30. August 2025, 17:26 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Zwischen Turbo-Modus, 2300 Höhenmetern und der Frage, ob Radfahren mit Motor überhaupt noch Sport ist: FITBOOK-Autorin Nina Ponath, die mit Radfahren eigentlich nichts anfangen kann, hat sich im Salzburger Land aufs E-Bike gesetzt – und erlebt, warum die Unterstützung ein Türöffner zu unvergesslichen Bergmomenten ist. Ob es sich für sie auch nach Sport angefühlt hat?
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Warum in den Bergen nicht mal aufs E-Bike steigen?
Ich war noch nie eine begeisterte Radfahrerin. Meist nutze ich es nur im Sommer, um abends Freunde zu besuchen, wenn klar ist, dass ich Alkohol trinken werde. Ansonsten bin ich lieber zu Fuß unterwegs. Vor einiger Zeit, unser Urlaub im Salzburger Land stand vor der Tür, kam mein Partner mit der Idee um die Ecke: Warum in den Bergen nicht mal E-Biken gehen? Für mich stand dabei eine Frage im Raum: Zählt Radfahren mit elektrischem Hilfsmotor eigentlich noch als Sport – oder ist das Schummeln?
2300 Höhenmeter für uns E-Bike-Anfänger
Eigentlich wollten wir mit dem E-Bike hoch hinaus. Unser Ziel in den Bergen war ein echter 3000er, der Großvenediger. Weil unser Guide kurzfristig absprang, mussten wir umplanen. Am Ende fiel die Wahl auf ein kleineres, aber nicht weniger eindrucksvolles Ziel: den Steinkogel. Immerhin 2300 Höhenmeter, die für uns als absolute Anfänger aus dem flachen Hamburger Umland eine echte Herausforderung bedeuteten. Ich kann an dieser Stelle vorwegnehmen: Ohne Motorunterstützung wäre ich auf dieser Tour nach wenigen Kilometern als schiebende Radfahrerin unterwegs gewesen.
Welcher Unterstützungsmodus? Qual der Wahl
Unsere gemieteten E-Bikes der Marke „Cube“ hatten verschiedene Unterstützungsmodi zur Wahl. Es gibt – unabhängig vom Hersteller – meist eine Abstufung von „Eco“ über „Tour“ und „Sport“ bis hin zu „Turbo“. Der Eco-Modus liefert nur eine minimale Unterstützung und spart Akkuleistung – perfekt für flache Strecken. Im Tour-Modus bekommt man bereits spürbare Hilfe, während der Sport-Modus die eigene Trittleistung deutlich verstärkt. Und dann gibt es noch den Turbo-Modus: Hier drückt der Motor kraftvoll mit und macht selbst steile Anstiege zum Kinderspiel. Dabei muss man fast aufpassen, dass es einen nicht zu sehr nach vorn zieht. Die Motorunterstützung funktioniert in allen Gängen allerdings nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Danach schaltet sich die Motorunterstützung automatisch ab, was bedeutet, dass man höhere Geschwindigkeiten ausschließlich durch eigene Muskelkraft erreichen kann.
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Ein Wahnsinnsgefühl, das sich aber nicht nach Sport anfühlt
Mit den E-Bikes radeln wir den Berg hoch und sind dabei weit über 15 km/h schnell. Teilweise kratzen wir sogar an der 25-Stundenkilometer-Marke. Für mich wäre das niemals aus eigener Kraft möglich gewesen. Ohne Motorunterstützung wäre das Fahren für mich wohl weniger einer Radtour als vielmehr einem mühsamen Hochkrabbeln gleichgekommen.
Mit dem E-Bike ist der Aufstieg hingegen ein Wahnsinnsgefühl: Wir sehen die Landschaft an uns vorbeiziehen, spüren den leichten Fahrtwind und sind ganz ohne Mühe viel schneller, als wir es zu Fuß wären. Sportlich fühlen wir uns dabei nicht – eher abenteuerlich und voll im Urlaubsmodus. Ich gerate kaum ins Schwitzen. Stattdessen muss ich mich konzentrieren, um auf dem Kiesweg das Gleichgewicht zu halten und bergab nicht zu schnell zu werden.
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Erst die letzten Meter zu Fuß zum Gipfel gehen in die Beine
Der eigentliche Sport beginnt für mich dann erst, als wir kurz vor dem Gipfel die Räder abstellen. Die letzten Meter müssen wir zu Fuß zurücklegen. Das ist der anstrengendste Teil der Tour. Mit jedem Schritt merke ich, wie sehr die letzten Meter in die Beine gehen. Erst hier wird mir bewusst, dass die körperliche Arbeit, die das E-Bike mir abgenommen hat, doch enorm war.
Wenn ich ehrlich bin, war die Anstrengung auf dem E-Bike nicht viel größer, als würde man zu Fuß zur Gondel gehen und das erste Stück hinauffahren. Aber genau das ist ja das Konzept von „Bike & Hike“. Das E-Bike ist vor allem als Unterstützung gedacht. Es soll Sportlern ermöglichen, die Bergumgebung intensiver wahrzunehmen und die Tour zu genießen. Der eigentliche Sport, das Wandern, bleibt dabei unangetastet.
Völlig beflügelt auf dem Rückweg ins Tal
Der Rückweg ins Tal ist indes ein Rausch. Ich muss die Bremsen fest im Griff haben, um auf dem Schotterweg nicht zu schnell zu werden und die Kontrolle zu verlieren. Bergab erreichen wir auf unseren Bikes schnell 30 Kilometer pro Stunde. Während es vorbei an grünen Wiesen und Almhütten geht, fühle ich mich wie ein Kind, das zum ersten Mal mit einem Gokart unterwegs ist. Völlig beflügelt.
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Genussradeln statt Höchstleistung
Einige Tage später machen wir eine ganz andere Tour, den Tauern-Radweg. Auch hier sind die E-Bikes eine tolle Alternative zum Auto – man kann die Landschaft mit allen Sinnen genießen. Die Anstrengung bis zu den Krimmler Wasserfällen ist sehr überschaubar, aber das macht uns nichts. Weil wir am Morgen schon wandern waren, tut uns das Radfahren sogar richtig gut – als aktive Erholung.
Fazit: Schummeln oder clever?
Am Ende des Urlaubs ist meine Meinung klar: Der E-Bike-Motor ist keine Schummelei, sondern eine super Unterstützung, die Fahrrad-Laien wie mir das Radfahren auf spaßvolle Art und Weise näherbringt. Ich bin dankbar für mein E-Bike, das es mir ermöglicht hat, Gipfel zu erklimmen, die ich ohne Motor nicht erreicht hätte.
Der eigentliche Sport bleibt für mich zwar das Wandern – aber um die Berge besser zu erleben und einen Eindruck vom Radfahren zu gewinnen, ohne am Ende völlig erschöpft zu sein, sind E-Bikes für mich die perfekte Kombination. Sie sind eine Art bewegtes Sightseeing, das uns fit gemacht hat für den nächsten Aktivurlaub. Vielleicht machen wir auf Mallorca dann eine Mountainbike-Tour, ganz ohne Motor. Und falls nicht: Zur Not gibt’s ja – zum Glück – E-Bikes.

