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Untersuchungen legen es nahe

Stecken in Wasserspendern gefährliche Keime?

Water Cooler
Willkommener Durstlöscher oder Gesundheitsrisiko? FITBOOK klärt über öffentliche Wasserspender auf.
Foto: IStock/KLH49

Genügend zu trinken, ist wichtig. Öffentliche Wasserspender kommen also gerade gelegen, wenn man unterwegs seinen Flüssigkeitshaushalt aufstocken will. Oder stimmt, was viele glauben, dass die sogenannten „Water-Cooler“ bzw. deren Zapfanlagen echte Keimschleudern sind? FITBOOK hat sich schlaugemacht.

Sie stehen in öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise Drogeriemärkten, Arztpraxen und Bürogebäuden: Wasserspender, aus denen sich jeder bedienen kann. Manche dieser Geräte sind an die Trinkwasserinstallation des Gebäudes gekoppelt. Noch üblicher aber sind freistehende „Water Cooler“, auf die kopfüber ein Plastikkanister gesetzt wird. Je nach Produkt ist der Ausschank über einen Hebel zu betätigen oder durch Ansetzen des Trinkbehälters.

Wer akut durstig ist oder einfach die Gelegenheit nutzen will, möglichst viel Wasser zu sich zu nehmen, dürfte sich über einen herumstehenden Spender mit Gratis-Wasser freuen. Etwas unappetitlich ist aber, was schon vor Jahren in Untersuchungen über die Getränkespender zutage gekommen ist …

Lebensgefährliches Bakterium in Wasserspender-Probe gefunden

Stefan Adler von der Uni Freiburg, inzwischen Geschäftsführer des dortigen Zentrums für Erneuerbare Energien, warnte bereits 2007 in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ vor Keimen in Wasserspendern – insbesondere wenn diese in Krankenhäusern aufgestellt sind.

Wie kommen die Keime in Wasserspender?

Dr. med. Matthias Riedl hat den Untersuchungsbericht für FITBOOK gelesen. „Die genannten Keime sind ubiquitär“, erklärt uns der Ernährungsmediziner, was so viel bedeutet wie ‚überall verbreitet‘. Laut seiner Einschätzung gelangen die Erreger bereits bei der Produktion in die Behälter und vor allem beim Umstecken der Flaschen – und finden darin offenbar ideale Lebensbedingungen. Riedl: „Bakterien lieben die glatten Oberflächen von Plastik und überziehen sie mit einer Art Schutzschicht, die schwer zu bekämpfen ist. Darin können sie munter leben.“

Ebenso ist Wasser selbst nicht keimfrei, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt. „Daher kann der Keimgehalt von Wasser in Behältern ansteigen, insbesondere bei erhöhter Umgebungstemperatur (z.B. durch sommerliche Temperaturen oder Sonneneinstrahlung).“

Wie gefährlich sind die Keime?

Für generell gesunde Menschen soll in der Regel keine große Gefahr ausgehen. Deren Magensäure könne die meisten Keime abtöten, sagt uns der Arzt – „zumindest überwiegend“.

Dagegen können vorerkrankten bzw. immunsupprimierten* Menschen – „und das sind in Deutschland rund zehn Prozent der Bevölkerung“, weiß Riedl – , einige der typischen Wasserspender-Keime richtig gefährlich werden. Über Wunden beispielsweise im Mund oder in der Speiseröhre sollen sie eine schwere Blutinfektion auslösen können.

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Wasserspender

Vor dem Gesetz gilt der Inhalt von Wasserspendern als Lebensmittel. Wer sie aufstellt, ist für deren Unbedenklichkeit mitverantwortlich.
Foto: iStock/fusaromike

So lassen sich Keime vermeiden

Laut BfR ist es sinnvoll, die Größe der Wasserbehälter an den Bedarf anzupassen, um Standzeiten über 14 Tage zu vermeiden. Der Aufstellplatz sollte sorgfältig ausgewählt werden. Die Geräte sollten an trockenen, sauberen und nicht zu warmen Stellen platziert werden, also keinesfalls etwa in ein sonnenexponiertes Fenster oder unmittelbarer Nähe einer Heizung. „In Einrichtungen, in denen zu erwarten ist, dass viele Wasser-Konsumenten erkrankungs-, therapie- oder altersbedingt eine Immun- bzw. Abwehrschwäche aufweisen, sind leitungsgebundene Wasserspender zu bevorzugen“, heißt es weiter. Hier gelte die zusätzliche Empfehlung, kein Zurückstellen benutzter Trinkbecher in das Gerät zuzulassen. „Zusätzlich sollten hier die Reinigungs- und Desinfektionsfrequenzen erhöht werden.“

Logisch, Reinigung und Wartung der Geräte sind generell das A und O. Genaueres dazu und weitere Infos zu branchenspezifischen Hygieneanforderungen sind laut BfR in der Leitlinie der „German Watercooler Association“ (GWCA) nachzulesen.

Fazit

Bakterien können einfach und schnell in Wasserspendern landen. Das Abwehrsystem junger, grundsätzlich gesunder Menschen wird mit den meisten davon gut fertig, unschön ist die Vorstellung aber auf jeden Fall – zumal einige der typischen „Water Cooler“-Keime ein ernsthaftes Gesundheitsproblem für schwächere Organismen darstellen können.

Experte Riedl hält die Behälter abschließend für „fragwürdig“.

*Immunsuppression bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem mithilfe von Medikamenten unterdrückt wird – etwa nach bestimmten Erkrankungen oder komplizierten Operationen. Sie betrifft auch HIV- oder Krebserkrankte, um bei ihnen eine Vermehrung bösartiger Zellen zu hindern.