31. Oktober 2026, 17:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Mit nassen Haaren aus dem Haus? Im Winter ohne dicke Socken unterwegs? Oder im Büro direkt in der Zugluft sitzen? Für viele steht fest: Wer das macht, wird krank. Es ranken sich um das Thema Erkältung einige hartnäckige Mythen. Ganz so einfach ist es nämlich nicht. Eine Erkältung bekommt man nicht von Kälte allein. Trotzdem können niedrige Temperaturen eine Infektion indirekt begünstigen. FITBOOK erklärt, was hinter den bekanntesten Erkältungsmythen steckt.
Mythos 1: Nasse Haare machen krank
Wer an kalten Tagen mit nassen Haaren vor die Tür geht, bekommt nicht automatisch eine Erkältung. Denn dafür braucht es zunächst einen Krankheitserreger, in der Regel Viren. „Von Kälte allein bekommt man keine Erkältung, denn für einen Infekt müssen wir uns mit Viren anstecken“, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Hans-Michael Mühlenfeld auf Nachfrage. Allerdings könne Kälte dazu beitragen, eine Virusinfektion wahrscheinlicher zu machen. Nasse Haare sind deshalb nicht vollkommen irrelevant. Gerade bei niedrigen Außentemperaturen können sie dazu beitragen, dass der Körper schneller auskühlt. Ist man bereits mit Erkältungsviren in Kontakt gekommen, könnte das ungünstig sein.
Mythos 2: Kalte Füße führen zur Erkältung
Auch kalte Füße allein machen nicht krank. Allerdings reagiert der Körper darauf, wenn wir frieren. Mühlenfeld zufolge versucht er dann, seine Temperatur zu regulieren. Während vor allem das Körperinnere mit seinen lebenswichtigen Organen warm gehalten werden soll, verändern sich die Durchblutungsverhältnisse in weiter außen gelegenen Bereichen wie Haut und Schleimhäuten.
Das kann für die Abwehr von Krankheitserregern eine Rolle spielen. Wer dann mit Viren in Kontakt kommt, könnte dadurch anfälliger für einen Infekt werden. Warme Socken sind also durchaus sinnvoll, nur schützen sie nicht automatisch vor einer Erkältung.
Mythos 3: Zugluft macht krank
Auch dieser Mythos hat einen wahren Kern, wird aber häufig falsch verstanden. Ein Luftzug überträgt keine Erkältung. Dafür braucht es Viren. Kalte Luft kann die Atemwege jedoch reizen und somit anfälliger für Erreger machen. Bekommt man nach einer längeren Zeit im Durchzug Schnupfen oder Halsschmerzen, heißt das aber deshalb noch lange nicht, dass die Zugluft die Ursache war. Die Ansteckung kann bereits vorher erfolgt sein.
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Mythos 4: Im Winter erkälten wir uns wegen der Kälte häufiger
Auch hier spielt Kälte eine Rolle, aber nicht allein.
Im Herbst und Winter verbringen Menschen mehr Zeit gemeinsam in geschlossenen Räumen. Erkältungsviren können sich dadurch leichter von Mensch zu Mensch verbreiten. Gleichzeitig können niedrige Temperaturen und trockene Luft die Schutzfunktion der Schleimhäute in Nase und Atemwegen beeinträchtigen.
Entscheidend ist laut Mühlenfeld außerdem, wie vielen Viren der Körper ausgesetzt ist und wie gut seine Abwehr funktioniert: „Wer ein schwaches Immunsystem hat, ist natürlich anfälliger für Erkältungskrankheiten.“ Gerade bei Kindern könne es zudem zu regelrechten Infektketten kommen. Ein Infekt folgt dann auf den nächsten.
Mythos 5: Wer ein gutes Immunsystem hat, erkältet sich nicht
Ein gut funktionierendes Immunsystem bietet dagegen keinen vollständigen Schutz vor Erkältungsviren. Es kann dem Körper aber dabei helfen, Krankheitserreger abzuwehren.
Um die körpereigene Abwehr zu unterstützen, empfiehlt Mühlenfeld regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft, eine vitaminreiche Ernährung und ausreichend Schlaf. Auf Zigaretten sollte möglichst verzichtet werden. Außerdem kann es sinnvoll sein, mit dem Hausarzt über die Grippeschutzimpfung zu sprechen.
Wichtig dabei: Die Grippeimpfung richtet sich gegen Influenza und verhindert keine gewöhnliche Erkältung.