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Hoffnung für Betroffene

Bauchspeicheldrüsenkrebs – neuer Bluttest könnte Früherkennung deutlich verbessern

Ein neuer Test soll helfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs besser und früher zu erkennen
Ein neuer Test soll helfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs besser und früher zu erkennen Foto: Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

1. Juli 2026, 20:09 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten Krebsarten. Da die Symptome der Erkrankung erst sehr spät auftreten, ist es für eine erfolgreiche Krebstherapie meist zu spät. Umso wichtiger ist die Früherkennung dieser Krebsart. Nun haben Forscher einen neuen Test entwickelt, der Rückfälle oder ein Fortschreiten der Erkrankung bei Betroffenen deutlich präziser und früher erkennen kann als bisherige Standardverfahren.

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum erkranken allein in Deutschland jedes Jahr über 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs.1 Das Fiese an der Erkrankung ist, dass die Symptome erst sehr spät auftreten, oft wenn der Krebs schon gestreut hat. So erhalten die Patienten ihre Diagnose meist in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium. Sind Metastasen vorhanden, liegt die mittlere Überlebenszeit oft nur bei wenigen Monaten bis zu einem Jahr.2 Ist der Tumor operabel, kann die Lebenserwartung mehrere Jahre betragen. Nur etwa elf Prozent der Patienten überleben in den ersten fünf Jahren, nachdem sie die Diagnose erhalten haben.3 Doch nun machen Forscher Hoffnung auf eine mögliche Früherkennung. Sie haben einen hochempfindlichen Test entwickelt, der selbst verborgene Anzeichen für Bauchspeicheldrüsenkrebs aufspüren kann.

Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs bislang diagnostiziert?

Die Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist bislang schwierig, da die Bauchspeicheldrüse tief im Körperinneren liegt und Symptome oft erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten. Zwar können vergrößerte Lymphknoten, Leber oder Gallenblase bei einer körperlichen Untersuchung festgestellt werden, der Tumor selbst ist jedoch nicht tastbar. Deshalb kommen in der Regel bildgebende Verfahren zum Einsatz, wie eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie und Endosonografie), eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). 

Auch eine Magen- und Zwölffingerdarmspiegelung in Kombination mit Röntgenkontrastuntersuchungen eignet sich zur Diagnose. Bisherige Blutuntersuchungen auf Tumormarker können Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht direkt nachweisen. Allerdings liefern sie den Ärzten oft zusätzliche Informationen über die Ausbreitung der Erkrankung im Körper. In einigen Fällen wird auch eine Biopsie mit anschließender Gewebeuntersuchung vorgenommen, zum Beispiel, wenn der Verdacht auf Metastasen besteht.

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Was macht den neuen Test auf Bauchspeicheldrüsenkrebs besonders?

Forschern der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago ist es erstmals gelungen, einen hochsensitiven Bluttest zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln.4 Das Besondere dabei: Der Test identifiziert sogenannte zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) im Blut. Hierbei handelt es sich um winzige genetische Fragmente, die von den Krebszellen in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Das Problem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, dass diese ctDNA-Werte oft extrem niedrig sind und mit Standardtests kaum nachweisbar sind. Der neue Test ist jedoch empfindlich genug, um diese minimalen Spuren dennoch aufzuspüren. Dabei ist der Bluttest gezielt auf die KRAS-Genmutation ausgelegt. Diese liegt bei über 90 Prozent aller Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankungen vor.

Bei der sogenannten KRAS-Genmutation handelt es sich um einen genetischen Defekt, der die normale Signalübertragung der Zelle stört.5 Das KRAS-Protein dient als Schalter für das Zellwachstum. Durch die Mutation bleibt dieser Schalter bildlich gesprochen in der Ein-Position stecken, was zu einer unkontrollierten Teilung von Krebszellen führt. Allerdings wird diese Genmutation nicht vererbt, sondern entsteht erst im Laufe des Lebens.

Wie effektiv ist der neue Test?

Im Rahmen der Studie wurden 106 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs von Oktober 2020 bis Oktober 2024 untersucht und nachverfolgt. Dabei wurden vor einer Behandlung, nach der Chemotherapie sowie nach einer Operation Blutentnahmen vorgenommen und analysiert. Die Auswertung der Daten lieferte folgende Ergebnisse: 

  • Zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose und vor einer Behandlung identifizierte der neue, hochsensible Bluttest bei fast viermal so vielen Patienten (65 Prozent) Anzeichen von Krebs. Zum Vergleich identifizierte ein gängiger Next-Generation-Sequencing-Test (NGS) nur bei 17 Prozent der Patienten Krebs.
  • Auch nach einer Chemotherapie konnte der KRAS-Test bei 60 Prozent der Patienten weiterhin Krebs nachweisen, während der NGS und andere Tests versagten (fünf Prozent Erfolgsquote). 
  • Nach einer Operation identifizierte der KRAS-Test noch bei 56 Prozent der Patienten die KRAS-DNA im Tumor, während es beim NGS nur neun Prozent waren.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass eine genauere Erkennung der Krebszellen zu einer verbesserten Vorhersage der Überlebensaussichten führt. Am auffälligsten war die Identifizierung einer bisher unentdeckten Gruppe von Hochrisikopatienten, deren Krebs bei der Standard-NGS-Untersuchung übersehen wurde. Diese Gruppe überlebte nach der Diagnose durchschnittlich nur 27 Monate, verglichen mit 41 Monaten bei Patienten, die bei beiden Untersuchungen negativ getestet wurden.

Auch interessant: Bauchspeicheldrüsenkrebs – typische Symptome, Risikofaktoren und Therapie

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Was bedeutet die Studie für die Diagnose und Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Der neue KRAS-Test soll gezielt jene Hochrisikopatienten identifizieren, bei denen ein Rückfall nach der Behandlung droht. Und das, noch bevor er klinisch sichtbar wird. Dies ist besonders wichtig, weil Bauchspeicheldrüsenkrebs selbst im früh entdeckten Stadium häufig zurückkehrt. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ärzte mit den derzeit verfügbaren Testverfahren bei den meisten Patienten möglicherweise Restkrankheiten übersehen“, kommentiert Studienleiter Prof. Akhil Chawla das Studienergebnis.

Der Test gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil andere Forscher zeitgleich ein neues Medikament entwickeln, das exakt dieselbe KRAS-Mutation bekämpft. So könnten sich der neue Test und die passende Therapie optimal ergänzen und die Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs revolutionieren.

„Mit dem Eintritt in das Zeitalter der KRAS-gerichteten Behandlung wird ein Screening-Verfahren, das genau diese Mutation nachverfolgt, immer wichtiger. Diese Kombination könnte die Art und Weise, wie wir Hochrisikopatienten identifizieren, mikroskopisch kleine Krankheitsherde überwachen und möglicherweise früher eingreifen, bevor ein Rezidiv klinisch sichtbar wird, grundlegend verändern und letztendlich dazu führen, dass mehr Patienten geheilt werden können“, erklärt der Studienleiter die Bedeutung des neuen Testverfahrens.

Einordnung der Studie

Die Ergebnisse sind zwar beeindruckend und machen vielen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten Hoffnung, doch muss man bedenken, dass der Test nur eine bestimmte Genmutation bei den Erkrankten identifiziert. Obwohl der Test hochsensibel ist, schlug er bei der Diagnose bei etwa einem Drittel der Patienten nicht an – ein Zeichen dafür, wie schwierig ctDNA im Blut nachzuweisen ist.

Dennoch: Der Nachweis der Tumor-DNA liefert ein frühes Anzeichen dafür, dass Krebs vorliegt oder wieder auftreten könnte. Dadurch können Ärzte die Therapie bei ihren Patienten frühzeitig anpassen. Da der neue Test auf einer einfachen Blutentnahme beruht, kann man ihn im Laufe der Zeit einfach wiederholen. Ob er sich allerdings generell zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eignet, müssen weitere Studien untersuchen.

Quellen

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholz-Gemeinschaft: Bauchspeicheldrüsenkrebs -Pankreaskarzinom (aufgerufen am 1.7.2026) ↩︎
  2. Universitäts Spital Zürich: Bauchspeicheldrüsenkrebs (aufgerufen am 1.7.2026) ↩︎
  3. Zentrum für Krebsdatenregister: Bauchspeicheldrüsenkrebs -Pankreaskarzinom (aufgerufen am 1.7.2026) ↩︎
  4. Sridalla, K., Machhi, J.K., Vitello, D.J., et. al. (2026). High-Sensitivity ctDNA Analysis Uncovers Relevant Signals Missed by NGS in Pancreatic Cancer. Clinical Cancer Research. ↩︎
  5. DocCheck Flexikon: KRAS (aufgerufen am 1.7.2026) ↩︎

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