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Fit durch die EM

Beim Fußballschauen Kalorien verbrennen? Läuft!

Fußball
Wer mitfiebert, kann beim Fußballschauen Kalorien verbrennenFoto: Getty Images

Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange. Manch einer fragt sich vielleicht, was das Verfolgen der Spiele im TV für den persönlichen Kalorienhaushalt bedeutet. Die gute Nachricht zuerst: Wer es „richtig“ macht, kann beim Fußballschauen sogar Energie verbrennen. Die schlechte: Dafür müssen nicht nur die Snacks weniger werden.

Beim Fußballschauen kann man Kalorien verbrennen. Das klingt erstmal nicht schlecht, oder? Gerade angesichts der zahlreichen EM-Spiele, die Millionen Europäer aktuell vor die Fernseher lockt. Doch während die Spieler 90 Minuten lang hin und her über den Platz rennen, scheint der Kalorienverbrauch beim passiven Verfolgen der Spiele auf der Couch eher überschaubar. Mit ein paar Tricks lässt sich der jedoch steigern.

Wie kann man beim Fußballschauen Kalorien verbrauchen?

In Kurzform: mit Leidenschaft und Körpereinsatz. Wer passioniert 90 Minuten lang mitfiebert, aus seinem Stuhl hochspringt, wenn ein Tor fällt und sich gestikulierend über Fehler der Spieler oder des Schiedsrichters echauffiert, hat die besten Chancen, beim Fußballschauen Kalorien zu verlieren.

Entscheidend ist dabei natürlich auch das Spiel. Plätschert das langweilig dahin, wird das mit dem Kalorienverbrauchen und Mitfiebern natürlich etwas schwieriger. Anders bei nervenaufreibenden Fußballspielen, bei denen man 90 Minuten gebannt auf den Fernseher starrt und gar nicht anders kann, als immer wieder aufzuspringen.

Studie zum Kalorienverbrauch beim aktiven Fernsehen

Eine Studie der University of Westminster aus dem Jahr 2012, auf die sich unter anderem der „Guardian“ bezog, ermittelte den Grund für den Kalorienverbrauch beim Fernsehschauen: „Jump-Scare“-Momente (zu Deutsch: „Sprung-Schreck“-Momente). Gemeint sind damit die Momente, in denen man vor Schreck aus seinem Sessel hochspringt. In der Studie wurde der Kalorienverbrauch beim Gucken verschiedener Horrorfilme untersucht. Durchschnittlich lag der bei einem 90-minütigen Streifen bei 113 Kalorien. Top-Burner war übrigens der Film „The Shining“, bei dem bis zu 184 Kalorien verbrannt wurden.

Der Grund für den erhöhten Kalorienverbrauch: Innerhalb kürzester Zeit begann bei der Probanden der Puls zu rasen, die Herzfrequenz erhöhte sich und der Körper bekam einen Adrenalinschub. „Es ist die Freisetzung von schnell wirkendem Adrenalin, das bei kurzen intensiven Stressausbrüchen (…) produziert wird, das bekanntermaßen den Appetit senkt, den Grundumsatz erhöht und letztendlich mehr Kalorien verbrennt“, wird Stoffwechsel-Spezialist Dr. Richard Mackenzie von der Universität vom „Guardian“ zitiert.

Kritische Einordnung der Studie

Bei der Studie sollte allerdings kritisch erwähnt werden, dass es sich um eine äußerst kleine Probanden-Gruppe von 10 Personen handelte und die Stoffwechselaktivitäten der Teilnehmer*innen lediglich in Echtzeit und nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden. Ernsthafte Aussagen über einen eventuell erzielten Gewichtsverlust sind daher nicht möglich. Außerdem wurde die Studie niemals von unabhängigen Experten überprüft oder formell publiziert. Die Tatsache, dass sie von einem britischen Filmverleiher in Auftrag zu Halloween in Auftrag gegeben wurde, lässt den Schluss nahe, dass es sich eher um einen Werbegag handelte und daher mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist.

Dennoch erfahren Fußballfans vor dem TV wohl von Zeit zu Zeit einen ähnlichen Adrenalinschub wie die Teilnehmer*innen der Horrorfilm-Studie – gerade, wenn es ein spannendes oder gar nervenaufreibendes Spiel ist, wie bspw. das Aufeinandertreffen Deutschlands und Ungarns bei der Gruppenphase der EM. Das dürfte bei vielen Zuschauern für ordentlich Puls und einen erhöhten Kalorienverbrauch gesorgt haben.

Auch interessant: Fußballschauen kann laut Studie Risiko für Herzinfarkt erhöhen

Studie zeigt Körperreaktionen beim Sport schauen

Eine andere Studie1 kam im Jahr 2013 zu dem Ergebnis, dass das bloße Zuschauen, während andere im TV Sport machen, bereits die Herzfrequenz, Atmung und Hautdurchblutung erhöhen kann. Und das anscheinend so sehr, als würde man selbst trainieren. Auch hier sei allerdings angemerkt, dass gerade einmal neun Menschen an der Studie teilnahmen. Entsprechend sind auch diese Aussagen relativ. Was die Forscher der australischen University of Western Sydney (UWS) herausgefunden haben, dürfte Fußball-Zuschauer dennoch freuen.

„Wir wissen, dass das sympathische Nervensystem – das das Herz, die Schweißdrüsen und Blutgefäße sowie andere Gewebe versorgt – seine Aktivität während des tatsächlichen Trainings erhöht. Und jetzt haben wir gezeigt, dass es, während Sie eine bewegte Szene betrachten, so sehr zunimmt, als liefen Sie selbst“, sagt Vaughan Macefield, Professor der Integrativen Physiology an der School of Medicine der UWS. Er gibt jedoch zu bedenken: „Anderen Leuten beim trainieren zuzuschauen mag Ihre Herzrate erhöhen und andere physiologische Effekte haben, nichts kann jedoch die gesundheitlichen Vorteile des Aufstehens von der Couch ersetzen.“

Kalorienverbrauch beim Fußballschauen kalkulieren

Ebenfalls mit einem Augenzwinkern ist der „Football Calorie Calculator“ von Omni Calculator zu betrachten. Der hilft, die Berechnung des Kalorienhaushalts beim Fußball gucken zu berechnen – und pflichtet damit gewissermaßen der ersten Studie bei. Demnach würde zum Beispiel ein 85 Kilogramm schwerer Mensch bei dem Verfolgen eines Fußballspiels 209 Kalorien verbrennen. Das ist natürlich nur ein Richtwert, da die persönliche Aktivität eine Rolle spielt, aber auch Faktoren wie Alter und Fitnessgrad.

Nicht zu vergessen ist, dass der menschliche Körper auch im völlig passiven Zustand, wie z. B. während des Schlafens, Kalorien verbrennt. Der sogenannte Grundumsatz lässt sich anhand einer Formel berechnen. Mehr dazu und zum Leistungsumsatz erfahren Sie hier.

Dem Verbrennen von Kalorien beim Fußballschauen steht außerdem die Kalorienaufnahme während des Spiels durch Snacks und Getränke gegenüber. Auch die lässt sich in die Berechnung des Online-Tools miteinbeziehen. Denn wer mitfiebert und hochspringt, dabei in 90 Minuten aber fünf Bier in sich reinschüttet und nebenbei eine ganze Pizza oder eine Tüte Chips verdrückt, hat durch die wenigen verbrannten Kalorien am Ende auch nichts gewonnen.

Auch interessant: Was bringt es für die Fettverbrennung, das Dessert vor dem Hauptgang zu essen?

Tipps zum Kaloriensparen beim Fußballschauen

Fußballschauen verleitet viele dazu, dabei jede Menge Junkfood zu futtern. Ist man auf das Spiel konzentriert, bekommt man die Menge oft gar nicht richtig mit. Glaubt man der Studie, hat man tendenziell nicht einmal unbedingt Hunger. Auch deshalb ist es ratsam, sich Chips und Co. gar nicht erst hinzustellen, sondern stattdessen gesündere Snacks wie Nüsse oder auch Karotten, Sellerie und Co. vorzubereiten.

Übrigens: Popcorn gilt als gesunde Snack-Alternative. FITBOOK hat die Vorteile der Maiskörner in folgendem Artikel zusammengefasst:

Ein weiter Tipp, um den Kalorienverbrauch anzukurbeln: Statt auf der Couch sitzen zu bleiben und dort auf die Pizza vom Lieferdienst zu warten, kann man auch einfach vor dem Spiel kochen. Das verbrennt laut dem FITBOOK-Kalorienrechner je nach Alter, Geschlecht usw. auch nochmal 135 Kalorien pro Stunde (Beispiel: 35 Jahre alter, 80 Kilogramm schwerer und 1,85 Meter großer Mann). Der Koch der Fußball-Nationalmannschaft, Anton Schmaus, hat uns im Interview verraten, was bei den Spielern während der EM auf die Teller kommt. Auch ein exklusives Rezept finden Sie in dem Artikel und können so echtes Fußballer-Essen während der 90 Minuten Spiel schmecken lassen.

Neben dem Essen lauern in Form von Getränken weitere Kalorienbomben. Ein Bier (0,3 Liter) kommt allein auf 129 Kalorien. Wer Angst vor der Kalorienfalle „Fußballschauen“ hat, sollte überlegen, ob es wirklich zwei, drei oder acht Biere sein müssen – oder ob vielleicht auch Wasser okay wäre.

Quelle:
1:
Brown, Rachael, Kemp, Ursula, Macefield, Vaughan (2013): Increases in muscle sympathetic nerve activity, heart rate, respiration, and skin blood flow during passive viewing of exercise