27. Oktober 2026, 20:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Corona-Zahlen steigen wieder, neue Virusvarianten zirkulieren. Doch wie groß ist die Gefahr im Herbst 2026? Wer sollte sich impfen lassen, welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll – und was ist aus den bekannten Corona-Experten geworden? FITBOOK beantwortet die wichtigsten Fragen.
Die Pandemie liegt Jahre zurück, das Coronavirus ist aber nicht verschwunden. Gerade im Herbst und Winter kann die Zahl der Infektionen wieder zunehmen. Aktuell wird tatsächlich ein Anstieg der Fälle verzeichnet, dennoch bewertet das Robert Koch-Institut (RKI) die Virusaktivität in Deutschland weiterhin als niedrig. Trotzdem lohnt es sich, die wichtigsten Empfehlungen zu kennen – insbesondere für ältere Menschen und Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Steigen die Corona-Zahlen im Herbst wieder?
Ja, die gemeldeten Infektionen sind zuletzt leicht gestiegen. In der Woche vom 12. bis 18. Oktober 2026 wurden bundesweit 888 Corona-Fälle registriert – rund fünf Prozent mehr als in der Vorwoche. Von einer großen Infektionswelle kann laut RKI derzeit allerdings keine Rede sein: Die Virusaktivität liegt weiterhin auf niedrigem Niveau.1
Wie anders die Lage während der Pandemie war, zeigt ein Blick zurück: Im Oktober 2020 registrierte das RKI innerhalb einer Woche 35.698 neue Corona-Fälle. Ein direkter Vergleich ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Heute wird deutlich weniger getestet, sodass viele Infektionen nicht offiziell erfasst werden.
Dass Corona im Herbst und Winter häufiger auftritt, hängt unter anderem damit zusammen, dass Menschen mehr Zeit in Innenräumen verbringen und seltener lüften. Dadurch können sich Viren leichter verbreiten. Anders als bei der Grippe folgt SARS-CoV-2 bislang allerdings keinem festen Jahresrhythmus. Auch im Sommer sind neue Infektionswellen möglich.
Sollte ich mich jetzt gegen Corona impfen lassen?
Das hängt vor allem vom Alter, dem Gesundheitszustand und dem persönlichen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ab. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen 2026 angepasst. Für gesunde Erwachsene wird eine jährliche Standard-Auffrischimpfung ab 75 Jahren empfohlen. Für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen, Immunschwäche oder anderen erhöhten Risiken gelten gesonderte Empfehlungen. Auch für bestimmte Beschäftigte im Gesundheitswesen und enge Kontaktpersonen besonders gefährdeter Menschen kann eine Impfung infrage kommen.
Die Impfung soll möglichst im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen. Wer unsicher ist, ob eine Auffrischung sinnvoll ist, sollte sich ärztlich beraten lassen. Die aktuellen Empfehlungen finden sich auf der RKI-Seite zur COVID-19-Impfung.2
Gibt es neue Corona-Varianten?
Ja. Das Coronavirus verändert sich fortlaufend, sodass immer wieder neue Varianten und Unterlinien entstehen. Im Herbst 2026 wurde unter anderem die rekombinante Variante XFG unter den untersuchten Viruslinien nachgewiesen. Auch andere Varianten zirkulieren.
Eine neue Variante ist allerdings nicht automatisch gefährlicher als ihre Vorgänger. Entscheidend ist unter anderem, wie gut sie sich verbreitet, ob sie die Immunabwehr teilweise umgehen kann und ob sie häufiger zu schweren Erkrankungen führt. Das RKI und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachten die Entwicklung laufend.
Gibt es genügend Corona-Impfstoff?
Die COVID-19-Impfung gehört inzwischen zur regulären medizinischen Versorgung. Für die Saison 2026/2027 ist nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer für Menschen ab zwölf Jahren vorgesehen. Er ist an eine Virusvariante angepasst.3
Arztpraxen bestellen den Impfstoff über ihre Apotheken. Ob kurzfristig ein Impftermin möglich ist, hängt von der jeweiligen Praxis und der Verfügbarkeit vor Ort ab. Wer sich impfen lassen möchte, kann sich deshalb direkt an die Hausarztpraxis wenden.
Sind Masken und Abstand noch sinnvoll?
Eine allgemeine Pflicht zum Maskentragen oder Abstandhalten gibt es nicht mehr. Trotzdem können solche Maßnahmen weiterhin sinnvoll sein, um sich selbst und andere zu schützen.
Wer Symptome einer Atemwegsinfektion hat, sollte nach Möglichkeit zu Hause bleiben und Kontakte reduzieren – insbesondere zu älteren oder vorerkrankten Menschen. Lässt sich ein Kontakt nicht vermeiden, kann eine gut sitzende Maske das Ansteckungsrisiko senken. Auch regelmäßiges Lüften und gründliches Händewaschen sind weiterhin empfehlenswert.
Eine feste Abstandsregel von einer Armlänge gilt heute nicht als allgemeine Vorgabe. Entscheidend ist vielmehr, die Situation und das individuelle Risiko zu berücksichtigen.
Sollte man sich jetzt schon die Corona-Booster-Impfung holen?
Wie lange sind Corona-Genesene wirklich geschützt?
Brauche ich die Corona-Warn-App noch?
Die Corona-Warn-App wurde am 1. Juni 2023 in den Ruhemodus versetzt und ist nicht mehr regulär in den App-Stores erhältlich. Wer sie noch auf dem Smartphone installiert hat, kann gespeicherte Impfzertifikate weiterhin aufrufen. Die App muss daher nicht automatisch gelöscht werden.
Für die aktive Kontaktnachverfolgung wird sie allerdings nicht mehr genutzt. Wer einen digitalen Impfnachweis benötigt, sollte prüfen, ob dieser noch in der App gespeichert ist, und ihn bei Bedarf anderweitig sichern. Weitere Informationen bietet die Bundesregierung.
Was machen die Corona-Experten von damals heute?
Der frühere Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, wechselte 2023 ans Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Dort arbeitet er als Professor für Digital Global Public Health. Zu seinen Themen gehören digitale Gesundheit und die Frage, wie Gesundheitsdaten besser genutzt werden können.
Der Virologe Christian Drosten ist weiterhin Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Sein gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalistin Korinna Hennig moderierter NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ wurde Ende 2022 beendet. Während der Pandemie hatte das Format wissenschaftliche Erkenntnisse zum Coronavirus eingeordnet und einem breiten Publikum erklärt.