18. August 2026, 20:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Flip-Flops sind leicht, luftig und unkompliziert. Weil sie aber an der Ferse nicht eingebunden sind, müssen sich die Zehen bei jedem Schritt einkrallen, um den Schuh zu führen. Auf Dauer könnte das zu orthopädischen Problemen führen.
Biomechanik des Gehens in Flip-Flops
FITBOOK sprach mit Dr. med. Mathias Schettle, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, über die biomechanischen Folgen für unsere Füße und warum die beliebten Schlappen das Risiko für dauerhafte Fehlstellungen wie Krallenzehen erhöhen können. „Das Problem ist, dass wir mit Flip-Flops eine Form von Schuh haben, die das Abrollverhalten beeinträchtigt“, erklärt der Mediziner. Denn: Damit dieser Schuh auch am Fuß bleibt, müssen sich die Zehen „ein bisschen einkrallen“. Das führe zu einer unnatürlichen muskulären Anspannung.
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Reizzustände und Verkürzungen, schlimmstenfalls Krallenzehe
Werden Flip-Flops über einen langen Zeitraum getragen, bleibe diese Anspannung nicht ohne Folgen. Durch die dauerhafte Fehlbelastung können die Beugesehnen der Zehen ihre natürliche Flexibilität und Länge verlieren, was schließlich die Zehen in die typische „Krallenposition“ zwingt. Dies kann zu Reizungen führen und dazu, dass sich die Sehnen entzünden, „was auch schmerzhaft sein kann“.
Im ungünstigsten Fall führe die Kombination aus diesen Reizzuständen und der Verkürzung der Sehnen dazu, dass sich die Fehlstellung der Krallenzehen bilde, erklärt Schettle. Eine Krallenzehe ist eine – an sich meist nicht schmerzhafte – Fehlstellung der kleinen Zehen, eines einzelnen oder mehrerer. Der betroffene Zeh bzw. die Zehen lassen sich nicht mehr strecken.
Der Orthopäde beschreibt das jedoch als einen „relativ langsamen Prozess“. Aber: Ist dieser Prozess erst einmal fortgeschritten, ist die Fehlstellung der Zehen oft dauerhaft. Während im frühen Stadium noch Fußgymnastik und Dehnübungen helfen können, bleibe im fortgeschrittenen Stadium oft nur die operative Korrektur durch die Fußchirurgie, so Schettle. Die Operation einer Krallenzehe werde oft im Zusammenhang mit einem Hallux valgus oder wegen schmerzhafter Hühneraugen durchgeführt.
Aber: Schettle betont, dass die Gefahr eines Krallenzehs aufgrund von Flip-Flops in unseren Breitengraden eher gering sei. „Unser wechselhaftes Wetter verhindert im Grunde eine Tragedauer, die für echte Schäden ausreicht“, erklärt er.
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Risikofaktor Knick-Senk-Spreizfuß
Besonders gefährdet für eine oder mehrere Krallenzehe(n) seien Personen, die bereits unter einem Knick-Senk-Spreizfuß leiden. Beim Spreizfuß ist das Quergewölbe des Fußes nicht mehr ausreichend ausgebildet. „Dadurch versuchen die Zehen sozusagen eine Art von Gewölbe herzustellen“, erklärt Dr. Schettle. Dies könne in Richtung Krallenzehe gehen. Wird dieser instabile Fuß nun zusätzlich durch das Tragen von Flip-Flops belastet, verstärkt sich der negative Effekt massiv.
Muss man also gänzlich auf Flip-Flops verzichten? Dr. Schettle sieht das differenziert. Er ist „persönlich kein Gegner von Flip-Flops per se“, empfiehlt aber eine Nutzung „in Maßen“. Das heißt konkret: Eine Woche im Sommer am Stück Flip-Flops zu tragen, sei „überhaupt kein Thema“. Problematisch werde es erst, wenn man sie mehrere Monate am Stück trage.
Eine deutliche Entlastung bieten Modelle mit einem Fersenriemen. „Wenn die Ferse eingebunden ist, habe ich keine Vorfuß- alleinige Belastung der Zehen vorne“, erklärt Schettle. Für Kinder sei Barfußlaufen am sinnvollsten, um die Fußmuskulatur aufzubauen. Sofern keine Fehlstellung vorliegt, ist gegen gelegentliches Flip-Flop-Tragen nichts einzuwenden.
Fazit
Wer gesunde Füße hat, darf den sommerlichen Komfort genießen – solange es bei einer temporären Nutzung bleibt. Wer jedoch bereits Probleme mit der Fußstatik hat, sollte für längere Wege auf Schuhwerk mit festem Fersenhalt setzen, um die Sehnen zu schonen und Krallenzehen vorzubeugen.