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Logorrhoe

Was Sie über „Sprechdurchfall“ wissen sollten

Mann spricht ohne Punkt und Komma
Wenn man ohne Punkt und Komma redet, könnte eine ernste Erkrankung der Grund sein
Foto: Getty Images

Menschen, die nicht aufhören können zu reden, haben oftmals nur zu tief ins Glas geschaut. Manchmal versteckt sich hinter dem Sprechdurchfall – oder Logorrhoe, wie es medizinisch heißt – aber eine ernste Erkrankung. Fakt ist: Vollgelabert zu werden, nervt gewaltig. Ein Psychiater erklärt FITBOOK, was es mit der krankhaften Geschwätzigkeit auf sich hat und wie man jemanden mit Logorrhoe stoppen kann.

Wer ohne Punkt und Komma redet und redet, beherrscht eines nicht: Die hohe Kunst der Konversation. Denn dann würde man auch mal den anderen zu Wort kommen lassen. Menschen mit gesteigertem Rededrang nerven ihre Mitmenschen jedoch mit Belanglosigkeiten, verpackt in einen nicht enden wollenden Wortschwall. Passiert das auf einer Party, ist die Ursache meist klar – zu viel Alkohol. Oder „Sabbelwasser“, wie das die Hamburger nennen.

 Manchmal versteckt sich dahinter auch eine schwere psychische Erkrankung wie Schizophrenie oder eine bipolare Störung. Dann schwanken Betroffene zwischen Manie und Depression, sind also mal sehr traurig, mal super glücklich.

Krankheitsursache der Manie nicht geklärt

Was die Ursachen einer Manie oder Schizophrenie sind, ist Gegenstand intensiver Forschung. Auffällig: Es gibt familiäre Häufungen, insofern gibt es einen gewissen erblichen Anteil. Das gilt jedoch nicht immer. Der Berliner Psychiater Dr. Achim Köhler erklärt: „Krankheitsphasen können durch belastende Erlebnisse wie Tod oder schwere Erkrankung von Angehörigen oder Arbeitsplatzverlust ausgelöst werden, es gibt jedoch auch Krankheitsschübe ohne erkennbare Ursache.“

Was aber geht im Gehirn vor, wenn jemand in einer Manie nicht mehr aufhören kann zu reden? Letztlich ist davon auszugehen, dass sich bei einer Manie biochemische Prozesse auf der Ebene der Zellen abspielen. „Dann sind die Neurotransmitter, also die Botenstoffe, die die Erregung einer Nervenzelle auf die nächste übertragen, beeinträchtigt“, sagt Köhler.

Wie zeigt sich eine Manie?

Typisches Anzeichen für eine Manie ist die Antriebssteigerung. Betroffene sind dann hyperaktiv. Ihnen rasen zudem Gedanken und Ideen nur so durch den Kopf. Mediziner nennen das Symptom „Ideenflucht“. Und das zeigt sich dann auch in einem gesteigerten und zusammenhanglosen Redefluss. „Eine Logorrhoe spiegelt letztlich also das wider, was in dem Kopf der Betroffenen vorgeht. Das ist für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar“, so Köhler.

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Kann man Logorrhoe behandeln?

Hat jemand zu viel „Sabbelwasser“ getrunken, ebbt der krankhafte Rededrang in der Regel ab, wenn der Betroffene ausnüchtert. Bei einer schweren Logorrhoe sollten Betroffene aber zum Neurologen oder Psychiater gehen. Steckt eine Manie dahinter, ist die Behandlung vielschichtig. Im Vordergrund stehen Medikamente, Psychotherapie und Soziotherapie.

Die Behandlung kann mitunter aber schwierig werden. Grund: Maniker merken meist gar nichts von ihrer Erkrankung. Viele Betroffene können sich zwar auf entsprechende Behandlungsangebote einlassen. „Aber es gibt auch Fälle, in denen keine Krankheitseinsicht besteht und bei denen dann auch Zwangseinweisungen erforderlich sind, wenn es im Rahmen der Erkrankung zu Eigen- und Fremdgefährdung kommt“, erklärt Dr. Köhler. Dann kann auch eine Zwangsmedikation erforderlich werden.

Aus gutem Grund ist solch eine gravierende Maßnahme aber nur unter klaren gesetzlichen Vorgaben möglich. Nötig ist eine Entscheidung vom Gericht nach Vorliegen eines psychiatrischen Gutachtens. Wichtig: Der Betroffene muss sich oder andere durch sein aggressives Verhalten gefährden.

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Wie kann man die Bremse ziehen?

Wer schon einmal nicht zu Wort gekommen ist, weiß: Es ist schwierig, jemanden zu stoppen, dem so viel durch den Kopf geht. Köhler rät in solch einem Fall: „Am besten ist es, eine klare Rückmeldung zu geben, dass man dem Gedankenfluss nicht folgen kann und dieser für einen auch keinen Sinn ergibt. Ebenso sollte man ausdrücken, dass die Person einem wichtig ist und man sie nicht zurückweisen will und dass es am besten sei, wenn die Betroffenen fachliche Hilfe erhalten, und man dabei auch behilflich sein möchte.“

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