15. Juni 2026, 10:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Als Patient muss man beim Blutdruckmessen in einer medizinischen Einrichtung meist nicht viel mehr tun, als den Arm freizumachen. Den Rest übernehmen in der Regel die medizinischen Fachangestellten, oder genauer gesagt die häufig eingesetzten automatischen Blutdruckmessgeräte. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass bei der Messung alles korrekt erfolgt. Und nicht zuletzt sollte man bei der Messung zu Hause wissen, dass die Armhaltung während der Messung enorm wichtig ist. FITBOOK beleuchtet den wissenschaftlichen Stand zu diesem Thema und hat auch mit Ärzten gesprochen.
Studie zum Einfluss der Armhaltung beim Blutdruckmessen
Wie sitzen Sie beim Blutdruckmessen? Wahrscheinlich ganz bequem – vermutlich lassen Sie den Arm entspannt auf dem Schoß liegen. Doch genau das kann die Ergebnisse verfälschen. Dies ist eine „gängige klinische Erfahrung“, wie der Internist Dr. med. Matthias Riedl im Gespräch mit FITBOOK bestätigt.
Die bisher methodisch stärkste und klinisch prominenteste moderne Studie zu diesem Thema stammt von Forschern der Johns-Hopkins-Universität aus dem Jahr 2024.1 In der Untersuchung kam heraus, dass eine falsche Armhaltung beim Blutdruckmessen zu deutlich erhöhten Werten führen kann. Besonders „falsch“ wäre demnach ein auf dem Schoß liegender oder ein nicht gestützter, herunterhängender Arm.
Details zur Untersuchung
An der Studie nahmen 133 Erwachsene zwischen 18 und 80 Jahren teil. Die Forscher verglichen verschiedene Armhaltungen bei der Blutdruckmessung mit automatischen Geräten. Jede Person wurde mehrfach gemessen – einmal mit korrekt abgestütztem Arm auf Herzhöhe sowie in Fehlhaltungen, etwa mit dem Arm auf dem Schoß oder seitlich herabhängend. Zwischen den Messungen gingen die Teilnehmer jeweils kurz umher und hielten anschließend eine Ruhephase ein.
Das Ergebnis: Lag der Arm auf dem Schoß, fiel der systolische Blutdruck im Schnitt um knapp 4 mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule) zu hoch aus. Ein seitlich herabhängender Arm erhöhte ihn sogar um rund 6,5 mmHg. Auch die diastolischen Werte stiegen messbar an.
Ab welchen Werten Bluthochdruck vorliegt:
| Systolischer Blutdruck | diastolischer Blutdruck | |
|---|---|---|
| Optimale Werte | unter 120 mmHg | unter 80 mmHg |
| Normalwerte | 120 – 129 mmHg | 80 – 84 mmHg |
| Hochnormal | 130 – 139 mmHg | 85 – 89 mmHg |
| Hypertonie Grad 1 (leichter Bluthochdruck) | 140 – 159 mmHg | 90 – 99 mmHg |
| Hypertonie Grad 2 (mittelschwerer Bluthochdruck) | 160 – 179 mmHg | 100 – 109 mmHg |
| Hypertonie Grad 3 (schwerer Bluthochdruck) | über 180 mmHg | über 110 mmHg |
Bedeutung der Erkenntnisse
Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse vor allem für automatische Blutdruckmessgeräte gelten könnten. Dennoch folgern sie aus den Ergebnissen ihrer Untersuchung, dass schon kleine Fehler bei der Armhaltung den Blutdruck deutlich verfälschen können. Menschen können in der Folge fälschlicherweise als Bluthochdruckpatienten eingestuft werden – im Extremfall sogar mit Werten, die bereits einer Hypertonie zweiten Grades entsprechen. Das könnte unnötige medikamentöse Behandlungen nach sich ziehen.
Die korrekte Armhaltung – und worauf es sonst noch ankommt
Der Oberarm sollte während der Blutdruckmessung auf Herzhöhe abgestützt sein, zeigt die Studie. Eine entsprechende Empfehlung findet sich auch in den Leitlinien der American Heart Association sowie der European Society of Hypertension, die eine stabile, aufliegende Armposition vorsehen.2,3
Der Standard hat sich inzwischen auch in der medizinischen Praxis etabliert, wie ebenfalls der Allgemeinmediziner Michael Feld auf FITBOOK-Nachfrage bestätigt. Er empfiehlt, den Arm des Patienten beispielsweise auf einem Kissen abzulegen. Denn liege der Oberarm unterhalb der Herzhöhe, fallen die Werte tendenziell zu hoch aus. Befindet er sich dagegen darüber, können die Blutdruckwerte fälschlich zu niedrig gemessen werden.
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Einfluss der Manschette und des gemessenen Arms
Doch damit nicht genug. Auch die Wahl der Manschette ist von Bedeutung: Sie darf weder zu groß noch zu klein sein. Wenn man an einem breiten Arm mit einer zu dünnen Manschette misst, werden die Werte wieder nach oben verfälscht. Eine breite Manschette an einem dünnen Arm könnte dagegen zu zu niedrigen Messwerten führen.
Ebenso zwischen rechtem und linkem Arm können beim Blutdruckmessen Unterschiede auftreten. Wie Dr. Feld erklärt, sind Abweichungen von mehreren mmHg durchaus normal. Deshalb wird häufig zunächst an beiden Armen gemessen, um festzustellen, auf welcher Seite die höheren Werte liegen. Für spätere Kontrollmessungen sollte dann möglichst immer derselbe Arm verwendet werden.
Achtung vor dem „Weißkittel-Syndrom“
Und noch etwas: Dr. Feld weist darauf hin, dass bei der Blutdruckmessung ausreichend Zeit eingeplant werden sollte. Er verweist auf das sogenannte Weißkittel-Syndrom (Weißkittelhypertonie) – ein Phänomen, bei dem die Werte in der Arztpraxis höher ausfallen als zu Hause. Ursache ist laut dem Experten meist Aufregung oder Anspannung im medizinischen Umfeld, und hier könnte eine Portion Ruhe womöglich Abhilfe schaffen.