Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Zahngesundheit

Was führt zum Abbau von Zahnschmelz und wie kann man ihn schützen?

Frau mit schönen Zähnen lächelt
Ein gesunder Zahnschmelz ist nicht nur für ein strahlendes Lächeln wichtig. Er schützt unsere Zähne.Foto: Getty Images

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Dennoch kann er durch das Zähneknirschen oder durch säurehaltige Lebensmittel Stück für Stück zerstört werden. Das Fiese daran: Er wächst nicht nach bzw. kann sich nicht regenerieren. FITBOOK erklärt, wie man seinen Zahnschmelz am besten schützt.

Unsere Zähne sind von einer schützenden Schicht umgeben, dem sogenannten Zahnschmelz. Darunter befindet sich das ebenfalls harte Zahnbein (auch Dentin genannt). Gemeinsam bilden sie die Zahnkrone – den sichtbaren Teil eines Zahns. Beide sorgen dafür, dass wir Nüsse knabbern können, einen Apfel durchbeißen oder einen Knoten mit den Zähnen lösen. Obwohl der Zahnschmelz das härteste Material des menschlichen Körpers ist, kann er unwiederbringlich geschädigt werden. FITBOOK erklärt, wodurch Zahnschmelz und das darunterliegende Dentin geschädigt werden und wie Sie Ihren Zahnschmelz stärken können.

Zahnschmelzverlust durch Abrasion

Mit Abrasion meint man die mechanische Abnutzung des Zahnschmelzes. Dies kann einerseits beim Zähneputzen geschehen. Wer zum Beispiel

  • eine zu harte Zahnbürste benutzt,
  • zu stark aufdrückt,
  • zu exzessiv seine Zähne putzt oder
  • nur zahnaufhellende Zahnpasta mit Schleifpartikeln benutzt,

der kann seinen Zahnschmelz dadurch nachhaltig schädigen.

Eine weitere mechanische Abnutzung passiert beim Zähneknirschen – der Fachausdruck lautet hier Bruxismus. Das Gemeine dabei ist, dass es oft nachts im Schlaf von uns unbemerkt geschieht. Wenn man morgens nach dem Aufwachen Kieferschmerzen oder Verspannungen im Kauapparat spürt, ist es sehr wahrscheinliches ein Indiz dafür, dass man nachts mit den Zähnen geknirscht hat.

Auch interessant: Wie gefährlich sind „tote Zähne“ für die Gesundheit?

Die Problematik mit dem Zähneknirschen

Obwohl der Zahnschmelz härter als jeder Knochen im Körper ist, kann auch er dem enormen Kaudruck des Gebisses nicht dauerhaft standhalten. Wie die Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik berichtet, kann die punktuelle Kaukraft bis zu 800 Newton betragen und im Schlaf 20 bis 40 Minuten lang anhalten. Als Resultat drohen Risse im Zahnschmelz, Defekte am Zahnhals bis hin zu Absplitterungen. Im fortgeschrittenen Stadium erkennt man den Verlust des Zahnschmelzes und des Dentins durch eine Verkürzung der Zähne: Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes abgeschliffen.

Meistens verursachen zwei Faktoren das Zähneknirschen. Zum einen sind sogenannte Störkontakte im Kauapparat dafür verantwortlich. Schiefe Zähne, Zahnlücken, zu hohe Füllungen oder Zahnkronen können zu Fehl- oder Frühkontakten im Gebiss führen, an denen man sich im Schlaf regelrecht abarbeitet. Zum anderen führt auch Stress im Alltag zu Verspannungen im Kausystem und dem daraus resultierenden Zähneknirschen. So muss man die Ursachen für das Zähneknirschen erkennen und beseitigen, sonst ist der Verlust des Zahnschmelzes nicht aufzuhalten.

Auch interessant: Hilfreiche Übungen bei Kieferspannungen und Knirschen

Zahnschmelzverlust durch Erosion

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Zahnschmelzverlust ist die sogenannte dentale Erosion. Damit meint man die Schädigung des Zahnschmelzes durch die direkte Einwirkung von Säuren. Dabei wird zunächst der Zahnschmelz und dann das darunterliegende Dentin aufgeweicht und abgetragen.

Das passiert vor allem beim Essen und Trinken. Dass zuckerhaltige Speisen schlecht für die Zähne sind, ist wohl jedem bekannt. Doch auch Lebensmittel, die Säuren enthalten, sind schädlich. Insbesondere Zitrusfrüchte wie Ananas und Kiwi, aber auch säurehaltige Fruchtsäfte und Speisen wie Sauerkraut, saure Gurken etc. können den Zahnschmelz angreifen. Deswegen raten Zahnärzte dazu, niemals die Zähne direkt nach dem Verspeisen säurehaltiger Lebensmittel zu putzen, da man den angegriffenen Zahn zusätzlich mechanisch schädigt.

Auch interessant: 7 Lebensmittel, die gut für die Zähne sind

Schädigende Säuren im Mund schneller neutralisieren

Die gute Nachricht: Speichel neutralisiert die Säuren im Mund und schützt so auf natürliche Weise den Zahnschmelz. Experten raten sogar dazu, nach Mahlzeiten zuckerfreien Kaugummi zu kauen, da er den Speichelfluss fördert, wodurch Säuren im Mund schneller neutralisiert werden. Wer jedoch zu häufig saure Lebensmittel isst oder schon vorgeschädigte Zähne hat (zum Beispiel durch das Zähneknirschen oder zu intensives Zähneputzen), der wird es spätestens an seinen schmerzempfindlichen Zähnen spüren. In diesem Fall ist der Zahnschmelz bereits stark geschädigt.

Auch wer an Reflux (Magensäure wird aufgestoßen) oder Bulimie (Erbrechen nach dem Essen) leidet, schädigt durch die aggressive Magensäure den Zahnschmelz. Mundtrockenheit führt ebenfalls dazu, dass Bakterien die Zähne leichter angreifen können, da der schützende Speichel fehlt. Bei Menschen, die mit geöffnetem Mund schlafen, ist das häufig ein Problem.

Auch interessant: Kieferknacken oder Kieferverspannung? Möglicherweise handelt es sich um CMD

So stärkt man den Zahnschmelz

Der einfachste Tipp: Benutzen Sie zweimal täglich beim Zähneputzen eine fluoridhaltige Zahnpasta, denn sie unterstützt die Remineralisation des Zahnschmelzes. Fluoride und Kalziumphosphate werden in den Zahnschmelz eingebaut und schützen so vor einer Demineralisation des Zahnes, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Empfehlenswert ist zusätzlich die Anwendung eines Fluorid-Gels einmal pro Woche. Hier ist die Fluoridkonzentration besonders hoch, weshalb solche Produkte für Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet sind. Bei regelmäßiger Anwendung führen sie jedoch zu einer Remineralisation des Zahnschmelzes und helfen zudem gegen schmerzempfindliche Zahnhälse. Am besten, Sie fragen Ihren Zahnarzt, ob Sie ein Fluorid-Gel benötigen.

Ein weiterer Tipp kommt von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), der in der Leitlinie zur Kariesprophylaxe steht: Nach dem Essen sollte man am besten zuckerfreien Kaugummi kauen. Denn durch das Kauen wird der Speichelfluss angeregt, wodurch die schädlichen Säuren schneller neutralisiert werden.

Damit Sie den Zahnschmelzverlust rechtzeitig erkennen und gegensteuern können, sollten Sie mindestens einmal jährlich zur Zahnuntersuchung. Nur so können Sie sichergehen, dass Sie Ihre Zähne richtig pflegen und ggf. Zähneknirschen nicht heimlich nachts ihren Zahnschmelz schädigt. In diesem Fall kann beispielsweise eine beim Zahnarzt angefertigte Aufbissschiene für Abhilfe sorgen.

Auch interessant: Welche Zahnpflegeprodukte wirklich etwas nützen und welche nicht

Zahnschmelz stärken – Zusammenfassung

Im Folgenden haben wir alle Tipps zusammengetragen, wie Sie Ihren Zahnschmelz schützen:

  • benutzen Sie keine zu harten Zahnbürsten
  • drücken Sie nicht zu stark beim Zähneputzen auf
  • putzen Sie nicht länger als 3 Minuten die Zähne (zweimal täglich)1,2
  • vermeiden Sie zahnaufhellende Zahnpasta mit Schleifpartikeln
  • benutzen Sie fluoridhaltige Zahnpasta
  • säurehaltige Getränke lieber per Strohhalm trinken
  • Zähne nie direkt nach dem Verzehr säurehaltiger Speisen putzen (mindestens 30 Minuten abwarten)
  • zuckerfreien Kaugummi nach dem Essen kauen
  • Aufbissschiene gegen Zähneknirschen benutzen
  • jährlich zur Zahnuntersuchung gehen

Kann Zahnschmelz neu aufgebaut werden?

Wie oben bereits erwähnt, kann sich Zahnschmelz nicht selbst regenerieren bzw. neu aufbauen. Es wird allerdings daran geforscht, Zahnpflegeprodukte auf den Markt zu bringen, die den Zahnschmelz neu entstehen lassen. So haben chinesische Forscher ein Gel mit Hydroxylapalit-Kristallen entwickelt, die sich an den bestehenden Zahnschmelz binden und es so vermehren können.3 Allerdings hat die Innovation einen Haken: Wie das Ärzteblatt berichtet, müsste die Behandlung mit dem Gel etwa 400 Mal wiederholt werden, damit der Zahnschmelz wieder aufgebaut ist. Zudem müsse in Studien noch die gesundheitliche Eignung der Inhaltsstoffe untersucht werden, da einige von ihnen Schleimhäute und Atemwege reizen könnten.

Quellen