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Trainerin klärt auf

Alles Fake bei Fitness-Influencern – oder tun wir ihnen unrecht?

Fitness spielt auf Social Media eine große Rolle
Fitness spielt auf Social Media eine große Rolle – für die Follower solcher Accounts ist aber nicht immer ersichtlich, wie realistisch das Gezeigte ist Foto: Getty Images
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21. August 2026, 18:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Beim Scrollen durch den TikTok- oder Instagram-Feed sehen wir uns unweigerlich mit perfekt definierten Körpern, makelloser Haut und ideal durchdachten Trainingseinheiten und Diäten konfrontiert. Es scheint, als hätten Fitness-Influencer kein Gramm Fett am Körper und deutlich erkennbare Muskelmasse an genau den richtigen Körperstellen. Was für den einen inspirierend wirken kann, löst in den meisten Frustration über den eigenen Körper sowie die eigene Disziplin aus. Doch wie viel Realität steckt tatsächlich hinter den perfekt inszenierten Fitness-Bildern auf Social Media? Trainerin und FITBOOK-Expertin Alina Bock klärt auf.

Die vermeintlichen Traumkörper von Social-Media-Fitnessgrößen sind meistens das Ergebnis eines perfekten Kamerawinkels, gekonnter Posen und einer professionellen Lichtsetzung. Zudem verschwimmt die Grenze zur Realität durch die fortschreitende Nutzung von Filtern und Bildbearbeitungs-Apps. Dennoch steht außer Frage, dass die gezeigten Personen zweifellos einen überdurchschnittlichen Körperbau aufweisen, der auf harter Disziplin, jahrelangem Training sowie einer gesunden, teils auch sehr restriktiven Ernährung basiert.

Mehr Schein, als Sein: Was Licht, Posing und Kamerawinkel ausmachen

Posen wirken Wunder, wenn es um die Betonung von Muskeln und das Kaschieren von „Schwachstellen“ geht. Wenn man etwa ins Hohlkreuz geht und gleichzeitig den Po herausstreckt, suggeriert diese Pose eine deutlich ausgeprägtere Gesäßmuskulatur, als sie im entspannten Zustand tatsächlich vorhanden ist. Genauso beeinflussen Lichtverhältnisse, Schatten und Kamerawinkel das Gesamtbild, indem sie den Körper muskulöser oder definierter erscheinen lassen. In der richtigen Kombination können diese Faktoren das optische Erscheinungsbild so stark verzerren, dass die Fotografie kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat.

Hinter den Kulissen der Fitness-Szene: Wie Doping und chirurgische Eingriffe Idealkörper erschaffen

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass einige Sportler der Fitness-Szene, insbesondere Bodybuilder, auf bestimmte Hilfsmittel zurückgreifen, um ihre Muskelmasse zu maximieren. Dies ist längst kein Phänomen mehr, das nur auf männliche Athleten zutrifft. Auch in den weiblichen Fitness- und Bodybuildingklassen wird gezielt nachgeholfen. Da im Frauenbereich jedoch primär Substanzen abseits von klassischem Testosteron zum Einsatz kommen, bleiben typisch männliche Attribute oder markante optische Veränderungen oft aus. Die weibliche Ästhetik bleibt also gewahrt, was das Erkennen künstlicher Nachhilfe für den Laien extrem schwierig macht.

Bei der Einnahme leistungssteigernder Substanzen zur Muskelmaximierung bleibt es nicht immer. In der Social-Media-Fitnessszene wird zunehmend auch mit chirurgischen Eingriffen nachgeholfen. Ein Brazilian Butt Lift (BBL), das Unterspritzen von Hip Dips, gezielte Fettabsaugungen oder operative Hautstraffungen sind dabei nur einige der Methoden, die für die künstliche Formung des Körpers zum Einsatz kommen.

Das Problem: Wenn die Transparenz fehlt

Grundsätzlich kann und sollte jeder selbst frei entscheiden, wie er seinen eigenen Körper gestaltet. Problematisch wird es jedoch dann, wenn der Community nicht transparent vermittelt wird, dass künstlich nachgeholfen wurde. Werden dann noch Fitnessprogramme und Diäten mit dem Versprechen verkauft, eine ähnliche Figur wie die des jeweiligen Athleten zu erreichen, grenzt dies an bewusste Täuschung. Wettkampfathleten sprechen oftmals transparent und ehrlich über ihren Lebensstil. Bei Fitness-Influencern verschwimmt die Grenze zwischen Schein und Sein dagegen oft deutlich.

Keine reine Illusion: Wieso es falsch ist, Fitness-Influencern die harte Arbeit an ihren Körpern abzusprechen

Auch wenn Posing, Lichtsetzung, Kamerawinkel und künstliche Hilfsmittel das optische Erscheinungsbild erheblich beeinflussen können, sollte man den Athleten und Influencern der Fitness-Szene die dahinterstehende Disziplin nicht absprechen. Ihre Körper sind trotz dessen hart erarbeitet und das Ergebnis stundenlanger Trainingseinheiten und ideal abgestimmter Ernährung. Hilfsmittel, Licht und Posing dienen in der Regel lediglich der Optimierung statt der kompletten Täuschung, um die ohnehin gut trainierten Körper noch besser zur Geltung zu bringen. Demnach trainieren beispielsweise Profi-Bodybuilder trotz der Zufuhr bestimmter illegaler Präparate härter als die meisten anderen Sportler der Fitness-Szene. Hilfsmittel sind also keine „Zaubermittel“, welche den Körper von heute auf morgen in den persönlichen Wunschzustand bringen. Vielmehr müssen Faktoren wie Ernährung, Training sowie Regeneration weiterhin permanent auf absolutem Höchstniveau optimiert und aufeinander abgestimmt sein.

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Beruf vs. Hobby: Der ungleiche Zeitaufwand im Alltag

Ein wesentlicher Aspekt, der gegen einen direkten Vergleich mit Fitness-Influencern spricht, ist zudem der Faktor Zeit. Insbesondere bekannte Fitnessgrößen und ‑Influencer verdienen mit Fitnesscontent sowie Werbepartnern ihren Lebensunterhalt. Ihr Körper ist demnach ihr Kapital – und das Training ein fester Teil der täglichen Arbeit. Geht man nun einem regulären Beruf nach, hat das Training im Alltag verständlicherweise eine andere Priorität. Ein direkter Vergleich ist daher schlichtweg unrealistisch, da die zeitlichen Rahmenbedingungen völlig unterschiedlich sind. Während für den einen die Körperoptimierung im Zentrum des Berufslebens steht, ist sie für die meisten Menschen ein Hobby, das neben den Verpflichtungen im Alltag Platz finden muss.

Fazit

Interessieren wir uns für Fitnesscontent, kommen wir früher oder später in Kontakt mit Social-Media-Fitnessbildern. Häufig entsteht dabei der Wunsch nach einem vergleichbaren optischen Erscheinungsbild. Der Trugschluss dahinter liegt jedoch darin, dass viele Fitnessgrößen auf Social Media dieses Aussehen primär durch Faktoren wie Posing, Kamerawinkel und Bearbeitungs-Apps erzielen – und quasi nicht einmal selbst so aussehen.

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