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Studie zeigt

Wie sich der Jo-Jo-Effekt auf die Muskeln auswirkt

frau auf waage
Laut einer Studie kann der Jo-Jo-Effekt einen starken Einfluss auf die Muskeln haben Foto: Getty Images/Olha Danylenko
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Isa Kabakci
Redakteur

22. Juli 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Viele Menschen nehmen ab, später wieder zu – und starten anschließend den nächsten Diätversuch. Solche wiederholten Gewichtsschwankungen, auch Jo-Jo-Effekt oder „Weight Cycling“ genannt, könnten Folgen haben, die auf der Waage nicht sichtbar werden. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass darunter langfristig die Muskulatur leiden könnte.

Jo-Jo-Effekt führt zu Muskelverlust

Einer aktuellen Untersuchung nach verloren Menschen mit wiederholten Gewichtsverlusten und anschließenden Gewichtszunahmen innerhalb von vier Jahren deutlich mehr Oberschenkelmuskulatur als Personen mit stabilem Körpergewicht. Dabei wogen beide Gruppen am Ende des Beobachtungszeitraums ungefähr genauso viel wie zu Beginn.1

In der Pressemitteilung zur Studie heißt es, dass die Betroffenen etwa viermal so viel Oberschenkelmuskulatur verloren wie Teilnehmer ohne vergleichbare Gewichtsschwankungen. Thomas Link, einer der Hauptautoren der Studie, sagt zudem: „Bei Gewichtsschwankungen verlieren die Betroffenen neben dem Fett auch enorm viel Muskelmasse, die sie nicht wieder aufbauen.“2

Wie die Studie durchgeführt wurde

Für die Studie analysierten Forscher der University of California San Francisco Daten von 1.433 Erwachsenen aus der „Osteoarthritis Initiative“, einer großen US-Langzeitstudie zur Kniearthrose. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt rund 61 Jahre alt. Alle eingeschlossenen Personen hatten nach vier Jahren insgesamt weniger als fünf Prozent Gewichtsunterschied im Vergleich zum Studienbeginn und galten deshalb als langfristig gewichtsstabil.

Innerhalb dieser Gruppe unterschieden die Forscher jedoch zwischen Personen, deren Gewicht im Verlauf der vier Jahre mehrfach schwankte, und Personen, deren Gewicht weitgehend konstant blieb. Vereinfacht gesagt: Manche Teilnehmer nahmen zwischenzeitlich ab und wieder zu, sodass sie am Ende nahezu ihr Ausgangsgewicht erreichten, während andere über den gesamten Zeitraum nur geringe Gewichtsschwankungen zeigten.

Anhand regelmäßiger BMI-Messungen teilten die Wissenschaftler die Teilnehmer deshalb in Personen mit ausgeprägtem „Weight Cycling“ (wiederholten Gewichtsverlusten und Gewichtszunahmen) und Personen mit einem stabileren Gewichtsverlauf ein. Anschließend werteten sie MRT-Aufnahmen von Oberschenkel und Knie aus.

Die Forscher wollten wissen, ob wiederholte Gewichtsverluste und Gewichtszunahmen die Muskelmasse und Fettverteilung beeinflussen. Dabei interessierte sie insbesondere, ob solche Veränderungen auch dann auftreten, wenn das Körpergewicht insgesamt stabil bleibt.

Körpergewicht allein sagt wenig aus

Von den insgesamt 1.433 Teilnehmern wurden 77 als sogenannte „Weight Cyclers“ eingestuft. Das sind Menschen, deren Gewicht im Laufe der Jahre immer wieder deutlich zu- und abnahm. Der wichtigste Befund der Studie: Sie verloren innerhalb von vier Jahren durchschnittlich 3,7 Prozent ihrer Oberschenkelmuskulatur. Bei Teilnehmern mit einem vergleichsweise stabilen Gewicht lag der Muskelverlust dagegen nur bei rund einem Prozent. Der Unterschied war statistisch eindeutig.

Anders sah es bei den Fettdepots aus. Zwar nahm sowohl das zwischen den Muskeln eingelagerte Fettgewebe als auch das Fettgewebe in Knienähe im Verlauf der Studie zu. Zwischen den Teilnehmern mit und ohne starke Gewichtsschwankungen gab es dabei jedoch keine bedeutsamen Unterschiede.

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Was das konkret bedeutet

Die Ergebnisse sprechen laut den Autoren dafür, dass wiederholte Gewichtsabnahmen und erneute Gewichtszunahmen mit einem stärkeren Verlust an Oberschenkelmuskelvolumen verbunden sein könnten. Auch dann, wenn das Körpergewicht über Jahre hinweg weitgehend stabil bleibt. Veränderungen des Fettgewebes konnten dagegen nicht nachgewiesen werden.

Die Studie verdeutlicht damit, dass Veränderungen der Körperzusammensetzung nicht allein anhand des Körpergewichts beurteilt werden sollten. Vielmehr könne es gerade im Rahmen einer Gewichtsreduktion wichtig sein, auch den Erhalt der Muskelmasse im Blick zu behalten. Die Studie schloss keine Personen ein, die GLP-1-Medikamente einnahmen. Mit der wachsenden Verbreitung dieser Medikamente zur Gewichtsreduktion dürfte der Aspekt des Muskelerhalts jedoch zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Stärken und Schwächen der Studie

Zu den Stärken der Studie zählen die große Teilnehmerzahl, die vierjährige Beobachtungsdauer sowie die detaillierte Erfassung von Muskel- und Fettgewebe mittels MRT. Zudem berücksichtigten die Forscher zahlreiche mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, BMI und Lebensstil.

Da es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie auf Basis bereits vorhandener Daten handelt, lassen sich aus den Ergebnissen keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten. Eine weitere, aber kleine Einschränkung der Studie liegt in der Auswahl der Probanden. Da alle Teilnehmer ein erhöhtes Risiko für Kniearthrose hatten, lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht eins zu eins auf die breite Bevölkerung übertragen.

Quellen

  1. Marth, A. A., et al. (2026). Association of Weight Cycling with MRI-based Thigh Muscle Quality and Knee-adjacent Obesity: Osteoarthritis Initiative Data. Radiology. DOI: 10.1148/radiol.253988. ↩︎
  2. University of California San Francisco: It’s Not Just Fat, a Yo-Yo Diet Means Losing Healthy Muscle Too. (aufgerufen am 22.07.2026) ↩︎

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