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FITBOOK-Autor nach 10 Jahren zurück im Gym

»Was ich bei Fitnessstudios heute merkwürdig finde

Wiedereinstieg ins Fitnessstudio nach 10 Jahren
Unser Autor war seit zehn Jahren nicht mehr im Fitnessstudio – was er als Ü40-Rückkehrer dort wirklich erlebt, hat er für aufgeschrieben. Foto: Getty Images / skynesher Getty Images,privat
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Robin Hartmann
Robin Hartmann

16. Januar 2026, 16:32 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

FITBOOK-Autor Robin Hartmann hat sich nach mehr als zehnjähriger Abstinenz wieder bei einem Fitnessstudio angemeldet. Schon nach kurzer Zeit stellte er fest, dass sich dieses seit seinem letztmaligen Besuch aus seiner Sicht erheblich und zum Teil auf sehr skurrile Weise verändert hat. Warum ihm das trotzdem irgendwie gefällt – und was seit dem Wiedereinstieg ins Fitnessstudio sein denkwürdigstes Erlebnis in der Sauna war.

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Nach 10 Jahren Wiedereinstieg ins Fitnessstudio

Sagen wir es ruhig, wie es ist: In den letzten zehn Jahren habe ich meinen Körper in mancher Hinsicht ein wenig vernachlässigt. Zwar gehe ich begeistert und sicher überdurchschnittlich viel wandern, aber ich bin auch ein Freund des schönen Lebens, und das heißt für mich, gut und viel zu essen. Als ich nun irgendwann zerknirscht einsehen musste, dass ich davon leider nicht so fit bleiben würde wie noch und vor allem in meiner Jugendzeit, traf ich eine für mich selbst eher unerwartete Entscheidung: Nach mehr als einer Dekade Abstinenz, meldete ich mich wieder im Fitnessstudio an.

In früheren Zeiten, und das ist keine Werbung, hatte ich bei Kieser trainiert. Nicht um unbedingt Muskeln aufzubauen, sondern einfach, um gesund zu bleiben und meinen Rücken zu stärken. Ein schnörkelloses Studio, gut 30 Minuten Programm, idealerweise mehrmals die Woche, das reichte mir schon, um relativ fit zu bleiben. Das Bild der klassischen Muckibude, in der grunzende Alpha-Männchen viel zu schwere Gewichte stemmen, war mir damals schon zuwider. Ich wollte ja meinen eigenen Körper möglichst irgendwie lieben, statt ihn zu foltern.

Erste Warnsignale mit Anfang 40

Und genau dieser Körper gab mir nun mit Anfang 40 Signale, die ich leider nicht mehr ignorieren konnte. Vor allem bringe ich heute deutlich mehr auf die Waage als damals, und das trotz der Tatsache, dass ich seit mehr als fünf Jahren keinen Alkohol mehr trinke. Es war also vor allem Unzufriedenheit beim Blick in den Spiegel, die die neuerliche Anmeldung in einem Fitnessstudio wie eine gute Idee erscheinen ließ. Spoiler: Das war sie auch. Aber im Vergleich zu meiner eher sorg- und achtlosen Trainingszeit damals schaue ich heute, allein schon aus journalistischer Berufsehre, etwas genauer hin. Und erlebe nun seit mehreren Monaten nicht nur eine erstaunlich schnelle körperliche Transformation, sondern mitunter auch sehr skurrile Dinge.

Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob wirklich die Fitnessstudios sich verändert haben, oder ob ich heute einfach ein anderer bin. Die Kette, für die ich mich entschieden habe, hat in meiner Heimatstadt zahlreiche, zum Teil hypermoderne Filialen. Bei Bewertungen der Zeitschrift „Test Bild“ belegte sie fünf Jahre hintereinander Platz 1 der besten Fitnessstudios in Berlin (in den vergangenen zwei Jahren allerdings nicht mehr). Wer an einem normalen Werktag gegen 18 Uhr in eines dieser Outlets geht, muss zwangsläufig das Gefühl bekommen, sämtliche Bewohner der Millionenmetropole seien zum gleichen Zeitpunkt da wie man selbst. Das gewünschte Trainingsgerät in dieser Zeit frei vorzufinden, ist dann mitunter eher ein Glücksfall. Und das liegt an einem Umstand, den ich so definitiv bis jetzt nicht kannte.

Exzessive Smartphone-Nutzung blockiert das Training

Denn fast ausnahmslos jeder in dem Studio scheint zum Trainieren nicht unbedingt die zahlreichen Geräte zu benötigen, sondern vor allem sein bzw. ihr Smartphone. Ich erlebe es nicht selten, dass jemand eine Station über Gebühr lange besetzthält, weil er sich nach jeder Einheit denkt, sich nun eine ausgiebige Runde Social Media verdient zu haben. Ich habe auch schon Leute gesehen, die sich einfach auf Geräte setzen, ihr Telefon anschalten, und dann überhaupt nicht trainieren. Der Kreativität sind bei diesem Ritual keine Grenzen gesetzt. Mancher chattet lieber, während andere ganze Filme schauen oder mit ihren Liebsten telefonieren, selbstverständlich ohne Kopfhörer und über Lautsprecher. Es soll ja auch jeder wissen, dass sie gerade so richtig pumpen.

Vor allem beliebt ist dieser Ablauf dann, wenn sich gerade besonders viele Menschen in dem Studio befinden. Das Ganze nervte mich nach kurzer Zeit bereits so sehr, dass ich die Trainer offen darauf ansprach, so etwas doch bitte in Zukunft proaktiv zu unterbinden. Das könne man leider nicht machen, so die ausweichende Antwort. Man sei sich des Problems in der Theorie durchaus bewusst, aber man könne ja den Leuten auch nicht einfach ihren Spaß verderben. Dass diese mit ihrem Verhalten aber anderen den Spaß am Trainieren verderben? Hilfloses Achselzucken. Zumal sämtliche Mitarbeiter in dem Studio so jung sind, dass sie meine Kinder sein könnten. Entsprechend fällt es ihnen schwer, die nötige Autorität auszustrahlen, um solche Störungen konsequent zu unterbinden. Und so tun sie sich lieber durch eine andere Merkwürdigkeit hervor.

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Kurswerbung à la Haustürverkauf

Denn regelmäßig gibt es in meinem Studio auch Kurse, die zum Teil heiß begehrt sind, und für die sich mitunter auch Warteschlangen bilden. Und dennoch beobachte ich immer wieder, wie die Ausbilder jeden fragen, ob man an diesem oder jenem Gemeinschaftstraining teilnehmen wolle. Gerne fragen sie auch mehrfach nach. Mich erinnert das an Haustürverkauf. Als ich wissen wollte, ob es interne Vorgaben oder eine Provision für die Maßnahme gäbe, wich man mir aus.

Aber sei es drum, mit dem Studio an sich bin ich jedenfalls hochzufrieden. Es gibt inzwischen viele verschiedene moderne Geräte für wirklich jeden Typ. An einer Station kann man seine Getränkeflasche jederzeit kostenlos wieder auffüllen. Auf den Bildschirmen der Cross-Stepper, auf denen ich nach dem Muskeltraining noch Kalorien abstrample, kann ich zudem Videos von tollen Wanderregionen schauen. Und trotz derjenigen, die die Geräte quasi als ihr Privateigentum zu betrachten scheinen, findet man eigentlich immer irgendeine freie Maschine, die in den aktuellen Plan passt.

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Beobachtungen über die skurrilen Stammgäste

Schon nach wenigen Besuchen erkannte ich andere Gäste wieder, die regelmäßig trainieren kommen. Ich habe manchen von Ihnen im Geiste Spitznamen gegeben. Da ist etwa der „Sportprofessor“, der mich bei einem meiner ersten Aufenthalte darüber belehrte, dass ich im Grunde völlig falsch trainiere. Erfolg könne ich nur haben, erklärte er mir, wenn ich mich an seine Ratschläge halte. Da ist die „alternde Schönheit“: eine Frau von unbestrittener Grazie, die sicherstellen muss, dass auch wirklich jeder Gast ihren Auftritt bemerkt. Es gibt auch den „Untermieter“: einen Typen, der in dem Fitnessstudio zu wohnen scheint. Ich glaube, er war erst ein einziges Mal während eines meiner Aufenthalte nicht selbst zugegen.

Dann die „Fashionistas“ beider Geschlechter, von denen man nicht weiß, ob sie mit ihren schicken Klamotten nicht eigentlich doch auf einen Laufsteg wollten. Diese plaudern wenig überraschend mehr, als sie trainieren, denn sonst könnte ja ihr Outfit Schaden nehmen. Neben dem Bereich mit den „normalen“ Geräten gibt es dann auch noch eine Art Separee, welches ich innerlich das „Paviangehege“ getauft habe. Dabei handelt es sich um einen vollverspiegelten Raum mit Freihanteln, in dem genau jene grunzenden Bodybuilder trainieren, die ich anfangs so respektvoll erwähnt habe. Die Kandidaten könnten problemlos an Wettbewerben teilnehmen – und das soll natürlich auch jeder andere vor Ort wissen.

Motivierende Sprüche wie „Komm schon, es muss wehtun“ und ähnlich geistreiche Bonmots gehören hier zum guten Ton. Genauso wie der Umstand, sich mindestens 20 Kilogramm mehr Gewicht auf die Stange zu packen, als man problemlos heben bzw. stemmen könnte. Es sollen ja auch alle mitbekommen, dass ein schöner Körper nichts mit Spaß, sondern vor allem mit Leiden zu tun hat. Und schließlich kann man sich vor all den großen Spiegeln natürlich auch super fotografieren, wenn man mal wieder eine Pause braucht. Wichtige Grundregel hier: So viel wie möglich von der eigenen, muskelbepackten Haut zeigen. Und, klar, so geräuschvoll wie möglich leiden.

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Grüß-Rituale in der Sauna durchbrechen jede Chance auf Ruhe

Was mir an meinem Studio super gefällt, ist, dass es eine Sauna hat. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es sehr angenehm, nach dem Training in der trockenen Hitze zu entspannen. Bzw. entspannen zu wollen, denn natürlich hören hier die Marotten meiner Mitmenschen keinesfalls auf. Dass statistisch gesehen etwa alle drei Sekunden die Saunatür auf- oder zugeht, weil jemand kommt oder geht, wäre für sich allein gesehen ja nicht so schlimm. Was mich wirklich irritiert, ist, dass Neuankömmlinge wie auch Scheidende in der Regel laut grüßen, bevor sie die Sauna betreten oder verlassen. Und sich dann gefühlt die Hälfte aller Anwesenden bemüßigt oder genötigt fühlt, zurückzugrüßen. Das bedeutet: alle drei Sekunden ein lautes „Hallo“, „N’abend“ oder auch „Mahlzeit“, gefolgt von einem vielstimmigen Echo. Oder eben „Tschüss“, „Ciao“ bzw. auch „Schönen Abend noch, Männer“, ebenso unisono beantwortet.

Nun mag Ihnen, lieber Leser, das wie eine Form der Höflichkeit erscheinen. Aber stellen Sie sich nur einmal kurz vor, auf Ihrer morgendlichen Fahrt mit der U-Bahn würden das sämtliche Fahrgäste auch tun. Die Sauna soll ein Raum der Ruhe und der Kontemplation sein. Viele, vor allem jüngere, Gäste, sehen aber auch kein Problem darin, in dem voll besetzten Schwitzkasten einfach Privatgespräche anzufangen. Immerhin, meist werden sie dann relativ schnell zurechtgewiesen. Richtig ekelhaft wird es aber, wenn schwitzende Männer anfangen, sich mit den Händen den unvermeidlichen Schweiß vom Körper abzureiben. Das klingt dann etwa so, als würde man einen nassen, menschlichen Schwamm auspressen.

Schmunzeln musste ich, als ich kürzlich in den Duschen ein Schild entdeckte, welches darauf hinwies, dass das Entfernen oder Färben von Körperbehaarung dort verboten sei. So weit, so nachvollziehbar. Doch im Umkehrschluss bedeutet das für mich: In der Vergangenheit muss es Leute gegeben haben, die genau das für eine richtig gute Idee hielten …

Auch ich habe meinen kleinen Spleen im Fitnessstudio

Ich gehe trotzdem oder auch wegen dieser kleinen Anekdoten sehr gerne und (momentan noch) regelmäßig in das Studio. Und ja, auch ich habe meinen kleinen Spleen. So nehme ich immer den Spind mit der Nummer 007, weil dieser aus irgendeinem Grund wirklich jedes Mal frei ist. Dadurch werde ich vielleicht nicht automatisch so attraktiv wie ein gewisser Geheimagent. Aber ich arbeite daran.

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