10. September 2025, 20:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Vielleicht haben Sie in letzter Zeit viel über die Ausbreitung der sogenannten „Kusswanze“ in den USA gehört. Die Blutsauger beißen bevorzugt schlafende Menschen im Bereich des Mundes und Augen. Auf den Menschen können sie einen Parasiten übertragen, der die Chagas-Krankheit verursacht. Woran Sie eine Infektion erkennen können.
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Chagas in 32 US-Staaten nachgewiesen
Die gefährliche Chagas-Krankheit scheint sich in den USA zunehmend auszubreiten. Laut einem Fachartikel der US-Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) wurden Überträgerarten bereits in 32 Bundesstaaten nachgewiesen.1 Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert die Krankheit weltweit jährlich rund 10.000 Todesopfer. Besonders stark betroffen sind Mexiko, Zentral- und Südamerika.
Berüchtigte Kusswanze überträgt den Krankheitserreger
Ein Parasit namens Trypanosoma cruzi löst die Chagas-Krankheit aus. Trypanosomen kommen in verschiedenen blutsaugenden Raubwanzenarten vor – hauptsächlich in Raubwanzen der Unterfamilie Triatominae, auch bekannt unter dem berüchtigten Namen Mordwanzen oder Kissing Bugs, „Kusswanzen“.
Kommen vorwiegend nachts heraus, um Blut zu saugen
Sie heißen so, weil sie Menschen oft nachts im Schlaf in die dünne Haut um Mund und Augen beißen, um Blut zu saugen. Sind die Wanzen mit Trypanosomen infiziert, scheiden sie diese beim Blutsaugen aus. Nun können Bindehaut, Schleimhäute, Abschürfungen und Hautverletzungen einschließlich der Bisswunde kontaminieren. Weiterhin kann Chagas aber auch durch Bluttransfusionen, Organtransplantationen oder von Müttern auf ihre Babys übertragen werden.
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Kusswanzen verstecken sich in Ritzen und Spalten
Diese bis zu 2,4 Zentimeter langen Kusswanzen sind nachtaktiv und nisten bevorzugt in Ritzen von Wänden und Dächern, insb. auch in Lehmwänden und Strohdächern, oder in Tierställen sowie unter Terrassen. Was sie anlockt, sind helle Lichter und Haustiere, die sie ins Haus bringen. Ebenso können Kusswanzen auch in Nestern von Vögeln, Nagern oder anderen Säugetieren vorkommen.
Anfängliche Symptome der Chagas-Krankheit
Laut WHO verursacht die Chagas-Krankheit in der ersten, akuten Phase (dauert etwa zwei Monate nach der Infektion) oft keine, nur leichte oder unspezifische Symptome auf: Fieber, Kopfschmerzen, vergrößerte Lymphknoten, Blässe, Muskelschmerzen, Atembeschwerden, Schwellungen sowie Bauch- oder Brustschmerzen.
Selte Symptome von Chagas: Hautläsionen oder violette Augenlieder
Wesentlich seltener würden Menschen, die von einer Raubwanze gebissen werden, charakteristische erste sichtbare Anzeichen zeigen, die „entweder eine Hautläsion oder eine violette Schwellung der Augenlider sein können“.2
Später drohen schwere Schäden an Nervensystem, Herz und Darm
Wird die Infektion nicht medikamentös behandelt, können durch die Chagas-Krankheit im chronischen Stadium vor allem das Nervensystem, das Herz und der Darm Schaden nehmen. Dieses chronische Stadium tritt laut Tropeninstitut bei circa zehn bis 30 Prozent der akut Erkrankten erst nach einigen Jahren auf.3
In späteren Jahren drohen diesen Patienten – neben Herzrhythmusstörungen und fortschreitender Herzinsuffizienz – Schäden am Nervensystem und an der Herz- und Verdauungsmuskulatur, die zum plötzlichen Tod führen können. Es können verschiedene neurologische Störungen, die bis zur Demenz gehen können, auftreten. Am Herzen kommt es zu einer Schädigung des Herzmuskels. Am Gastrointestinaltrakt kann es zu einer starken Verbreiterung des Darms und der Speiseröhre kommen. Nach WHO-Schätzungen sind weltweit mehr als sieben Millionen Menschen mit dem Parasiten infiziert.
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US-Behörde: Chagas soll als endemisch eingestuft werden
Die US-Seuchenschutzbehörde berichtet aktuell von 29 bestätigten Fällen und 47 Verdachtsfällen in acht südlichen US-Bundesstaaten, darunter Texas, Arizona und Kalifornien. Die Behörde schätzt jedoch, dass die Infektionen derzeit stark unterschätzt würden – Chagas ist nicht landesweit meldepflichtig. Deshalb plädieren sie dafür, die Chagas-Krankheit auch in den USA als endemisch einzustufen.
Infektionen in Deutschland durch Reisen in Endemiegebiete
In Europa oder Deutschland gibt es keine natürlich vorkommenden Kusswanzen. In Deutschland wird die Infektionskrankheit primär durch Reisen in Endemiegebiete erworben, repräsentative Zahlen hierfür gibt es nicht.