2. April 2026, 22:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein kurzes Nickerchen, etwas frische Luft, ein Schmerzmittel – für die meisten sind Kopfschmerzen eine zwar lästige, aber gut zu bewältigende Angelegenheit. Nicht so für Menschen, die unter Clusterkopfschmerzen leiden. Wie diese sich genau bemerkbar machen, was sie auslöst und was gegen sie hilft, erfahren Sie bei FITBOOK. Außerdem: Wie sich Clusterkopfschmerzen von Migräne unterscheiden.
Sie kommen plötzlich und werden zumeist als anfallartige, bohrende Kopfschmerzen im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfe beschrieben. Typisch für Clusterkopfschmerzen ist auch, dass sie in der Regel nachts sowie phasenweise auftreten. Das heißt, auf unterschiedlich lange schmerzfreie Phasen folgen Kopfschmerzepisoden, in denen die Beschwerden gehäuft vorkommen.1 Auf dieses Charakteristikum der Kopfschmerzen bezieht sich auch der aus dem Englischen stammende Begriff „cluster“, was auf Deutsch so viel wie Gruppe oder Häufung bedeutet.
Typische Symptome bei Clusterkopfschmerzen
Vorrangig sind extreme, einseitige Kopfschmerzen typisch für Clusterkopfschmerzen. Diese werden häufig als bohrend, stechend oder brennend beschrieben. Die Kopfschmerzattacken halten in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten an. Sie können gehäuft über mehrere Tage oder Wochen auftreten. Manche Menschen leiden in diesen Phasen mehrmals täglich unter den extremen Schmerzattacken. Weiterhin können mit Clusterkopfschmerzen folgende Beschwerden einhergehen:2
- tränendes und rotes Auge auf der betroffenen Seite
- laufende Nase
- herabhängendes Lid
- verkleinerte Pupille
- starke Unruhe verbunden mit Bewegungsdrang
- schwitzige und gerötete Gesichtshälfte
- Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und Licht
Wer ist betroffen?
Clusterkopfschmerz zählt generell zu den seltenen Erkrankungen. Nur etwa eine von 1000 Personen erkrankt daran.3 Dennoch kann sie jeden Menschen treffen. Männer sind dreimal stärker betroffen als Frauen. Gefährdet sind speziell Männer zwischen 30 und 40 Jahren. Die Erkrankung kann aber in jedem Alter auftreten.4
Unterschied zu Migräne
Die Migräne unterscheidet sich in einigen Punkten von den Clusterkopfschmerzen. Zwar können sie ebenfalls halbseitig auftreten, häufig berichten Patienten aber von Schmerzen im vorderen Kopfbereich. In der Intensität sind sie mittelstark bis stark, pulsierend, hämmernd oder pochend. Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die Länge einer Schmerzattacke. Während Clusterkopfschmerzen in der Regel nach 30 Minuten nachlassen, dauern Migräneanfälle meistens mindestens vier Stunden an und können sogar bis zu drei Tage andauern.5
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache für Clusterkopfschmerzen ist bislang nicht geklärt. Eine Vermutung ist, dass bestimmte Nervenzellen im Gehirn, die unter anderem für die Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich sind, „überaktiv“ sind. Das würde auch erklären, warum die Attacken meistens in der Nacht auftreten. Auch Vererbung könnte eine Rolle spielen. So kommt es vor, dass Clusterkopfschmerzen mehrere Mitglieder einer Familie betreffen.
Besser verstanden sind sogenannte Trigger, also Auslöser, der Clusterkopfschmerzen. Dazu zählen:
- Alkohol
- Nikotin
- Aufenthalt in großen Höhen
- bestimmte Gerüche
- blendendes oder flackerndes Licht
- Medikamente, die Nitroglyzerin enthalten, und zum Beispiel zur Linderung von Brustenge bei koronarer Herzkrankheit verwendet werden
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Clusterkopfschmerzen vorbeugen
Da die genauen Ursachen nicht bekannt sind, gibt es auch keine eindeutigen Empfehlungen, die nachweislich helfen würden, dem möglichen ersten Auftreten von Clusterkopfschmerzen vorzubeugen. Vielmehr geht es für Betroffene darum, die individuellen Auslöser zu identifizieren und möglichst zu vermeiden oder zu reduzieren. Um diese Trigger sowie Muster der Schmerzepisoden zu erkennen, kann es helfen, ein Schmerztagebuch zu führen.
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Behandlungsmöglichkeiten
Ist ärztlich geklärt, dass es sich bei den Schmerzattacken um Clusterkopfschmerzen handelt, gilt es vor allem, die akuten Schmerzen zu behandeln. Dies kann zum einen über Medikamente geschehen. Hilfreich sind Schmerzmittel, die sich auch bei Migräne bewährt haben: sogenannte Triptane. Diese kommen etwa in Form von Nasenspray zum Einsatz. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sie mit einem Pen unter die Haut zu spritzen. In diesem Fall handelt es sich üblicherweise um den Wirkstoff Sumatriptan. Erfolgreich ist bei vielen Patienten auch eine Sauerstofftherapie. Die Therapie erfolgt mit reinem Sauerstoff, der zu Beginn einer Attacke aus einer Flasche über eine Atemmaske verabreicht wird.
Meine Erfahrung mit Clusterkopfschmerzen
„Ich leide eigentlich an Migräne – aber zweimal hatte ich auch Clusterkopfschmerzen. Und das war noch einmal eine vollkommen andere Dimension von Schmerz. Die Attacken kamen bei mir plötzlich und ohne jede Vorwarnung. Innerhalb weniger Minuten war der Schmerz voll da – extrem stechend, fast unerträglich, hinter meinem linken Auge. Es ist kein ‚Kopfschmerz‘ im klassischen Sinne, sondern eher ein brutaler, punktueller Schmerz, der sich bei mir so anfühlte, als würde er von innen gegen das Auge drücken. Was es so schlimm macht: Man kann dann kaum etwas dagegen tun. Bei Migräne weiß ich zumindest, was mir hilft, habe meine Routinen, meine Medikamente. Beim Clusterkopfschmerz hatte ich nichts – vor allem kein schnell wirkendes Triptan-Nasenspray, das Betroffenen häufig verschrieben wird. Ich konnte mich nicht hinlegen, nicht ruhig bleiben, nicht ablenken. Man hält diesen Schmerz nicht aus. Ich lief herum, teilweise völlig verzweifelt, und habe nur darauf gewartet, dass es endlich aufhört. Dieses Gefühl, dem Schmerz komplett ausgeliefert zu sein, war für mich fast noch schlimmer als die 30-minütige Attacke selbst.“