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Studie zur Mittelmeer-Diät

Wie schlimm ist gelegentliches Sündigen, wenn man sich sonst gesund ernährt?

Mann nascht einen Keks
Naschen verboten? Offenbar profitiert man nur dann vom Effekt einer mediterranen Ernährung, wenn man sich streng daran hält.Foto: Getty Images

Wer generell auf eine gesunde, mediterrane Ernährung setzt, darf zwischendurch auch mal sündigen – würde man wohl meinen. Eine aktuelle Untersuchung aus Chicago jedoch kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach machen bereits gelegentliche ungesunde Snacks die positiven Effekte der Mittelmeer-Diät zunichte.

„Eine Ernährung, bei der Gemüse, Obst, Fisch und Vollkornprodukte im Vordergrund stehen, kann sich positiv auf die Gesundheit einer Person auswirken.“ Das erklärt Prof. Puja Agarwal, Ernährungsforscherin am Rush Medical College in Chicago, in einer Veröffentlichung ihrer Fakultät. Soweit nichts Neues – zahllose Studien haben den Effekt einer mediterranen Ernährung (vor allem auf den Gehalt der geistigen Fähigkeiten) bereits belegt.

Neuer hingegen ist die Frage, ob man selbst dann noch von den Vorzügen der Mittelmeer-Diät profitiert, wenn man sich zwischendurch auch mal etwas gönnt. Und dieser sind Agarwal und ihr Team auf den Grund gegangen.

Mediterrane Ernährung: Effekt verpufft mit ungesunden Snacks

Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachblatt „Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association“. Demnach genügen bereits gelegentliche Ausreißer in der sonst bewussten Speiseroutine, um den Effekt der mediterranen Ernährung zunichte zu machen.

Die Beobachtungsstudie basiert auf Informationen von rund 5000 Erwachsenen. Die Forscher hatten sie dem „Health and Aging Project“ entnommen, einer offiziellen Gesundheitsdatenbank über einen älteren Teil der Bevölkerung Chicagos.

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Ablauf der Studie

Die Probanden hatten zu Beginn des Studienzeitraums das 65. Lebensjahr bereits überschritten. Zwischen 1993 und 2012 sollten sie alle drei Jahre Fragebögen ausfüllen. Aus den Antworten zogen die Forscher Rückschlüsse über die Entwicklung derer kognitiven Fähigkeiten und Gedächtnisleistung.

Zudem flossen Angaben zu den Ernährungsgewohnheiten der Probanden ein. Dafür gab das Forscherteam ihnen 144 spezifische Lebensmittel vor. Darunter positiv bewertete, wie sie im mediterranen Raum häufig vorkommen sollen (z. B. Olivenöl, Fisch, Gemüse und Nüsse), sowie auch weniger empfohlene Speisen (etwa stark Verarbeitetes, sehr Fett- und/oder Zuckerreiches und Frittiertes). Zu Auswertungszwecken waren den Lebensmitteln Punkte zugeordnet. Abhängig davon, wie häufig sie jeweilig verzehrt wurden bzw. wie viele Punkte die Probanden sich „eraßen“, entsprach ihre Ernährung mehr bzw. weniger der sogenannten Mittelmeer-Diät.

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Erkennbarer Zusammenhang zwischen Ernährung und Denkleistung

Prof. Agarwal und Kollegen wollen erkannt haben: Bei den Studienteilnehmern, deren Ernährungsweise am meisten der mediterranen entsprach, war ein langsamer Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit zu verzeichnen. Im Schnitt alterten sie um 5,8 Jahre langsamer – und das lag den Forschern zufolge nicht zuletzt daran, dass sie allenfalls extrem wenig Junk Food zu sich nahmen. Diejenigen Studienteilnehmer hingegen, die vordergründig eine Mittelmeer-Diät einhielten, jedoch häufiger mal Ungesundes in ihre Ernährung integrierten, hatten dadurch jeglichen Effekt torpediert. Sie sollen von den Vorzügen der mediterranen Kost nicht profitiert haben.

Für Studienleiterin Agarwal ist der Fall klar: Zucker, Fett und Kohlenhydrate – also Bestandteile, wie sie für eine sogenannte „westliche Ernährung“ typisch sind – schaden mehr, als dass sinnvolle Diäten etwas Gutes bewirken können. Es sei daher unverzichtbar, verarbeitete Lebensmittel auf ein Mindestmaß zu reduzieren, wenn man den gewünschten Effekt einer mediterranen Ernährung erzielen wolle.

Die Untersuchungsergebnisse sollen unabhängig von Geschlecht und sozialem Status beständig gewesen sein. Risikofaktoren, die sich aus dem Lebenswandel einzelner Probanden ergeben haben (z. B. bei Rauchern oder Alkoholkonsumenten) wurden gesondert behandelt.

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Haken der Studie

Wie immer bei Ernährungsstudien gilt, dass man ihre Ergebnisse nicht überbewerten sollte. Die Analysen stützen sich auf Angaben von Probanden. Wie ehrlich sie dabei waren (auch zu sich selbst), ist kaum objektiv zu beurteilen.

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