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Untersuchung aus Deutschland

Studie: Kinder haben sich im ersten Lockdown mehr bewegt als vor Corona

Kind macht Sport
Kinder in Deutschland sollen sich während des ersten Corona-Lockdowns mehr im Alltag bewegt haben als vor der PandemieFoto: Getty Images

Derzeit heißt es für die meisten Schüler in Deutschland wieder: zu Hause bleiben und digitaler Unterricht. Die Befürchtung vieler Eltern, dass ihre Kinder im Lockdown kaum noch Bewegung bekommen, hat sich laut einer Studie aus Karlsruhe nicht bestätigt. Dennoch: Gänzlich positiv ist das Ergebnis der Studie nicht.

Seit Mitte Dezember befindet sich Deutschland zum zweiten Mal im Lockdown, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Nicht nur einige Erwachsene sind mit der Situation überfordert, auch für Kinder ist die Umstellung zwischen Normalität und Lockdown schwierig. Dass sie sich offenbar ein eigenes Ventil gesucht haben, um den Stress zu bewältigen, zeigt eine aktuelle Studie aus Deutschland. So sollen Kinder während des Lockdowns mehr Bewegung in ihren Alltag integriert haben als vorher.

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Langzeitstudie zur Sportlichkeit von Kindern

Seit 2003 überprüfen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) im Rahmen der Längsschnittstudie Motorik-Modul (MoMo) in regelmäßigen Abständen die motorische Leistungsfähigkeit und die körperlich-sportliche Aktivität von jungen Menschen in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie pausiert die Langzeitstudie, da Sportvereine und Spielplätze geschlossen sind.

Das MoMo-Team nutzte die Phase, um zu untersuchen, wie es während des Lockdowns um die Bewegung der Kinder steht. Sie führten Online-Befragungen mit mehr als 1700 in Deutschland lebenden Kindern zwischen vier und 17 Jahren durch. „Der Vorher-Nachher-Vergleich war nur möglich, weil wir langjährige Daten haben. Das ist international einzigartig“, äußert sich Sportwissenschaftlerin Dr. Claudia Niessner, eine der beiden Leiterinnen des Forschungsprojekts, in der Pressemitteilung des KIT.

Trotz Lockdown rund 36 Minuten mehr Bewegung im Alltag

„Erstaunlicherweise haben sich die Jungen und Mädchen für den Wegfall der Sportangebote Ersatz gesucht, und zwar auch diejenigen, die vorher nicht sportlich aktiv waren“, fasst Dr. Niessner das Ergebnis der Studie zusammen. Statt Schulsport und Training im Verein waren die Kinder nun im Alltag aktiver. Sie bewegten sich rund 36 Minuten mehr als vor dem Ausbruch der Pandemie. Zusätzlich dazu verbrachten die Kinder und Jugendlichen rund 24 Minuten täglich mit „unorganisiertem Sport“, beispielsweise beim Kicken, Basketball- oder Federballspielen. Vor dem Lockdown seien es nur sieben Minuten pro Tag gewesen.

Die WHO empfiehlt 60 Minuten Bewegung pro Tag pro Kind – die seien während des ersten Lockdown nicht erreicht worden. Dennoch habe er die körperliche Betätigung eher gefördert, sagt Professor Alexander Woll, Sportwissenschaftler und Verbundleiter der Studie.

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Mehr Alltagsbewegung im Lockdown, weniger Intensität

Professor Alexander Woll gibt jedoch auch zu Bedenken: „Spielen im Freien, Fahrradfahren, Garten- oder Hausarbeit haben nicht dieselbe Intensität wie Training und Wettkämpfe im Verein.“ Alleine durch die Schließung von Vereinen würden laut Studie täglich rund 28,5 Minuten Sport pro Kind wegfallen, und so auch soziale Kontakte. Woll merkt an: „Wie sich der Wegfall von Sport in Schule und Verein langfristig auf die Motorik oder das Übergewicht auswirkt, wissen wir noch nicht.“

Mehr Platz führt zu mehr Bewegung

Die Studie, die in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, zeigt zudem, dass die jeweiligen Lebensumstände großen Einfluss auf die körperliche Aktivität haben. Die meiste Bewegung hätten im Lockdown Kinder gehabt, die in einem Einfamilienhaus in einer kleinen Gemeinde leben. Junge Bewohner eines mehrstöckigen Hauses in der Großstadt seien am wenigsten aktiv gewesen. „Bewegungsflächen verschwinden in der Stadtplanung, hier ist dringend eine Gegenbewegung nötig“, bemängelt Woll. Der aktuelle zweite Lockdown verschärfe diesen Aspekt noch. Da es fast durchgehend kalt und früh dunkel ist, würden die Kinder Bewegungsmöglichkeiten an der frischen Luft wohl noch weniger nutzen.

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