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Profis verraten

13 Tipps, mit denen Sie ein besserer Darts-Spieler werden

Darts-Spiel: Tipps
Ein paar Tipps können schon ausreichen, um beim Darts erfolgreicher zu seinFoto: Getty Images

Pfeile und Board sind schnell gekauft, die Regeln bekannt. Doch so simpel ist Darts nicht. 13 Tipps, mit denen Sie Ihr Darts-Spiel schnell verbessern. Alles beginnt mit der okularen Dominanz.

Immer mehr Deutsche spielen Darts. Die Ausrüstung ist erschwinglich, das Regelwerk unkompliziert, Fernsehübertragungen haben den Einstieg erleichtert. Dadurch weiß auch der Laie, dass Rechtshänder – anders als beim Ballwurf – das rechte Bein nach vorn stellen, Linkshänder das linke. Auch, dass der Dart wie ein Stift in der Hand gehalten werden sollte, ist hinlänglich bekannt. Wie aber verbessere ich als Anfänger mein Spiel? Was soll ich trainieren, um schnell Sicherheit zu erlangen und mich zu verbessern? 13 Profi-Tipps, mit denen Sie garantiert ein besserer Darts-Spieler werden.

Bestimmen Sie Ihr dominantes Auge!

Um effektiv auf die Felder zielen zu können, müssen Sie zunächst wissen, welches Auge für Sie relevant ist. Das Anvisieren sollte stets über Ihr dominantes Auge erfolgen. Bei der Bestimmung hilft Ihnen ein Test: Deuten Sie mit einem Pfeil oder Finger auf einen festen Punkt, etwa das Bullseye. Schließen Sie nun das rechte Auge. Zeigt Ihr Dart immer noch auf das Ziel? Falls ja, dann ist Ihr linkes Auge Ihr dominantes. Wenn Sie nun das rechte Auge öffnen und das linke schließen, werden Sie feststellen, dass Ihr Pfeil deutlich am Ziel vorbeizeigt.

Bei etwa zwei Dritteln der Menschen dominiert allerdings das rechte Auge. Wenn Sie dazu gehören, wird Ihr Finger entsprechend beim Schließen des rechten Auges das Ziel verfehlen. Ein Test, der eindrucksvoll verdeutlicht, was passiert, wenn Sie über das falsche Auge zielen. Perfekte Voraussetzung haben alle, bei denen dominantes Auge und Wurfhand auf verschiedenen Körperseiten liegen. Studien haben gezeigt, dass Kreuzdominanz positive Auswirkungen auf das Zielen hat, explizit beim Golf und Darts.

Verkürzen Sie die Entfernung!

Statt sich frontal und mit den Fußspitzen nach vorn an die Abwurflinie (Oche) zu stellen, sollten Sie den Fuß parallel, höchstens aber in einem Winkel von 45 Grad, zur Linie positionieren. Zudem verlagern Sie das Gewicht auf den vorderen Fuß und lehnen sich mit dem Oberkörper leicht in Richtung Board. Das gibt Ihnen die nötige Stabilität und verkürzt die Entfernung zwischen Pfeil und Scheibe.

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Denken Sie zweidimensional!

Im Darts geht es um Automatismen. Der Stand, das Halten des Pfeils und der Wurf sollten in einem festen, immer gleichen Ablauf erfolgen – unabhängig davon, auf welches Feld gezielt wird. Das Ziel muss daher lauten, die dritte Dimension auszublenden, wie Weltmeister und TV-Experte John Part erklärt: „Wenn es mir gelingt, dieses technische Spiel aus der wirklichen dreidimensionalen Welt herauszunehmen und es in einer nur noch zweidimensionalen Welt zu spielen, wird meine Aufgabe exponentiell einfacher. Nimm alle Elemente – mein Auge, Schulter, Arm, Ellbogen, Hand, den Dart und das Ziel – und platziere sie alle in einer imaginären vertikalen Ebene. Nun beschränke alle Bewegungen auf diese zweidimensionale Ebene.“

Voraussetzung dafür ist die automatisierte Wurfbewegung mit einem immer gleichen Abwurfpunkt in der Aufwärtsbewegung. Es gilt, exakt den Punkt zu finden, an dem die Gravitation optimal ausgeglichen wird.

Setzen Sie wirkungsvoll den Ellbogen ein!

Um den gewünschten Katapult-Effekt beim Wurf zu erreichen, bietet sich der Ellenbogen als wirkungsvolles Hilfsmittel an. Sie haben mit dem Pfeil – über Ihr dominantes Auge – auf das Board gezielt, Ober- und Unterarm bilden einen rechten Winkel, nun müssen Sie sich angewöhnen, im nächsten Moment den Ellbogen in Richtung Board durchzudrücken und zu dehnen.

Das mag sich anfangs zwar etwas befremdlich anfühlen, doch das Konzentrieren auf diese eine Bewegung garantiert Ihnen drei Dinge: Ihr Arm erhält das für den Wurf nötige Maß an Spannung, die Schulter wird unter das Kinn gezogen und die Ausholbewegung korrekt und vollständig ausgeführt. Einer der häufigsten Anfängerfehler ist das Auslassen oder nur Andeuten der Rückholbewegung vor dem Abwurf.

Nutzen Sie das „Following through“!

Vermeiden Sie es, die Darts mit Fingerkraft auf die Scheibe zu schnippen oder zu tippen. Die Geschwindigkeit des Pfeils ergibt sich allein aus Ihrem katapultiererenden Unterarm. Zum Ende der Wurfbewegung sollte Ihr Arm Richtung Board zeigen und vollständig ausgestreckt sein. Das Handgelenk ist dabei abgeklappt.

Auch wenn sich Ihnen der Sinn der Nachwurfbewegung womöglich nicht erschließt, wird Ihnen das sogenannte Following Through mittelfristig helfen, um einen konstant gleichen Abwurfpunkt zu treffen.

Bleiben Sie immer ruhig!

Vermeiden Sie während des Wurfs unnötige Bewegungen wie Tippeln, Wackeln, Wippen oder gar Hüpfen. Bei der Ausholbewegung in die Knie zu gehen und beim Wurf den Körper nachzuschieben, mag optisch Entschlossenheit dokumentieren. Ihr Ergebnis aber wird es nicht verbessern. Mit Ausnahme von Unterarm und Wurfhand sollte sich der Körper nicht bewegen. Bleiben Sie ruhig. In jeder Situation.

„Wenn man mit Freunden ans Board geht, können sich die Spieler gegenseitig beobachten und darauf hinweisen, ob sich außer dem Unterarm etwas bewegt“, sagt der deutsche Dartspieler Martin Schindler: „Manchmal merkt man das ja selber gar nicht.“

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Werfen Sie auch mit dem falschen Arm!

Wer Probleme hat, sich auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren oder bereits zu viele Fehler in seinen Automatismus eingeschliffen hat, sollte immer mal wieder mit dem anderen Arm werfen. Vielen fällt es leichter, sich so mit dem Bewegungsablauf vertraut zu machen.

Zielen Sie auf größere Felder!

Um ein Gefühl für Wurfbewegung, Entfernung und das Board zu bekommen und dennoch schnell Erfolgserlebnisse zu feiern, sollten Anfänger die 20-Felder-Aufteilung samt Doppel, Triple und Bullseye zunächst vernachlässigen. Teilen Sie die Scheibe stattdessen in vier Bereiche: rechts oben, rechts unten, links unten, links oben.

Versuchen Sie nun durchgängig eines der Viertel zu treffen. Bei 20 Treffern in Folge, wechseln Sie auf das nächste Viertel. Wenn Sie sich sicher fühlen, ändern Sie die Aufteilung und versuchen, konstant das Viertel zwischen den Zahlen 12 (linke Grenze) und 18 (rechte Grenze) zu treffen. Das nächste Level wäre die Verkleinerung auf drei Felder mit linker Grenze 5 und der 1 rechts. Gelingt Ihnen auch hier eine entsprechende Serie, sind Sie bereit, um sich einzig der 20 zu widmen. Die Annäherungsübung lässt sich natürlich auch auf jedes andere Feld anwenden.

Machen Sie die Gummiband-Analyse!

Wenn Sie Ihre Wurfbewegung automatisiert und erste Sicherheit auf den Feldern gewonnen haben, sollten Sie sich einer ersten Analyse unterziehen. Teilen Sie das Board dazu vertikal in linke und rechte Hälfte. Am einfachsten geht das mit einem dünnen Gummiband, das Sie am Zahlenkranz einhängen können. Werfen Sie nun 100 Darts auf die 20 und notieren Ihre Ergebnisse auf einem vorgefertigten Blatt.

Sie können sich diese Skizze auch im Internet herunterladen. Nach den 100 Würfen ergibt sich ein Trefferbild, das Aufschluss gibt, ob Sie tendenziell zu hoch, zu tief, zu weit links oder rechts anhalten. Korrigieren Sie entsprechend. Ziel sollte immer sein, mit Ihren Pfeilen so nah wie möglich am Gummiband und auf Höhe des Triples zu landen.

Bauen Sie Variationen ins Training ein!

Verwechseln Sie diese Analyse nicht mit einer Trainingseinheit. Die Triple-20 ist als bester Punktelieferant zwar ein wichtiges Feld auf dem Board. Doch im Training ist Variation gefragt. Die Monotonie sollte sich auf die Wurfbewegung beschränken, ansonsten drohen Langeweile und Konzentrationsverlust. Zumal Sie im Spiel zumindest am Ende andere Zahlen und Doppelfelder zum Sieg benötigen.

Machen Sie daher Zielübungen auf verschiedene Single-, Doppel- und Triplefelder, statt nur auf die 20 zu werfen oder ausschließlich 501 Punkte runterzuspielen. Simulieren Sie Check-out-Wege, indem Sie versuchen, 60 Punkte zu checken. Oder beginnen Sie bei 170, dem höchstmöglichen Drei-Dart-Finish, statt bei 501 Punkten. Das steigert die Effizienz.

Dokumentieren Sie Ihre Ergebnisse!

Wie viele Darts haben Sie gebraucht? Wie hoch war Ihre Punktzahl? Notieren Sie Ihre Ergebnisse in den verschiedenen Spielen und Übungen! Berechnen Sie Ihren Durchschnitt! Halten Sie persönliche Rekorde und Bestmarken fest! Erst durch das Dokumentieren werden Ihre Leistungen vergleichbar und Ihr Fortschritt wird sichtbar. Eine Tafel, ein Trainingsbuch oder zumindest Stift und Zettel sollten zu Ihrem Training dazugehören wie Pfeile und Board.

Werfen Sie sich 30 Minuten ein!

Wundern Sie sich nicht über schlechte Ergebnisse zu Beginn Ihrer Trainingseinheiten. „In den ersten Minuten wirft jeder Mensch erst einmal Schrott zusammen“, sagt John Part. Auch die Profis werfen sich etwa 30 Minuten vor Spielbeginn auf dem Practice Board hinter der Bühne ein. „Die Hand-Augen-Koordination muss sich auf das Dartspiel einstellen. Mit mehr Übung wird die Aufwärmphase kürzer, aber gerade bei Einsteigern kann jene schon einmal 20 bis 30 Minuten dauern. Wenn du nur 20 Minuten Zeit hast, spiele gar nicht erst: Du wirst nicht gut sein“, rät der kanadische Weltmeister von 1994, 2003 und 2008.

Andererseits sollten Sie auch nicht zu lange ohne Unterbrechung am Board stehen. „Maximal eine Stunde“, sagt Martin Schindler, „dann machen Sie eine Pause und beschäftigen sich mit etwas anderem: „Drei, vier Stunden am Stück sind nicht ratsam. Das Spielniveau wird sinken.“

Der imaginäre Gegner

„Die Technik macht 50 Prozent aus, das Mentale die andere Hälfte“, sagt Martin Schindler. Was er meint: Ausgefeilte Technik und Trainingsfleiß sind Grundvoraussetzung, leider aber keine Garantie für Erfolge bei Turnieren. Selbst beim Match gegen den Kumpel in der Kneipe oder zu Hause entstehen regelmäßig Drucksituationen. Ihr Spiel gegen diese speziellen Belastungen zu immunisieren, ist die große Kunst. Spielen Sie im Training daher stets gegen einen imaginären Gegner, dessen Wurfdurchschnitt Sie Ihrer aktuellen Spielstärke anpassen. Wem das Notieren und Rechnen zu nervig ist, versorgt sich mit entsprechender Software oder einer Darts-App.

Dieser Beitrag von Lutz Wöckener erschien zuerst in WELT.

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