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Forscher identifizieren

Ein Faktor führt womöglich zu mehr Herzerkrankungen als Rauchen

Faktor für Herzerkrankungen: Bleibelastung
Herzerkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache Foto: Getty Images / Mohammed Haneefa Nizamudeen
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

10. März 2026, 3:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Rauchen ist nicht nur schlecht für die Lunge, sondern auch für das Herz. Der Tabakkonsum gilt als eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch womöglich gibt es etwas, was für das Herz sogar noch schädlicher ist als das Rauchen. FITBOOK erklärt, was eine Studie aus dem Jahr 2023 diesbezüglich herausgefunden hat.

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) sterben in Deutschland jährlich rund 359.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.1 Das Statistische Bundesamt schlüsselte die häufigsten Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen für das Jahr 2024 auf und kam dabei auf rund 250.000 Herztote.2 Weltweit sterben rund neun Millionen pro Jahr (Stand 2019).3

Vielfach stehen Herzerkrankungen im Zusammenhang mit Tabakkonsum. Dieser kann Arteriosklerose verursachen und bis zum Herzinfarkt führen. Laut der WHO ist der Tabakkonsum für circa 21 Prozent der Herztodesfälle weltweit verantwortlich, was etwa 1,9 Millionen Fälle (Stand 2020) ausmacht.4 Doch womöglich ist ein anderer Faktor weltweit sogar für noch mehr Herzerkrankungen verantwortlich als das Rauchen: die Bleikonzentration im Blut. So lautet das Ergebnis einer Studie von 2023. Innerhalb des Jahres 2019 waren weltweit schätzungsweise mehr als fünf Millionen Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Erwachsenen auf ihre Bleiexposition zurückzuführen. Bei Kindern könnte das sogar Auswirkungen auf den IQ haben. Vor allem Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind betroffen.

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Die Studie

Bei der in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Studie handelt es sich um eine Modellstudie, die sich auf Daten aus der „Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study“ (GBD) beruft.5 Für ihre Modellrechnungen nutzten die Forscher der The World Bank in Washington, Informationen über die Bleikonzentration im Blut von Menschen aus 183 Ländern. Diese beruhten auf Schätzungen zur Bleikonzentration im Blut der einzelnen Länder aus dem Jahr 2019.

Mithilfe geeigneter Modelle und Analyseverfahren errechneten die Forscher zum einen den IQ-Verlust bei Kindern unter fünf Jahren in der Weltbevölkerung. Zum Verständnis: Es ist bereits seit Längerem bekannt, dass Blei im Körper die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen kann.6

Zum anderen schätzten die Wissenschaftler die durch Bleiexposition bedingten kardiovaskulären Todesfälle bei Menschen im Alter von 25 Jahren und älter. Dafür kam ein Modell zum Einsatz, das sich in der Wissenschaft für die Schätzung der Auswirkungen bestimmter Faktoren auf die Gesundheit etabliert hat. Mithilfe dieses Modells bewerteten die Forscher den Effekt von Bleibelastung auf die Herzgesundheit nicht nur, wie sonst üblich, anhand der Auswirkungen auf den Blutdruck. Sie berücksichtigten auch weitere, auf das Herz einwirkende, Mechanismen, wie z. B. die Verhärtung von Arterien.

Todesfälle aufgrund von Herzerkrankungen durch Blei

Laut dem Modell könnte der Effekt von Blei als Faktor für Herzerkrankungen dramatische Auswirkungen haben. Geschätzt starben 2019 weltweit 5.545.000 Erwachsene aufgrund ihrer Bleiexposition an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rund 90 Prozent der herzkreislaufbedingten Todesfälle aufgrund von Bleibelastung traten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf. In totalen Zahlen waren es 5.004.000 Todesfälle. Damit war die Zahl der Todesfälle dort sechsmal höher als die einer Schätzung des GBD aus dem Jahr 2019.

Effekt von Blei auf Kinder

Die Modellrechnung ergab, dass im Jahr 2019 weltweit Kinder unter fünf Jahren schätzungsweise 765 Millionen IQ-Punkte aufgrund von Bleibelastung verloren. 729 Millionen der insgesamt 765 Millionen verlorenen IQ-Punkte (also 95 Prozent des globalen IQ-Verlustes bei Kleinkindern) verzeichneten die Wissenschaftler in Ländern mit überwiegend mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau. Dort war der berechnete IQ-Verlust fast 80 Prozent höher als in einer früheren Schätzung der GBD.

Einordnung der Studie

Die Studie ermittelte die dramatischsten Zahlen zu Bleibelastung und Todesfällen für Südostasien, den Mittleren Osten und Afrika. Weniger schlimm sah es in Europa und Zentralasien aus. Wichtig ist aber: Es handelte sich um Modellrechnungen aufgrund von geschätzten Daten. Den Forschern lagen keine realen Messungen aus den unterschiedlichen Ländern vor. Damit kann die Studie nur die potenzielle, nicht aber die tatsächliche Gefahr skizzieren.

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Weitere Studie zeigt Gefahr durch Blei

Auch eine Untersuchung von 2024, die sich auf Daten aus „Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study“ (GBD), konnte zeigen, dass Bleiexposition ein ernst zu nehmender Faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.7 Forscher der Jiaotong University (China) schauten sich explizit Todesfälle an, die auf Blei zurückzuführen waren. So brachten sie 0,85 Millionen Todesfälle im Jahr 2019 mit bleibedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang. Das entsprach dem 1,7-Fachen des Wertes für das Jahr 1990.

Im folgenden Video gibt Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis Tipps, um Herzerkrankungen zu vermeiden:

Blei in Deutschland

In Deutschland ist die Bleibelastung in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, etwa durch Maßnahmen wie das Benzinbleigesetz, das 1971 entworfen und 2020 angepasst wurde.8 Dieses führte dazu, dass die Bleibelastung durch den Straßenverkehr zurückging.9

Aber auch auf anderen Wegen können Menschen in Deutschland mit dem giftigen Schwermetall in Berührung kommen. Dieses findet sich teils in Böden, in alten Gebäuden kann es durch Bleirohre ins Trinkwasser gelangen.10,11 Letzteres sollte man als Hausbesitzer oder Mieter im Zweifel prüfen lassen.

Quellen

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (dfkz). Fakten zum Rauchen. (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  2. Statistisches Bundesamt. Häufigste Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2024 (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  3. Statista. Häufigste Todesursachen weltweit im Jahr 2019. (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  4. WHO. Tabakkonsum und Passivrauchen werden für mehr als 20% der Todesfälle aufgrund von koronarer Herzkrankheit verantwortlich gemacht (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  5. Larsen, B., Sánchez-Triana, E. (2023). Global health burden and cost of lead exposure in children and adults: a health impact and economic modelling analysis. The Lancet. ↩︎
  6. Marshall, A.T., McConnell, R., Lanphear, B. et al. (2021) Risk of lead exposure, subcortical brain structure, and cognition in a large cohort of 9- to 10-year-old children. PLoS One. ↩︎
  7. Dang, P., Tang, M., Fan, H. et al. (2024). Chronic lead exposure and burden of cardiovascular disease during 1990-2019: a systematic analysis of the global burden of disease study. Front Cardiovasc Med. ↩︎
  8. Bundesministerium der Justiz. Gesetz zur Verminderung von Luftverunreinigungen durch Bleiverbindungen in Ottokraftstoffen für Kraftfahrzeugmotore (Benzinbleigesetz - BzBlG). (aufgerufen 9.3.2026) ↩︎
  9. Umwelt für Bundesamt. Blei im Feinstaub. (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  10. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoff (BGR). Karte der Hintergrundwerte von Blei in den Böden in Deutschland (Grundlage: Bodenübersichtskarte 1:1.000.000). (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎
  11. Umweltbundesamt. Bleirohre: Blei im Trinkwasser ist gesundheitsgefährdend. (aufgerufen am 9.3.2026) ↩︎

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