13. August 2025, 21:00 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bestimmte Duftstoffe können negative Folgen für die Gesundheit haben. Denn manche wirken sich auf den weiblichen Hormonhaushalt aus und können zu Unfruchtbarkeit oder zu früher Pubertät führen. Mit Unterstützung von Frauenärztin und Autorin Dr. med. Judith Bildau zeigt FITBOOK, welche chemischen Stoffe hormonkritisch sind.
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Unsichtbare Risiken hinter angenehmen Gerüchen
Synthetische Duftstoffe – also künstlich hergestellte Geruchsstoffe – verbessern den Geruch von Produkten wie Cremes, Shampoos, Sonnenmilch oder Reinigungsmitteln. Sie sind in so vielen Produkten enthalten, da Menschen auf Düfte reagieren. Angenehme Gerüche können die Laune heben, das Lieblingsparfüm das Selbstbewusstsein ankurbeln oder die Düfte wecken bestimmte Erinnerungen, die tief im Gedächtnis verankert sind.
Auf der Rückseite des Produkts, unter der Zutatenliste, erscheinen sie meist unter dem Sammelbegriff „Parfum“ (in der EU) oder „Fragrance“ (in den USA).1 Die Begriffe lassen den Anschein erwecken, dass es sich lediglich um eine einzige Zutat handelt, tatsächlich steckt dahinter ein Mix aus verschiedenen Chemikalien. Die genaue Zusammensetzung des Mixes müssen die Hersteller vornehmlich nicht verraten.2
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Einige der Duftstoffbestandteile stehen im Verdacht, als sogenannte endokrine Disruptoren zu wirken, also als Eingriff in den Hormonhaushalt.3 Besonders im Fokus stehen dabei Phthalate, sogenannte Weichmacher, die auch in Kunststoffen vorkommen und mit Fruchtbarkeits- und Entwicklungsstörungen in Verdacht gebracht werden.4 Zudem können Duftstoffe Allergien und Reizungen auslösen. Typische Beschwerden sind Hautrötungen, Juckreiz, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden.5 Insbesondere für Menschen mit Asthma kann bereits eine geringe Konzentration in der Luft Symptome verstärken.6 Zwischen 1,7 und 4 Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf gängige Duftstoffmischungen.
Obacht bei Phthalaten
Ein Beispiel für giftige Chemikalien sind Phthalate, die in einigen Parfums enthalten, aber meist nicht auf der Inhaltsstoffliste erkennbar sind. „Bei Phthalaten handelt es sich um sogenannte Weichmacher, die Duftstoffe stabilisieren und Produkte länger haltbar machen“, erklärt Dr. Bildau. „Es gibt verschiedene Inhaltsstoffe in Kosmetika und Parfüms, die einen negativen Einfluss auf den weiblichen Hormonhaushalt haben können. Wir nennen sie endokrine Disruptoren. Auf der INCI-Liste sind einige von ihnen gelistet, die Frauen vermeiden sollten, wenn sie ihren Hormonhaushalt nicht stören möchten“, führt die Frauenärztin weiter aus. Phthalate gehören dazu und sind auf der INCI-Liste aufgeführt (einheitliche Zutatenliste auf Kosmetikprodukten).
„Auch Parabene sollten vermieden werden. Hierbei handelt es sich um Konservierungsstoffe, die das Keimwachstum in vielen Produkten hemmen“, erklärt Dr. Bildau. Einige Parabene wie Propyl- und Butylparaben wirken östrogen ähnlich und können hormonelle Prozesse im Körper beeinflussen. Sie werden zwar rasch über den Urin ausgeschieden, zeigen dennoch sind sie regelmäßig in Blut und Urin nachweisbar und somit ein Hinweis auf eine ständige Aufnahme durch wiederholte Anwendung.7, 8
Täglicher Gebrauch
Kritisch ist hauptsächlich der tägliche Gebrauch von mehreren Produkten, die Parabene enthalten und so über die Haut in den Körper gelangen. Auch wenn die EU strenge Höchstgrenzen für Einzel- und Gesamtparabenanteile vorsieht, berücksichtigen diese nicht die kombinierte Nutzung verschiedener Produkte im Alltag. Denn dann sind schnell die Grenzwerte der EU-Kosmetikverordnung überschritten. Zudem kommen noch mögliche Giftstoffe aus der Umwelt hinzu. Denn endokrine Disruptoren finden sich auch in Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden wieder. Achten Sie also zumindest beim Kauf von Kosmetika und Pflegeprodukten auf Kennzeichnungen mit der Endung „-paraben“ und lassen Sie diese Produkte lieber im Regal.
„Auch Benzophenone sind endokrine Disruptoren“, listet Dr. Bildau einen weiteren bedenklichen Stoff aus der Gruppe der Ketone und Aromaten auf, der sich ebenfalls im Parfum befinden kann. „Die chemischen UV-Filter schützen Produkte vor Sonneneinwirkung, können aber auch den Hormonhaushalt beeinflussen“, so die Gynäkologin.
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Folgen für den (weiblichen) Hormonhaushalt
Endokrine Disruptoren können den Hormonhaushalt von Menschen durcheinander bringen – egal welches Geschlechts. Bei Frauen können diese Chemikalien den natürlichen Zyklus stören, „also zum Beispiel dafür sorgen, dass es zu Zwischenblutungen kommt oder sich die Zykluslänge verändert. Letztlich kann das natürlich auch die Erfüllung des Kinderwunsches schwieriger gestalten. Es wird zudem diskutiert, ob diese Disruptoren dafür verantwortlich sind, dass Mädchen immer früher in die Pubertät kommen. Ein Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für eine Brustkrebserkrankung wird ebenfalls vermutet“, zählt Dr. Bildau die negativen Folgen von Duftstoffen auf. Auch bei Männern können die Disruptoren zu einer verminderten Fortpflanzungsfähigkeit führen oder Prostatakrebs begünstigen.
Vor allem Kinder und Jugendliche reagieren sensibel auf endokrine Disruptoren, da ihr Hormonsystem und bestimmte Entgiftungsmechanismen in Leber und Nieren noch in der Entwicklung sind. Bei Ihnen bleiben bestimmte chemische Substanzen länger im Körper als bei Erwachsenen. Viele dieser Mechanismen sind im Grundschulalter weitgehend ausgereift, einige Prozesse stabilisieren sich jedoch erst im späteren Kindes- oder Jugendalter.
Alternativen zu Duftstoffen
Vermeiden Sie Produkte mit synthetischen Duftstoffen. Gesünder sind natürliche Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau. Alternativen zu synthetischen Duftstoffen in Kosmetikartikeln liefert zertifizierte Naturkosmetik. Bio-Produkte mit anerkannten Siegeln wie NATRUE, Ecocert, Demeter und BDIH (BDIH = Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzung und Körperpflege) verzichten auf synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe.
„Tatsächlich sind hier natürliche Düfte ohne diese Inhaltsstoffe eine gesündere Alternative“, meint auch Dr. Bildau. Vorsicht gilt hier nur für Menschen, die zu Überempfindlichkeit neigen. Denn auch natürliche Duftstoffe wie Geraniol, Linalool und Limonene können Allergien auslösen oder verschlimmern. Eine sichere Möglichkeit und Orientierung bieten dann Produkte mit dem DAAB-Siegel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund.
Vermeiden Sie zudem herkömmliche Raumdüfte als auch Duftkerzen, denn „auch diese Produkte können endokrine Disruptoren enthalten“, warnt Dr. Bildau. Auch feste Parfüms sind leider keine sinnvolle Alternative zu Sprays, denn auch hier kommt es auf die genaue Zusammensetzung der Inhaltsstoffe an. Sobald „Parfum“/„Perfume“, „Aroma“ oder „Fragrance“ als Bestandteil auf dem Produkt gelistet ist, können sich dahinter endokrine Disruptoren verbergen.