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Laut Studie

Bestimmtes Getränk scheint biologisches Alter von Männern zu beeinflussen

Mit Wein gut altern?
Innerlich jünger bei genau 170 bis 172 Millilitern Wein pro Tag – doch die Ursache ist nicht der Alkohol! Foto: Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

17. April 2026, 14:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Glas Wein am Abend – für viele ein normales Ritual. Doch kann genau das beeinflussen, wie schnell unser Körper biologisch altert? Eine große italienische Studie mit 22.000 Teilnehmern liefert eine überraschende Antwort: Moderater Weingenuss kann die Zellen von Männern tatsächlich jung halten. Woran liegt das? Unter anderem am „Healthy-User-Effekt“ vermuten die Forscher.

Biologisch 5 Monate jünger bei dieser Weinmenge – Alkohol aber nicht der Grund

Mit Wein anstoßen könnte bald eine neue Bedeutung bekommen: Denn eine große italienische Studie deutet darauf hin, dass moderater Weingenuss Männer biologisch ein wenig jünger macht. Männer, die moderat Wein trinken, sind demnach im Durchschnitt etwa knapp fünf Monate biologisch jünger als Menschen, die gar keinen Alkohol trinken. Der positivste Effekt zeigte sich bei ein bis zwei kleinen Gläsern pro Tag.

Der Effekt scheint allerdings nicht am Alkohol selbst zu liegen. Die Studie wurde im „International Journal of Public Health“ veröffentlicht.1

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Das wollten die Forscher wissen

Die Daten stammen aus der großen italienischen Moli-sani-Studie mit 22.495 Teilnehmern ab 35 Jahren. Der Name steht dabei einfach für die Region Molise in Süditalien und bedeutet sinngemäß „gesunde Menschen aus Molise“.

Die Forscher wollten herausfinden, ob Wein, ein fester Bestandteil der mediterranen Ernährung, hier eine Rolle spielt. In dieser Ernährungsweise wird Wein jedoch typischerweise regelmäßig, aber in kleinen Mengen und vorwiegend zu den Mahlzeiten getrunken – genau daran orientiert sich auch die Studie. Bisher wurde meist nur Alkohol insgesamt untersucht – nicht speziell Wein.2,3,4,5

Die Teilnehmer machten detaillierte Angaben zu ihrer Ernährung, darunter auch zu ihrem Weinkonsum. Auf dieser Basis wurden sie in Gruppen eingeteilt – von Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, bis hin zu starkem Konsum. Als moderat galt eine Menge, wie sie typisch für die mediterrane Ernährung ist – bei Männern ungefähr ein bis zwei kleine Gläser Wein pro Tag. Gemeint ist damit ein Trinkmuster, das fest in eine insgesamt gesunde Ernährungsweise eingebettet ist – nicht isolierter Alkoholkonsum.

Biologisches Alter auf Basis von 36 Blutwerten ermittelt

Dann zeigte das „biologische Alter“, basierend auf 36 verschiedenen Blutwerten (wie Blutzucker, Entzündungswerten und Lebermarkern), wie schnell der Körper der Probanden im Inneren gealtert war. Ist der Körper biologisch jünger, als es das tatsächliche Alter anzeigt, gilt das als Hinweis auf ein langsameres Altern.

Ergebnisse des „Verjüngungseffekts“ bei Männern im Detail

Die Ergebnisse zeigen ein klares, aber differenziertes Bild. Zunächst: Der Effekt war statistisch nur bei Männern signifikant nachweisbar; bei Frauen zeigte sich kein klarer Zusammenhang.

Bei Männern zeigte sich: Das biologische Alter der moderaten Weintrinker lag knapp fünf Monate unter dem der anderen. Am deutlichsten war dieser Effekt bei einer Menge von etwa 170 bis 200 Millilitern Wein pro Tag. Das entspricht etwa ein bis zwei kleinen Gläsern. In diesem Bereich war das biologische Alter am niedrigsten.

Die Studie beschreibt hier eine „J-förmige“ Kurve: Ein moderates Maß bietet einen Vorteil, während zu viel Alkohol (über 30 bis 60 Gramm Ethanol pro Tag) den Alterungsprozess im Vergleich zu Nicht-Trinkern sogar beschleunigt.

Warum ausgerechnet Wein? Das vermuten die Forscher

Der Effekt scheint nicht am Alkohol (Ethanol) selbst zu liegen. Bei Bier oder Spirituosen konnte kein vergleichbarer Vorteil für das biologische Alter festgestellt werden. Forscher vermuten stattdessen, dass die im Wein enthaltenen Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe aus der Traube) entscheidend sind, da sie Entzündungen reduzieren und Zellen schützen können.

Die Studie verdeutlicht, dass der Wein nicht als isoliertes „Wundermittel“ fungiert, sondern seine potenziell verlangsamende Wirkung auf das biologische Altern nur im Zusammenspiel mit der mediterranen Lebensweise entfaltet. Drei Punkte stützen diese These.

Zum einen: In der mediterranen Tradition wird Wein nicht unkontrolliert, sondern regelmäßig, in kleinen Mengen und fast ausschließlich zu den Mahlzeiten getrunken. Die Forscher betonen, dass genau dieses Muster – die Kombination aus moderater Menge und dem Verzehr mit Nahrung – für die gesundheitlichen Effekte entscheidend sein kann.

Zum anderen scheint der biologische Vorteil nicht am Alkohol (Ethanol) selbst zu liegen, da reiner Alkoholkonsum über andere Getränke wie Bier oder Spirituosen keinen positiven Effekt auf das biologische Alter zeigte. Stattdessen werden Polyphenole als Wirkstoffe vermutet. Diese finden sich im Wein, aber eben auch in vielen anderen Basis-Lebensmitteln der Mittelmeerkost wie Obst, Gemüse und Olivenöl. Der Wein ist also nur eine von vielen Quellen dieser schützenden Stoffe innerhalb dieses Ernährungsstils.

Der „Healthy-User-Effekt“

Zuletzt weist die Studie darauf hin, dass moderate Weintrinker oft generell ein gesünderes Profil aufweisen. Sie bewegen sich häufig mehr, rauchen seltener und achten insgesamt besser auf ihre Ernährung. Der Wein ist in diesen Fällen eher ein Indikator für einen bewussten Lebensstil als dessen alleinige Ursache.

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Stärken und Schwächen der Studie

Die Untersuchung basiert auf der Moli-sani-Studie mit insgesamt 22.495 Teilnehmern, was eine hohe statistische Power ermöglicht. Zur Berechnung des biologischen Alters wurde ein moderner Ansatz mittels eines Deep Neural Networks (DNN) genutzt, das 36 verschiedene Blutwerte analysierte, um ein umfassendes Bild der körperlichen Funktionen zu erhalten.

Die Forscher haben zahlreiche Variablen wie Bildung, Rauchen, körperliche Aktivität und die allgemeine Qualität der Ernährung (Mediterranean Diet Score) statistisch herausgerechnet, um den isolierten Effekt des Weins besser zu bestimmen

Da es sich um eine Beobachtungsstudie im Querschnittdesign handelt, kann sie nur Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass der Wein die direkte Ursache für das langsamere Altern ist. Die Daten zum Weinkonsum basieren auf Fragebögen, die anfällig für Erinnerungsfehler oder soziale Erwünschtheit (Unterschätzung des tatsächlichen Konsums) sind.

In der Gruppe der Nicht-Trinker können sich „Ex-Trinker“ befinden, die den Alkoholkonsum aufgrund bereits bestehender Krankheiten aufgegeben haben, was diese Gruppe biologisch „älter“ erscheinen lassen kann.

Die Daten stammen ausschließlich aus der Region Molise in Süditalien. Ob die Ergebnisse auf andere Kulturen mit anderen Trinkgewohnheiten oder genetischen Voraussetzungen beim Alkoholabbau übertragbar sind, bleibt unklar.

Wichtig bleibt die Einordnung: Gesundheitsorganisationen betonen, dass es keine risikofreie Menge Alkohol gibt.

Fazit: Wer sich ungesund ernährt, wird die negativen Folgen des Alkohols spüren

Die Studie ist wissenschaftlich hochwertig und liefert starke Indizien für einen positiven Effekt von Wein-Polyphenolen im Rahmen einer gesunden Ernährung. Dennoch ist der Effekt minimal und sollte nicht als Aufforderung verstanden werden, mit dem Trinken zu beginnen, da Gesundheitsorganisationen weiterhin betonen, dass es keine völlig risikofreie Menge Alkohol gibt.

Wer sich ansonsten ungesund ernährt, wird die negativen Folgen des Alkohols spüren, ohne von den schützenden Begleitstoffen profitieren zu können.

Quellen

  1. Esposito, S., Di, Castelnuovo, A. et al. (2026). Moderate Wine Consumption, Defined by the Mediterranean Diet, Is Associated With Delayed Biological Aging in Men From the Moli-sani Study. Int J Public Health. ↩︎
  2. Topiwala, A., Taschler, B. et al. (2022). Alcohol consumption and telomere length: Mendelian randomization clarifies alcohol's effects. Mol Psychiatry.  ↩︎
  3. Wang, M., Li, Y., Lai, M. et al. (2023). Alcohol consumption and epigenetic age acceleration across human adulthood. Aging (Albany NY). ↩︎
  4. Nannini, DR., Joyce, BT. et al. (2023). Alcohol consumption and epigenetic age acceleration in young adults. Aging (Albany NY).  ↩︎
  5. Bøstrand, SMK., Vaher, K. et al. (2022). Associations between alcohol use and accelerated biological ageing. Addict Biol. ↩︎

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