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FITBOOK-Interview

Bodybuilder Johannes Luckas: »Trainierte Körper sind eine feine Sache, aber…

Johannes Luckas
Fand muskulöse Körper schon immer cool: Bodybuilder und YouTube-Star Johannes Luckas (41)Foto: Christian Schwanke

Mit knapp 300.000 YouTube-Abonnenten ist Bodybuilder Johannes Luckas (41) eine feste Größe in der Fitness-Szene. Warum er seinen Vater früher mit breiten Schultern gemalt hat, was er mit seinen Videos erreichen möchte, wie er über die Fitness-Influencer-Szene denkt und welche Trainingsempfehlung er insbesondere jungen Menschen geben möchte, darüber hat er mit FITBOOK gesprochen.

Der Berliner Johannes Luckas ist u. a. zweifacher Ostdeutscher-Meister im Bodybuilding sowie Deutscher Vize-Meister im Bodybuilding und ein YouTube-Schwergewicht beim Thema Muskelaufbau. Die Aussagen des 41-Jährigen, der schon so lange im Fitness-Geschäft ist, haben in der Szene Gewicht. FITBOOK sprach mit Luckas über seine Liebe zum Kraftsport, Vorurteile gegenüber Fitness-Influencern, Motivation und Zukunftspläne.

Welche Bedeutung hat Kraftsport für Johannes Luckas?

FITBOOK: Herr Luckas, wie sind Sie zum Kraftsport gekommen und was bedeutet er Ihnen heute?
Johannes Luckas: „Ich hatte schon immer eine Affinität zu Muskeln. Muskulöse Körper fand ich schon immer cool. Ich habe meinen Vater früher immer mit breiten Schultern gemalt, das ist für mich ein Männlichkeits-Attribut. Krafttraining hat mir auch geholfen, an meinen Komplexen zu arbeiten. Ich habe viele Sportarten ausprobiert, aber mein erster Besuch im Fitnessstudio hat alles andere in den Schatten gestellt.“

FITBOOK: Warum haben Sie sich dazu entschieden, Kraftsport-Videos hochzuladen?
Johannes Luckas: „Zuerst habe ich Trainings- und Wettkampf-Videos von mir hochgeladen, ohne wirklich zu wissen, wie YouTube funktioniert. Mit der Zeit wollte ich meine Videos ändern, ich wollte nur noch Videos von mir im Poloshirt als Trainer hochladen und Übungen erklären. Ein Freund von mir, der sich schon gut mit der Materie auskannte, meinte zu mir, dass er die Videos nicht gut findet. Er sagte, ich sei ein cooler Typ mit viel Energie, der das Training liebt, ich solle das alles kombinieren und daraus Videos machen. Seitdem habe ich meinen Content angepasst und versuche, meinen Zuschauer mit Inhalt zu unterhalten.“

FITBOOK: Was sollen die Zuschauer aus Ihren Videos mitnehmen?
Johannes Luckas: „Je nachdem, wer noch in meinen Videos zu sehen ist, steht der Unterhaltungswert ganz weit oben. Aber ich achte darauf, den Zuschauern trotzdem eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. Für meine jüngeren Zuschauer ist es mir besonders wichtig, dass sie sich nicht mit anderen Vergleichen, sie sollen sich nur mit sich selber vergleichen. Das andere macht meist unglücklich. Sie sollen sehen, dass es besser ist, schon in jungen Jahren mit (Kraft)Sport anzufangen, anstatt zu kiffen oder Alkohol zu trinken.“

Vorbereitung auf Bodybuilding-Wettkämpfe

FITBOOK: Sie sind zweifacher Ostdeutscher Meister und Deutscher Vize-Meister im Bodybuilding. Worauf lag der Fokus in der Vorbereitung auf diese Wettkämpfe?
Johannes Luckas: „Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, passe ich meine Lebensart diesem Ziel an. Man muss darauf achten, dass man das Training trotz der Diät beibehält, um nicht an Muskelmasse zu verlieren. Das A und O ist die Vorbereitung. Je länger und besser sie geplant ist, desto besser kann das Ende werden.“

Trainingsempfehlung von Johannes Luckas

FITBOOK: Welches Training empfehlen Sie (jungen) Einsteigern?
Johannes Luckas: „Da bin ich im Zwiespalt. Einerseits denke ich, dass sie ihre Jugend nicht vergessen sollen und darauf achten sollen, dass es nicht in ein Extrem ausartet. Andererseits sollen sie sich auch die Zeit für die Übungen nehmen, um diese sicher auszuführen und sich nicht zu verletzen. Idealerweise trainiert man mit einem Coach oder einer Person, die Ahnung vom Fach hat. Ich empfehle es, wenn man mit Hanteln und dem eigenen Körpergewicht zwei bis dreimal pro Woche Ganzkörperworkouts macht, das genügt für den Anfang. Zudem kann das Training dabei helfen, ein besseres Körpergefühl, ein besseres Selbstwertgefühl und eine bessere Selbstwahrnehmung aufzubauen.“

„Ich versuche, mein eigenes Vorbild zu sein“

FITBOOK: Für Tausende von Kraftsport-Interessierte sind Sie ein Vorbild. Wer ist Ihr Idol auf sportlicher Ebene?
Johannes Luckas: „Klar, Helden waren Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und Jean-Claude Van Damme. Aber ich weiß, dass die Genetik uns limitiert. Ich versuche, mein eigenes Vorbild zu sein, um mich stets zu verbessern. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die hart in ihrem Beruf oder für ihre Leidenschaft arbeiten, egal ob sie ein Talent dafür haben oder nicht. Natürlich sind trainierte Körper eine feine Sache, aber die Persönlichkeit, die dahintersteckt, ist mir wichtiger – man kann auch mit einem schönen Körper ein Idiot sein.“

FITBOOK: Haben Sie schon einmal einen Shitstorm erlebt?
Johannes Luckas: „2016 habe ich Markus Rühl (ehemaliger deutscher Profi-Bodybuilder, Anm. d. Red.) mal für ein paar Aussagen kritisiert, mit denen ich nicht einverstanden war. Mit dem Video habe ich polarisiert und von seinen Fans nicht so nette Kommentare bekommen. Das würde ich heute in dieser Form nicht mehr machen. Ich lebe jetzt nach dem Motto ‚Leben und Leben lassen‘, da geht so etwas nicht mehr.“

Über das Klischee vom ahnungslosen Fitness-Influencer

FITBOOK: Was sagen Sie zu Vorwürfen, dass Fitness-Influencer nur ihre Produkte verkaufen wollen und viele nur wenig Ahnung von Training und Gesundheit haben?
Johannes Luckas: „Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Ich glaube schon, dass die Fitness-Influencer vom Fach sind und ihren Zuschauern nicht irgendein Müll verkaufen. Vorsichtig wäre ich bei Influencern, die noch nie etwas mit Fitness zu tun hatten und dann für Supplements werben, die haben sich dann wahrscheinlich nicht so gut mit der Materie auseinandergesetzt. Wenn man sich auf YouTube und Instagram spezialisiert und seinen eigentlichen Beruf verlässt, muss man ja dennoch Geld verdienen. Ich hatte das große Glück, schon vor meinem Influencer-Dasein genügend Jobs getestet zu haben und einen richtigen Beruf, Personal Trainer, erlernt zu haben. Man muss mit sich selbst vereinbaren, wie man das machen möchte. Ich setze auf langfristige Kooperationen und bin einer der wenigen, der schon seit fast 10 Jahren mit demselben Supplement-Hersteller zusammenarbeitet.“

Motivation in schwierigen Phasen

FITBOOK: Was hilft Ihnen, wenn die Trainingsmotivation im Keller ist? Nehmen Sie Workout-Booster ein?
Johannes Luckas: „Ich bin kein Freund von Boostern. Wenn, dann nehme ich ein koffeinhaltiges Getränk zu mir; das trinke ich dann aber auch nur einmal am Tag. Wenn man ein Ziel hat, muss man darauf hinarbeiten, auch wenn man keine Lust hat. Das sind dann die entscheidenden Tage, auf die es ankommt. Hat man kein Ziel, ist es schwieriger, Motivation zu finden. Jemand, der schon mal ohne Motivation trainieren war, weiß, wie man sich danach fühlt: Richtig geil, weil man es trotz fehlender Motivation durchgezogen hat. Sich an dieses Gefühl zu erinnern, hilft oft weiter.“

FITBOOK: Was unterscheidet Sie von anderen Fitness-YouTubern?
Johannes Luckas: „Das weiß meine Community am besten! Irgendwas scheine ich richtig zu machen in meinem fortgeschrittenen Alter…“

FITBOOK: Lohnt sich YouTube für Sie finanziell?
Johannes Luckas: „Ja, auf jeden Fall, die Kosten sind alle gedeckt.“

Zukunftspläne

FITBOOK: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Johannes Luckas: „Auf YouTube will ich meine Zuschauer weiterhin unterhalten und ihnen gute Videos bieten. Wenn das Kapitel YouTube zu Ende geht, werde ich Klienten trainieren, die mich angefragt haben, für die ich bisher aber leider keine Zeit wegen YouTube hatte. Auf dieses Kapitel freue ich mich riesig, der Job hat mir damals schon unfassbar viel Spaß gemacht. Vielleicht bringe ich dann ab und zu nur noch vereinzelt Videos raus. Mit ordentlichem Inhalt, aus dem man etwas lernen kann. Darauf freue ich mich schon.“

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