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Forscher haben untersucht

Was bringt eigentlich das Stöhnen beim Tennis?

Maria Sharapova
Maria Sharapova (32) hört auf den Spitznamen „Queen of Screams“, also „Schreikönigin“. Ob ihr lauter Geräuscheausstoß (nur) ihr Gegenüber aus dem Konzept bringt – oder ihr selbst auch einen Vorteil verschafft?
Foto: Getty Images

Zu den typischen Geräuschen bei einem Tennis-Match gehört – neben dem Aufprallen des Balls auf Schlägerbespannung und Platz – häufig auch ein lautes Stöhnen. Als Zuschauer kann man sich schon mal fragen, was diese irritierenden Laute bringen sollen. Und genau darauf haben deutsche Forscher nun spannende Antworten gefunden.

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Unter anderem Martina Navratilova (62), eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten, hat sich im Wimbledon-Halbfinale 1992 bei der Schiedsrichterin darüber beschwert, wie laut ihre Gegnerin Monica Seles stöhnte. Und auch die noch aktive Tennislegende Roger Federer (37) hat öffentlich gemacht: Er könne ein Stöhnen bei seinem Gegner bis zu einem gewissen Grad tolerieren, „aber es gefällt mir nicht, wenn es zu laut wird oder in Schlüsselmomenten vorkommt. Das ist unsportlich.“

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Ist es das? Also: Lenkt das Stöhnen des Gegenspielers ab und sorgt somit für einen Wettbewerbsvorteil für den „Stöhenden“? Dieser Frage ist ein Forscherteam um Dr. Florian Müller und Prof. Dr. Rouwen Cañal-Bruland vom Institut für Sportwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf den Grund gegangen. Details zur Studie wurden auf der Online-Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht. FITBOOK hat darüber direkt mit einem der Verantwortlichen gesprochen.

Martina Navratilova

1990 war Martina Navratilova als Tennisspielerin aktiv – und immer reichlich genervt davon, wenn ihre Gegnerinnen auf dem Platz laut stöhnten
Foto: Getty Images

Vor- oder Nachteil – was bringt Stöhnen beim Tennis wirklich?

„An der Studie haben insgesamt 31 Tennisspieler eines regionalen Clubs teilgenommen“, berichtet uns Dr. Müller. Alle von ihnen seien Männer gewesen, die auf Amateurniveau spielten, und zwar „im Schnitt durchschnittlich zweimal pro Woche.“ Ihnen wurden Szenen aus dem professionellen Tennis vorgespielt, auf denen Bälle – unter Stöhnen – geschlagen wurden. Die Studienteilnehmer sollten daraufhin den Auftreffpunkt möglichst genau angeben. Um zu ermitteln, inwieweit die Lautstärke des Stöhnens das Urteil der Probanden beeinflusste, manipulierten die Forscher den Regler.

Je lauter gestöhnt wird, desto weiter fliegt der Ball

Je lauter das Stöhnen (von den Forschern eingestellt) war, das den Schlag begleitete, desto größer die Distanz, die der Ball zurücklegte. So lautete die Einschätzung der Probanden. Dr. Müller hält für denkbar, dass sie „die physiologischen Vorteile“ durch das Stöhnen berücksichtigt haben, die sie aus eigener (Tennis-)Erfahrung kennen dürften.

Warum stöhnt man überhaupt?

Ob beim Tennis oder bei anderen Aktivitäten und Anstrengungen: „Betrachtet man einschlägige Studien zum Thema, scheint Stöhnen tatsächlich die Kraftübertragung zu optimieren“, erklärt der Sportpsychologe. Er bezieht sich dabei unter anderem auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2014, die unter der Leitung des Wissenschaftlers Dennis G. O’Connel an der Hardin-Simmons-Universität im texanischen Abilene durchgeführt wurde. Durch Stöhnen, also starkes Ausatmen, sollen sich Kräfte mobilisieren lassen – etwa durch Aktivieren der Bauchmuskeln. „Insofern hat man damit einen Vorteil“, schließt Dr. Müller, „oder besser gesagt, man vermeidet einen Nachteil.“ Zumindest, was das Körperliche anbetrifft.

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Weitere Untersuchungen geplant

„Für die Zukunft interessiert uns zunächst, wie sich die berichteten Effekte verhalten, wenn man die Probanden unter Zeitdruck entscheiden lässt“, berichtet Dr. Müller. In der aktuellen Studie sollen die Teilnehmer in Ruhe überlegt haben können, wo auf dem Platz der Ball auftreffen würde – ein Szenario, das schließlich nicht der Realität entspricht. Um also noch mehr über die Wahrnehmung beim Tennisspiel zu erfahren, seien weiterführende Untersuchungen in Planung.