.
Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass sie plötzlich mit hohem Fieber beginnt, das drei bis vier Tage anhalten kann. Zusätzlich können unspezifische, grippeähnliche Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen auftreten. Besonders gefährlich: Hantavirus-Typen, die in Europa und Asien verbreitet sind, können ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) auslösen, das zu Nierenfunktionsstörungen und im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen führen kann.
Um diese teils schweren Verläufe besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick darauf, was hinter dem Erreger steckt.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren gehören zur Familie Hantaviridae. Jedes dieser Viren ist in der Regel mit einer bestimmten Nagetierart verbunden, die als „Wirt“ dient. Zu den bekanntesten Virustypen zählen Puumalavirus, Hantaanvirus, Dobrava-Belgrad-Virus, Sin-Nombre-Virus, Seoulvirus und Andesvirus. Obwohl Hantaviren weltweit verbreitet sind, können ihre Auswirkungen je nach Virustyp und Region erheblich variieren. In Deutschland werden Infektionen vor allem durch die Rötelmaus und die Brandmaus übertragen, während in anderen Teilen der Welt andere Nagetiere als Wirte dienen.2
Dabei verharren die Viren in diesen Tieren, ohne ihnen selbst zu schaden, und werden über Urin, Kot und Speichel ausgeschieden. Problematisch ist, dass die Viren – abhängig von Umgebungsfaktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Sonneneinstrahlung – in den Ausscheidungen bis zu sechs Wochen überleben können.
Eine Infektion ist durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub möglich – oder wenn dieser in Hautwunden gelangt. Zudem ist eine Übertragung durch Bisse oder verunreinigte Lebensmittel möglich.
Entdeckung der Hantaviren
Eine Infektion mit Hantaviren wurde erstmals während des Koreakriegs in den frühen 1950er-Jahren dokumentiert. Damals infizierten sich Tausende amerikanische Soldaten nahe dem Grenzfluss Hantaan, nach dem das Virus später benannt wurde. Eindeutig identifiziert werden konnte es jedoch erst 1977.
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Es gibt unterschiedliche Hantaviren
Weltweit gibt es verschiedene Typen von Hantaviren. Zwar gelten die in Mitteleuropa vorkommenden als vergleichsweise weniger gefährlich, trotzdem können sie einen lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf annehmen. Doch egal, um welche Art es sich genau handelt, sind immer Mäuse und Ratten die Überträger, die dem Virus als Wirt dienen.
Puumalavirus
Ungefähr 90 Prozent der Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland werden durch Puumalaviren verursacht. Diese Viren kommen hauptsächlich im Westen, Nordwesten und Süden Deutschlands vor – wobei das Hauptwirtstier und Überträger die Rötelmaus ist.
Dobrava-Belgrad-Virus
Diese Viren treten besonders im Norden und Osten Deutschlands auf. Die Brandmaus, die in diesen Regionen heimisch ist, dient als Wirtstier und Überträger des Virus.
Seoulvirus
Seoulviren kommen sowohl in Zucht- als auch in Wildratten vor. Auch in Deutschland wurden bereits Ansteckungen mit diesem Virus verzeichnet, wobei diese eher im Umfeld von Rattenhaltern oder -züchtern auftreten.
Tulavirus
Fledermäuse gelten als Überträger der Tulaviren. Im Jahr 2019 wurde die erste gesicherte Infektion in Deutschland nachgewiesen. Da jedoch keine regulären Untersuchungen auf Tulaviren durchgeführt werden, geht man davon aus, dass die Zahl der tatsächlichen Infektionen deutlich höher liegt.
Andesvirus
Das Andesvirus, das erst 1998 in Südamerika entdeckt wurde, gilt als das für den Menschen gefährlichste Hantavirus. Es weist eine hohe Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent auf. Sein Hauptwirt ist die Zwergreisratte, die – wie alle natürlichen Hantavirus-Wirte – das Virus dauerhaft in sich tragen kann, ohne selbst zu erkranken.3
Sin-Nombre-Virus
Das Sin-Nombre-Virus gilt als der Hauptverursacher des kardiopulmonalen Hantavirus-Syndroms – dazu später mehr. Sein natürlicher Wirt ist die Hirschmaus.4
Wie schnell kann eine Hantavirus-Infektion tödlich enden?
Tatsächlich hängt die Geschwindigkeit, mit der eine Hantavirus-Infektion lebensgefährlich werden kann, sehr vom individuellen Gesundheitszustand der Person und dem Virustyp ab. Bei dem zuvor angesprochenen „hantavirusbedingten kardiopulmonalen Syndrom“, handelt es sich um eine besonders gefährliche Version.
Zwischen 1993 und 2022 wurden in den USA insgesamt 834 Fälle des Hantavirus-Lungensyndroms erfasst, wobei die westlichen Bundesstaaten besonders betroffen waren, wie die CDC berichtet.
New Mexico weist die höchste Fallzahl aller Bundesstaaten auf, wobei etwa 41 Prozent der Erkrankten an den Folgen der Infektion verstarben. Das am weitesten verbreitete Hantavirus im Südwesten der USA ist das Sin-Nombre-Virus. Nach einer Ansteckung können bis zu zwei Monate vergehen, bevor sich erste Symptome bemerkbar machen. Diese äußern sich zunächst in Form von Müdigkeit, Fieber und Muskelschmerzen, bevor sie sich innerhalb weniger Tage zu Husten und Atemnot verschlimmern. Zudem können Kopfschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost sowie Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Da das Hantavirus-Lungensyndrom die Lunge schwer beeinträchtigen kann, benötigen manche Patienten eine künstliche Beatmung. Laut CDC verläuft die Erkrankung bei mehr als einem Drittel der Betroffenen mit Atemproblemen tödlich.5
Häufigkeit in Deutschland
Hantavirus-Erkrankungen sind in Deutschland regional unterschiedlich verbreitet. Infektionen, die durch die Rötelmaus übertragen werden, treten vor allem in Nordwest-, West- und Süddeutschland auf. Besonders betroffen sind die Schwäbische Alb, Oberschwaben, das Münsterland, der Teutoburger Wald, Unterfranken, der Odenwald, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und Westthüringen. Neben diesen ländlichen Gebieten gibt es auch einzelne städtische Regionen mit vermehrten Infektionen. Hingegen sind Infektionen, die von der Brandmaus übertragen werden, primär in Nord-, Nordost- und Ostdeutschland verbreitet.
Im Jahr 2022 wurden in den EU-Mitgliedstaaten insgesamt 2165 Infektionen mit dem Hantavirus registriert, davon 143 in Deutschland. Die Fallzahlen schwanken jedoch stark von Jahr zu Jahr und hängen unter anderem von der Größe der Nagetierpopulationen und der Anzahl der infizierten Tiere ab. So wurden in Deutschland in den Folgejahren wieder deutlich mehr Fälle gemeldet.6
Auch wenn Hantavirus-Infektionen grundsätzlich zu jeder Jahreszeit auftreten können, werden die meisten Fälle im Frühjahr und Sommer registriert, insbesondere zwischen April und September.
Besonders gefährdet sind
Besonders gefährdet, sich mit Hantaviren zu infizieren, sind Menschen, die in den Risikogebieten folgenden Tätigkeiten nachgehen:
- Der Aufenthalt in oder das Reinigen von Schuppen, Ställen oder Häusern, in denen Nagetiere leben oder gelebt haben – insbesondere, wenn dabei Staub aufgewirbelt wird – erhöht das Infektionsrisiko.
- Outdoor-Aktivitäten wie Gartenarbeit, Jagen, Joggen oder Zelten können das Infektionsrisiko erhöhen, wenn dabei ein Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen erfolgt.
- Tätigkeiten in der Forstwirtschaft oder im Bauwesen können das Risiko einer Infektion erhöhen, gerade in Regionen mit einer hohen Nagetierpopulation.7
Wie wird eine Hantavirus-Infektion diagnostiziert?
Liegt ein Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion vor, wird eine Blutprobe entnommen. Im Labor wird geprüft, ob Antikörper gegen das Virus gebildet wurden – ein Nachweis, der frühestens zwei bis drei Wochen nach der Infektion möglich ist. Das Virus selbst kann hingegen nur für kurze Zeit in der frühen Krankheitsphase im Blut festgestellt werden.
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Fälle auf einem Kreuzfahrtschiff
Auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ kam es Ende April und Anfang Mai 2026 zu mehreren Todesfällen. Insgesamt gab es drei Todesopfer: Ende April starb ein Ehepaar aus den Niederlanden, Anfang Mai ein weiterer Passagier aus Deutschland. Ob das Hantavirus die Todesursache der drei Personen ist, wurde bislang nicht bestätigt. Ein britischer Passagier wurde auf die Intensivstation in Johannesburg gebracht. Bei ihm wurde das Hantavirus nachgewiesen.
Aktuell gibt es weitere Krankheitsfälle an Bord: Zwei Besatzungsmitglieder weisen für das Hantavirus typische Atemwegsbeschwerden auf und benötigen medizinische Versorgung.8
Insgesamt befinden sich rund 149 Personen auf dem Kreuzfahrtschiff. Der Inselstaat Kap Verde verweigert dem Schiff das Anlegen. Die Lage sei jedoch unter Kontrolle, berichten die Gesundheitsbehörden.
Prominenter Einzelfall
Betsy Arakawa, die Ehefrau von Gene Hackman, wurde am 26. Februar 2025 tot in ihrem Haus aufgefunden. Es wird angenommen, dass sie bereits Tage zuvor an den Folgen des Hantavirus verstorben ist.
Nach bisherigen Erkenntnissen verstarb sie vermutlich einige Tage vor ihrem Ehemann. Die Infektion führte wahrscheinlich zu einer schweren Form der Erkrankung, bei der vor allem die Lunge betroffen ist und es zu Atemproblemen kommen kann.9
Berichten zufolge litt sie zuvor unter grippeähnlichen Symptomen, bevor sich ihr Zustand verschlechterte.
Noch keine Impfung gegen das Hantavirus
Problematisch ist, dass es derzeit keine zugelassene Impfung gegen Hantaviren gibt. Die Krankheit lässt sich nur symptomatisch behandeln. In fortgeschrittenen und schweren Fällen muss unter Umständen die Nieren- und/oder Lungenfunktion unterstützt werden. Eine vorbeugende Impfung gibt es nicht. Laut RKI führe eine überstandene Infektion wahrscheinlich zu einer lebenslangen, Virustyp-spezifischen Immunität.
Die effektivste Präventionsmaßnahme ist es, den Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden. In bewohnten oder genutzten Bereichen wie Kellern, Dachböden oder Schuppen sollten Mäuse und Ratten konsequent bekämpft und strikte Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Auch beim Umgang mit toten Nagetieren oder dem Aufenthalt in von Mäusen verunreinigten Räumen sollten Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Handschuhen oder, bei erwarteter Staubentwicklung, von Atemschutzmasken ergriffen werden.
*Mit Material von dpa