8. Oktober 2025, 13:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Warmer Tee oder kalte Cola? Eine aktuelle Untersuchung aus den USA zeigt, wie sich die Temperatur von Getränken auf unsere psychische Gesundheit auswirken kann. Es handelt sich um die erste Studie dieser Art, die altes Wissen aus der traditionellen asiatischen Medizin beleuchtet.
Fühlen Sie sich ängstlich, haben Verdauungsprobleme oder können Sie schlecht schlafen? Dann könnte dies mit der Temperatur Ihrer Getränke und Speisen zusammenhängen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der San Diego State University, die aktuell in der Fachzeitschrift „British Journal of Nutrition“ veröffentlicht wurde.1 Dies gilt besonders für Personen, die zu kalten Händen neigen, sowie für die aktuell kühler werdende Jahreszeit. FITBOOK-Autorin Friederike Ostermeyer erklärt die wichtigsten Ergebnisse der Studie und zeigt, welche Getränke und Speisen Ihre psychische Gesundheit in den kommenden Monaten womöglich verbessern können.
Darum wurde die Studie durchgeführt
In asiatischen Traditionen, beispielsweise in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oder im Ayurveda, wird angenommen, dass der Verzehr kalter Lebensmittel mit einer Reihe gesundheitlicher Probleme in Verbindung steht. In der westlichen Medizin wurde dieser Frage bislang keine Beachtung geschenkt. Da Angstzustände, Magen-Darm-Probleme und Schlaflosigkeit jedoch immer häufiger auftretende Phänomene in der Gesamtbevölkerung sind, wollten die Forscher einen möglichen Zusammenhang untersuchen. Dazu rekrutierten sie US-weit 212 Amerikaner mit asiatischem und 203 mit europäischem Hintergrund. Damit wollten sie zusätzlich prüfen, ob die ethnische Herkunft möglicherweise einen Unterschied macht.
So lief die Untersuchung ab
Die Teilnehmer erhielten Fragebögen, in denen sie angeben mussten, wie häufig sie in den vergangenen 12 Monaten heiße und kalte Getränke oder Speisen zu sich genommen hatten. Dabei wurde nach Sommer und Winter getrennt. Ebenso gaben sie an, wie oft und wann depressive Symptome, Angstgefühle, Verdauungsbeschwerden und Schlaflosigkeit auftraten und ob sie zu kalten Händen neigten. Berücksichtigt wurden auch Daten wie BMI, Alter, Rauchen, Alkoholkonsum und stressige Lebensereignisse.
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Unterschiede zwischen den Ethnien
Mit ihrer alten TCM-Regel scheinen Asiaten tatsächlich gut beraten zu sein. Bei ihnen zeigte sich, dass kalte Getränke, insbesondere im Sommer, psychische Probleme wie Ängste, Schlaflosigkeit und ein Völlegefühl begünstigen können. Die Effekte waren sogar stärker bei Personen, die häufig kalte Hände haben. Forscher vermuten, dass dies mit ihrem Darmmikrobiom, ihren Ernährungsgewohnheiten oder den durch Kälte verengten Blutgefäßen zusammenhängen könnte. Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen bisher jedoch (noch) keine Kausalität.
Ebenso interessant sind die Ergebnisse für Menschen europäischer Abstammung. Warme Getränke und Speisen tun ihrer psychischen Gesundheit im Winter besonders gut. So lindert der tägliche Genuss von Tee, Suppen und Co. Winterdepressionen, verbessert den Schlaf und reguliert die Verdauung. Auch hier profitieren wieder alle, die zu kalten Händen neigen, besonders davon. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass die Wärme die Durchblutung verbessert, was sich wiederum positiv auf die Verdauungsprozesse und damit auf das gesamte Nervensystem auswirkt.
Im Winter gilt: Innerlich wärmen ist gut für die Seele
„Etwas so Einfaches wie die Temperatur unserer Speisen und Getränke kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, erklärt Studienleiterin Tianying Wu in einer Universitätsmitteilung.2 „Das macht unsere Ergebnisse für alltägliche Entscheidungen von besonderer Bedeutung.“ Ob wohlig-warmer Tee oder eine kalte Cola, kann also einen enormen Unterschied machen, wie gut wir durch den Winter kommen. Wu vermutet sogar, dass Personen mit schlechter Durchblutung besonders darauf achten sollten. Ob sich dies bewahrheitet, beabsichtigt sie in einer Folgestudie herauszufinden.
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Schwächen der Studie
Obwohl die Untersuchung ethnische Unterschiede und potenzielle Störfaktoren berücksichtigt, gibt es doch einige Schwächen. Da alle Daten zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob hoher Konsum kalter Getränke zu mehr Symptomen führt oder ob Menschen mit Symptomen mehr kalte Getränke trinken. Eine umgekehrte Kausalität kann daher nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können selbstberichtete Daten immer fehlerhaft oder verzerrt sein. Zudem bleibt unklar, ob diese Befunde auf ältere Menschen, Kinder oder andere ethnische Gruppen übertragbar sind.
Das empfiehlt die Studienleiterin
Dennoch liefert die Studie erste wichtige Hinweise darauf, dass die Temperatur unserer Getränke und Speisen unser Wohlbefinden beeinflussen kann. „Versuchen Sie, kalte Getränke und Speisen im Alltag zu reduzieren“, rät Studienleiterin Wu auf Nachfrage von FITBOOK. Auch wenn Personen europäischer Abstammung nicht ganz so empfindlich auf Kälte reagieren wie Menschen asiatischer Herkunft, hat sie bei ihrer Untersuchung dennoch negative Auswirkungen bei ihnen festgestellt. „Dass dies nicht immer sofort spürbar ist, ist vermutlich auf die vergleichsweise größere Muskelmasse zurückzuführen, die wiederum mehr Wärme erzeugen kann.“ Natürlich seien strengere Studien wie Interventions- und Längsschnittstudien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Trotzdem hält sie die aktuellen Erkenntnisse bereits für wissenschaftlich relevant genug, um zumindest diesen Aspekt der Traditionellen Chinesischen Medizin universell zu empfehlen. Warum also nicht ausprobieren? Vielleicht erlebt man ja selbst einen spürbaren Unterschied.