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Spezielle „Massage“-Form

Was ist eine Lymphdrainage und was bringt sie?

Frau bei der Lymphdrainage
Man könnte von einer speziellen, sanften Form der Massage sprechen, die auf die Lymphgefäße abzielt. Was dahintersteckt.Foto: Getty Images

Den Begriff Lymphdrainage verbinden wohl viele mit der Behandlung von chronischen (Gewebs-)Erkrankungen oder mit therapeutischen Maßnahmen nach einer Operation. Inzwischen hat sie aber auch Einzug in den Bereich Wellness gehalten. FITBOOK erklärt, was bei der Lymphdrainage bzw. Entstauungstherapie überhaupt passiert, was sie bringen soll und wem davon eher abzuraten ist.

Durch die Lymphgefäße des Körpers fließt die sogenannte Lymphe. Der Mensch produziert täglich mehrere Liter davon und unterhält damit quasi sein internes Abfallentsorgungs- und Entwässerungssystem. Besonders wichtig: Auf dem Weg in den Blutkreislauf, in den die Lymphe über die Schlüsselbeinvene eintritt, passiert sie zahlreiche Lymphknoten, welche auf etwaige Krankheitserreger ausschlagen und eine Immunantwort einleiten würden. Daher ist das Lymphsystem ein wesentlicher Faktor des Abwehrsystems.

Es gibt Vorerkrankungen und verschiedene äußerliche Faktoren (dazu später mehr), die das Abfließen der Lymphflüssigkeit behindern können. Eine solche Ansammlung von Lymphflüssigkeit in den Zellzwischenräumen heißt in der Fachsprache Lymphödem oder Lymphstau. Und wenn es dazu kommt, kann eine Lymphdrainage sinnvoll sein.

Was passiert bei der Lymphdrainage?

Bei der manuellen Lymphdrainage (oft auch: Entstauungstherapie) wendet ein Experte vordergründig (aber nicht nur) kreisende Bewegungen an, um die Aktivität in den Lymphgefäßen händisch zu stimulieren und dadurch die Lymphflüssigkeit zu einem besseren Abfließen zu bringen.Es ist wichtig, sich in die Hände eines Fachmanns zu begeben, der die richtige Reihenfolge der Grund- bzw., falls nötig, Ergänzungsgriffe kennt. Für gewöhnlich wendet man sich hierfür an einen Physiotherapeuten oder Phlebologen (= Venenspezialist), mit einer speziellen Zusatzausbildung können es auch Masseurin, Arzthelferin und Kosmetikerin.

Wer braucht eine Entstauungstherapie?

Es gibt verschiedene (u.a. entzündliche) Erkrankungen, bei denen eine regelmäßige Lymphdrainage angeraten ist. Auch wird sie unter bestimmten Bedingungen bei Lipödemen (chronischen Fettverteilungsstörungen, die sich vor allem in den Beinen mit deutlich sichtbaren Ansammlungen von Unterhautfett bemerkbar macht) angewandt, ebenso nach Operationen, wenn sich etwa aufgrund eines Schnitts durch die Lymphbahn Lymphflüssigkeit im Gewebe staut. Die Maßnahme ist unter gewissen Umständen auch Therapiebestandteil einer Krebserkrankung.

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Lymphdrainage in der Kosmetik

Auch in Dermatologiepraxen und mehr und mehr Kosmetikstudios werden Lymphdrainagen durchgeführt. Einsatzgebiete sind Stauungen und Schwellungen auf der Haut, erhabene Augenringe (sogenannte Puffy Eyes) und postoperative Treatments zur Verbesserung der Wundheilung (beispielsweise nach einem Lifting oder einer Lidstraffung).

Auch bei der Behandlung einer Rosacea (Hautkrankheit mit erweiterten Blutgefäßen aufgrund einer gestörten Regulierungsfähigkeit) erzielen einige Hautärzte per Lymphdrainage Erfolge.

Darüber hinaus gibt es Spa-Besucher, die sich das Treatment für ihr Wohlbefinden gönnen, manche von ihnen versprechen sich dadurch zu entschlacken und eine Verbesserung von beispielsweise Cellulite. Ob das mit dem Detoxen überhaupt funktioniert, ist wohl auch eine Überzeugungsfrage, FITBOOK hat hierüber bereits mit Experten gesprochen.

Gegenanzeigen für die Behandlung

Die manuelle Lymphdrainage ist nicht-invasiv und wird für gewöhnlich gut vertragen. Dennoch sollte ein Arzt abhängig vom jeweiligen Befund beurteilen, ob bzw. wie lange sich die Maßnahme (ggf. zu einer Therapie) empfiehlt. Bei akuten Entzündungen, einigen Gefäß- und Hauterkrankungen sowie Herzproblemen empfiehlt sie sich nicht.

Fachliche Beratung durch Dr. med. Timm Golüke (Dermatologe), Mounir El-madaghri (Physiotherapeut, Statera Physio) und Sandra Weigel (geprüfte Kosmetikerin).